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Exposystem Johanneum zur EXPO 2000 Alphabetischer Index unten
Die Natur als Erfindung des Menschen
Naturauffassung     Natur über alles?        


Das Vergessen des Traums

Die jüdisch - christliche Religion

Die Renaissance

Die Aufklärung

Die Industralisierung

Warum haben wir diesen Traum vergessen ?

hierhinFehlentwicklungen der menschlichen Kultur- und Geistesgeschichte


Nach diesen Ausführungen fragt man sich , warum es denn eigentlich zu den Problemen wie der Natur- und Umweltkrise, der Bedrohung und Vernichtung von Tierarten, den Gefahren für das Erdenklima und für die Menschheit kommen konnte, wenn doch der Mensch, der natürlicherweise so angelegt ist, daß er alles das rechtzeitig hätte erkennen und damit vermeiden können. Was naturhaft im Menschen verankert ist, kann ihn doch eigentlich nicht in eine solche zerstörerische Richtung lenken. Wo liegt also der „Sündenfall“, wenn wir Menschen uns heute wie eine Horde „interplanetarischer Eroberer“ auf der Welt gebärden, als gehörten wir nicht hierher ? Warum konnten wir uns nicht dauerhaft wie „Erdentöchter und Erdensöhne“ benehmen und die Natur schöpferisch weiterentwickeln? Was hat uns auf den falschen Weg gebracht ?


hierhinDie jüdisch-christliche Religion


Jahwe, der Gott des Alten Testaments, sei in seiner strengen Transzendenz , Unabhängigkeit und Souveränität ein typisch erdenferner Gott. Er habe zwar eine Beziehung zu seinem Volk Israel gehabt (Exoduserfahrung). Seine Schöpfung aber sei etwas außerhalb seiner selbst geworden. Im ersten Schöpfungsbericht werde die Sonne neben dem schon geschaffenen Licht noch einmal extra geschaffen, damit jede Göttlichkeit der Sonne oder des Lichts, (an die Meyer- Abich ja glaubt, s.o.), in antimythologischer Absicht abgewehrt ist. Der Mensch werde durch die Gottesebenbildlichkeit besonders herausgehoben und erhalte so auch eine erdenferne Stellung. Nicht ein falsches Verständnis dieser Gottesebenbildlichkeit als übertriebene oder angemaßte Herrscherpose des Menschen, wie viele Theologen heute gern zur Verteidigung der Bibel gegenüber der Kritik , sie sei für die Naturzerstörung mit verantwortlich , anzuführen pflegen, sondern der Gedanke der Gottesebenbildlichkeit selbst sei eine wichtige Ursache für die verfehlte Erhebung des Menschen über die Natur und andere Lebewesen und für die Herausbildung eines Egoismus des Menschen gegenüber der Natur (Humanegoismus). Im Christentum mit seinem Glauben an die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus sei eine weitere Verschlimmerung dieses unangemessenen Menschenbildes eingetreten, denn nun werde Gott selbst ausschließlich in einem Menschen zum Menschen, das heißt geradezu „anthropozentriert“ im wahrsten Sinne des Wortes , nicht aber als ein der Natur und der Schöpfung als ganzer zugewandter Gott. In der griechischen Mythologie entstanden Götter aus Naturkräften und der Mensch konnte sich nicht allzuweit von der Natur entfernen. Der griechische Tempel habe in der freien Natur gestanden und habe den Gläubigen Anteil an der freien Natur gegeben; der christliche Kirchenbau hingegen habe die Natur durch Wände ausgegrenzt. Die Hoffnung auf Erlösung der ganzen Schöpfung, wie sie im Neuen Testament in Röm. 8, 19-21 angedeutet wird, sei in der Bibel viel zu schwach vertreten. Nach Meyer-Abich ist Gott nicht nur Mensch, sondern Welt und Natur als ganzes geworden; Natur sei der sich verweltlichende Gott. Meyer-Abich sieht nur wenige Anknüpfungspunkte im Sinne seiner Anschauung in der christlichen Geschichte. Ein Beispiel hierfür ist die uns bekannte Ebstorfer Weltkarte, auf der die Welt als Leib Christi dargestellt ist. Die Leiden der Natur und der Welt seien also auch die Leiden Christi .


