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Die Natur als Erfindung des Menschen
Naturauffassungen   Seneca          


Seneca und Meyer-Abich Facharbeit Latein Diane Meyer, Fachlehrer Fred Radewaldt

Senecas Naturphilosophie

2.1. Biographische Daten

2.2. Die stoische Naturphilosophie

2.3. Senecas Naturphilosophie

2.1. Senecas biographische Daten

Seneca war ein römischer Philosoph und Dichter, der ungefähr 4 v. Chr. in Corduba in Spanien geboren worden war. In seinen ersten Lebensjahren zog er mit seiner Familie nach Rom.
In seiner Jugend beschäftigte sich Seneca mit der Philologie und der Philosophie, der er bald am meisten Zeit widmete, während er nebenbei selbst die Redekunst vernachlässigte. Er arbeitete später als Politiker und Redner in Rom, wurde allerdings unter dem Kaiser Claudius wegen angeblicher unseriöser Lebensweise nach Korsika ins Exil geschickt.

Als er nach Rom zurückkehrte, wurde er Erzieher und Berater des Kaiser Nero. Nachdem er sich später ins Privatleben zurückgezogen hatte, zwang dieser ihn zum Selbstmord, weil er ihn einer Beteiligung an einer Verschwörung verdächtigte.

Seneca war Schüler der stoischen Schule gewesen, und seine Einstellung und Philosophie waren davon beeinflusst.

2.2. Die stoische Naturphilosophie

Die stoische Philosophie ist ein System aus drei Teilen, nämlich der Logik, Physik und Ethik.
Die Logik ist auf der Kunst der Rhetorik und der Dialektik aufgebaut. Außerdem glauben die Stoiker, dass jeder Einzelne durch eigene Erfahrung und Erkenntnis für sich selbst über die Wirklichkeit von einzelnen Objekten entscheiden müsse.
Die Physik, die zweite Vorstufe zur Ethik beruht auf materialistischer Gesetzlichkeit. Die von außen wirkende Kraft braucht eine von innen kommende Komponente (Gott) und wird so erst zum Weltganzen.
Die Ethik bedeutet naturgemäß und vernunftgemäß zu leben. Diese Art und Weise wird durch Affekte wie Leidenschaften gehindert.
Wer aber widersteht und leidenschaftslos lebt, ist weise. Das ist das Ziel der Stoiker.
Weitere Prinzipien dieser Philosophie sind Menschenliebe und Gerechtigkeit. