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Die Natur als Erfindung des Menschen
Naturauffassungen   Seneca          


Seneca und Meyer-Abich Facharbeit Latein Diane Meyer, Fachlehrer Fred Radewaldt

3. Meyer-Abichs Naturphilosophie

3.1. Meyer-Abichs biographische Daten

3.2. Meyer-Abichs Naturphilosphie

3.1. Meyer-Abichs biographische Daten

Klaus-Michael Meyer-Abich ist Diplomphysiker und seit 1972 o.Professor für Naturphilosophie an der Universität Essen. Zusätzlich ist er Senator für Wissenschaft und Forschung der Freien und Hansestadt Hamburg.
In den Jahren 1964 bis 1972 arbeitete er zusammen mit C. F. von Weizsäcker in Hamburg und am Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Sarnberg. Von 1979 bis 1982 war Meyer-Abich Mitglied der Enquête-Kommissionen "zukünftige Kernpolitik" des Deutschen Bundestags und leitete von 1974 bis 1984 die interdisziplinäre Arbeitsgruppe Umwelt, Gesellschaft, Energie (AUGE) der Universität Essen. Von 1980 bis 1985 leitete er zudem mit B. Schofeld das Forschungsprojekt über die Sozialverträglichkeit der Energiesysteme.
Außerdem hat er eine große Zahl anderer Bücher veröffentlicht, deren Thema die Naturphilosophie ist.

Das mir zur Verfügung stehende Buch "Praktische Naturphilosophie: Erinnerung an einen vergessenen Traum" ist auch im Rahmen eines Forschungsprojekts, nämlich "Kulturgeschichte der Natur" entstanden.

3.2. Meyer-Abichs Naturphilosophie

Im Mittelpunkt der Naturphilosophie Meyer-Abichs steht die Frage, wie der Mensch mit der Natur zu leben habe.
Es stehe fest, dass mit der menschlichen und natürlichen Mitwelt insgesamt liebend angemessen umzugehen sei. Es solle dabei aber mehr Wert auf den Umgang mit der natürlichen Mitwelt gelegt werden, als auf das gesellschaftliche Zusammenleben.
In der Gemeinschaft der Natur sollten wir die Aufgaben wahrnehmen, die uns gegeben wurden und nicht zu Lasten Anderer leben.

Außerdem ist er der Meinung, dass man nicht mehr unbedingt der alttestamentlichen Herrschaftsordnung, in der der Mensch sich die Erde und die Natur untertan machen soll, zustimmend dürfe. Es reiche heutzutage auch nicht, in gerechter Weise als Mensch die Herrschaft zu übernehmen, sondern der Mensch habe nur ein Recht darauf, ein Teil der ganzen Natur zu sein.

Laut Meyer-Abich sei das Mitsein in der Gemeinschaft der Natur von einem liebenden Umgang mit Anderen und dem Teilen der Freude Anderer bestimmt. Man solle frei nach eigenem Willen handeln, sei aber den Anderen ein kooperatives Verhalten schuldig. Die Natur jedes Einzelnen werde durch den Umgang mit der Mitwelt beeinträchtigt und die gesamte Natur strebe an, gleich zu werden.
Überhaupt müsse Mensch sich zum Ziel setzen, sich immer wieder zu verbessern und ein höheres Niveau zu erreichen, aber die Entwicklung des Anderen dürfe er nicht beeinträchtigen.

Die Herausforderung der Menschen in Bezug auf die Natur sei die Kultur, welche aus der Gemeinschaft entstehen müsse. Dazu müsse allerdings die Welt erst richtig verstanden werden. Die Industriegesellschaft hat die Natur immer nur verändert. Zukünftig müssten jegliche Veränderungen gerechtfertigt werden. Die Natur solle sich entwickeln, nicht unbedingt ohne die Tatkraft des Menschen, aber auch nicht zwangsweise wegen menschlicher Eingriffe. Es müsse entschieden werden, welche Eingriffe gerechtfertigt werden können.

Meyer-Abich: "Die Kultur ist ein schöpferischer Prozess, in dem es auch nicht ohne Zerstörung abgeht, der aber die Suche nach den wiederzufindenden Frieden mit der Natur ist und diesen Frieden als eine Gegenwart der Zukunft lebendig vergegenwärtigt, wo immer Kultur gelingt." (Praktische Naturphilosophie: S.371,Z.20).
Es sei also abzuwägen, wo Grenzen gezogen werden müssen, sodass nichts dem Frieden entgegengesetzt werden könne.
In unserer Gesellschaft werden allerdings manche genannten Merkmale nicht eingehalten. Durch den Abbau der natürlichen Elemente und die Modernisierung leben wir zu Lasten der Allgemeinheit, vor allem unserer Nachfahren.
Sich selber in ein Risiko zu versetzen, könne jeder für sich selbst entscheiden. Wo aber Andere miteinbezogen sind, z.B. im Straßenverkehr, müsse mehr Flexibilität gezeigt werden.
Die umweltschädlichen Verschlechterungen würden durch den Wohlstand der Menschen entstehen und wiederum gegen den Wohlstand der Mitwelt arbeiten.

Meyer-Abich ist der Meinung, dass die Menschen zu Lasten der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft leben (Praktische Naturphilosophie: S.383,Z.23). Die Güter, die wir von den Vorfahren übernehmen konnten, zehren wir auf, z.B. durch Landwirtschaft, indem wir Tiere und Pflanzen gefährden. Das schadet nicht nur der Vergangenheit. Es wirkt sich auch auf die heutigen Lebensverhältnisse und auf die zukünftigen aus.
Die Bürger bzw. der Staat der Industriegesellschaft lebe zu Lasten der Allgemeinheit, weil gewonnene Güter zur Deckung von Ausgaben verwirtschaftet würden und keine Rücklagen zur Beseitigung von Schäden existierten, sondern die Rechnungen unbezahlt blieben.