TabellehierhinDie Renaissance

Descartes (groß)Eine weitere Fehlentwicklung trat in der Zeit der Renaissance mit der berühmten kopernikanischen Wende ein. Im Unterschied zur gängigen Deutung der Entdeckung , daß die Erde nicht im Zentrum des Weltalls steht, als einer Entthronung und Verunsicherung des Menschen, versteht Meyer-Abich die Renaissance als eine weitere Aufwertung der menschlichen Persönlichkeit und Herausbildung der menschlichen Individualität. Die kopernikanische Entdeckung habe den Menschen nämlich von seiner untersten Stelle im Kosmos befreit und damit zu neuem Selbstbewußtsein verholfen. Diese falsche Entwicklung habe sich mit Descartes und in der Zeit der Aufklärung mit Kant weiter fortgesetzt, da beide die menschliche Subjektivität und Ratio übermäßig herausgestellt hätten.


hierhinDie Aufklärung


Kant (groß)Dadurch, daß die Aufklärung die menschliche kritische Vernunft in den Mittelpunkt stellte, wurde eine weitere Steigerung des Humanegoismus erreicht. Kant habe zwar mit seiner „Kritik der reinen Vernunft“ auch die Vernunft selbst einer Kritik unterzogen und damit z.B. die Menschenförmigkeit des Bildes, was wir von der Natur haben, entdeckt. (Wir sehen nach Kant die Dinge nicht so, wie sie „an sich“ sind, sondern nur so, wie unsere menschlichen Anschauungsformen und Verstandeskategorien sie erfassen). Aber die kritische Vernunft habe bei Kant zu einer neuen Überheblichkeit des Menschen über die Natur geführt, indem die moralische Vernunft zum Maßstab über die Natur gemacht wurde. Das berühmte Kantwort: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung undKantgrag (groß) Ehrfurcht...: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“ meint nach Meyer-Abich eben nicht die tiefe Demut gegenüber der Natur, sondern die moralische Überlegenheit der menschlichen Vernunft, da sie selbst bestimme, was erhaben sei und was nicht. Der Natur bleibe nur die Macht ihrer Determiniertheit, der auch wir körperlich bis hin zum Tod unterliegen, nicht aber die geistige und ethische Vorherrschaft. Der aufrechte Gang des Aufklärers gerate so zum Pathos der Autonomie des Menschen, der sich und seine Vernunft an die höchste Stelle gesetzt habe. Der berühmte kategorische Imperativ Kants „Handle so, daß die Maxime deines Wollens jederzeit zu einer allgemeinen Gesetzgebung dienen könne!“ müsse insgeheim übersetzt werden mit dem Satz: „Handle so, als wenn du Gott wärest !“. Natürlich fehlt an dieser Stelle auch nicht die Kritik Meyer-Abichs an Kants angeblicher Mißachtung des Gefühls.


TabellehierhinDie Industrialisierung


Die letzte Stufe der Vermessenheit habe der Mensch in der Vergötterung der Industriegesellschaft erklommen, wobei die Voraussetzungen hierfür schon durch die Erfolge der Naturwissenschaften und der Technik geschaffen worden waren, die dem Menschen erlaubten, seine Allmachtsgefühle voll auszuleben und sogar Tod und Verderben in Form von zwei Weltkriegen, der Atombombe und einer rücksichtslosen Naturzerstörung über die Welt zu bringen. Auch wirtschaftliche und politische Vorbedingungen wie der Liberalismus (freie Marktwirtschaft) habe die Ablösung des Individuums, das nur auf seinen Eigennutzen aus war, von der Gemeinschaft und von der Natur gefördert. Falsches menschliches Fortschrittsdenken , das auch durch den darwinistischen Entwickungsgedanken im 19. Jht. verstärkt wurde, sei eigentlich eine Todesphantasie, da die Zeit, die vorher Gott in Händen hielt, vom Menschen erobert und verfügt werde, in einem Wettlauf letztlich tödlich enden werde, zuerst für die , die nicht mehr mitkommen, danach für die vermeintlichen Sieger. Jeder Einzelne in der modernen Konsumgesellschaft leide unter diesem falschen Selbstbild der Autonomie des Individuums; man häufe zur Stützung seines Geltungsbedürfnisses Konsumgüter an und lebe damit zu Lasten Dritter: zu Lasten seiner Mitmenschen, der nachkommenden Generationen und der Natur. Das Privateigentum sei der Absolutismus des kleinen Mannes.

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