Durch die Kultur sei auch der Sinn der Ansässigkeit verdreht worden.
Heutzutage finde der Mensch seine Heimat dort, wo er einen Arbeitsplatz findet und sucht sich nicht Arbeit dort, wo seine Heimat ist.
Dies ähnelt dem unkultivierten Nomadenleben, wenn es nicht zu Lasten der Allgemeinheit ausfallen würde. Das passiere aber schon deshalb, weil die Menschen sich, wenn sie sich beim Arbeitsort heimisch niederlassen wollen, sich nicht unbedingt anpassen, sondern dem Gebiet oder Platz ihre Wünsche aufdrücken und Häuser oder Äcker möglichst nach eigenem Belieben bauen oder bestellen wollen.
Kultur sei aber andererseits auch wichtig für die Menschen.

Meyer-Abich behauptet: "Dass Menschen dazu in der Lage sind, Kultur in die Welt zu bringen und dadurch einen humanen Beitrag zur Naturgeschichte zu leisten, haben unsere Vorfahren durch die Bildung von Kulturlandschaften bewiesen. (...) Ohne die menschlichen Eingriffe wäre Mitteleuropa fast ganz von Wäldern bedeckt." (Praktische Naturphilosophie: S.392,Z.3).
Der Mensch sei von Natur aus ein Kulturwesen. Meyer-Abich kritisiert nicht direkt die Kultur, sondern den zu bemängelnden Fortschritt. Er bezeichnet diesen als "Konsum". Derjenige, der diesem Konsum positiv geneigt sei, sei somit ein "souveräner" bzw. "unmündiger Konsument" (Praktische Naturphilosophie: S.392,Z.38).

Die industrielle Wirtschaft sei zu weit gegangen; aber andererseits müssen Menschen sich von der Natur ernähren und somit sich der Kultur bedienen, um überhaupt existieren zu können.
Meyer-Abich bringt hier das Beispiel an, dass in den Bergkuppen von Montepulciano Häuser gebaut worden seien, die aussehen würden, als seien sie direkt der Erde entwachsen. Da die Menschen dies aber getan haben, erwecke es den Eindruck, als hätten sie dies zumindest im Namen der Natur getan. So hätten sie die Kultur in die Welt gebracht, als sei es auch im Namen der Natur geschehen (Praktische Naturphilosophie: S.400,Z.17).
Um also von der heutigen allgemein unnatürlichen Lebensweise wieder zurück zur Natur zu kommen, sei der einzige Weg aus der Krise die Kultur. Die Wirtschaft müsse wieder in diese verwandelt werden.
Diejenigen, die sich auf das wirtschaftliche Handeln verstehen, müssten auch gleichzeitig ein Bewusstsein für die Kultur bekommen, anstatt für den Konsum.
Um die Wirtschaft und die Kultur miteinander vereinbaren zu können, ist Sesshaftigkeit nötig. Der Mensch will in der Welt heimisch sein und müsse deshalb auch am eigenen Wohlergehen interessiert sein und auf die Kultur und Wirtschaft achten.

Gegen den wirtschaftlichen Fortschritt und für das Handeln im Einklang mit der Natur sprechen folgende Grundvoraussetzungen:
Leben solle der Mensch nur da, wo er in seinen Lebensraum passt und die Natur nicht extra verändern muss. Er solle seine Lebensweise auch auf die gesamte Natur abstimmen.
Jegliche Eingriffe in die Natur seien von Nachhaltigkeit, deren Ausmaß wohl von uns Menschen schwer zu bestimmen ist.

Die Wirtschaft versuche beim Handeln, immer mehr Zeit zu gewinnen, indem alles schneller gehen soll (Praktische Naturphilosophie: S.415,Z.23). Diese Zeit kann durch technische Mittel verbessert werden.
Kulturelle Schritte sind aber immer mit Zeit verbunden, die schwer zu beeinflussen ist. Daran müsse sich die Wirtschaft anpassen, was etwas unbequem für sie sei, weil
selbst sie hieran nichts ändern könne.

Meyer-Abich orientiert sich sogar an einem Zitat Epikurs 1949,56: "(...) denn nichts genügt dem, dem das Genügende zu wenig ist" (Praktische Naturphilosophie: S.393,Z.20), zumal gerade Epikur so genügsam und einfach lebte.
Damit möchte er auch wieder ausdrücken, dass der Mensch seinen Standard vielleicht etwas herabsetzen solle.
Meyer-Abich möchte mit dieser Problematik den Menschen auf den Weg bringen, weniger an sich selbst zu denken, sondern sich auch mehr Gedanken über die Umwelt und die Gesellschaft, in der wir leben, zu machen. Wir sollten unser Leben mehr auf die anderen abstimmen und über die Folgen nachdenken, die durch unser Handeln entstehen können.

So könne der Mensch sich einen lebenswerten Lebensweg bahnen und "wollen, wofür er gut ist" (Praktische Naturphilosophie, 5.Kapitel:Kultur des natürlichen Mitseins: Wollen, wofür wir gut sind;S.434,Z.35).

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nah"Natur, Natur über alles?" Vortrag zur Naturphilosophie Meyer-Abichs



obenAutorin: Diane Meyer, Abi 2000  Datum: April 99. Letzte Änderung am 25. Mai 2002
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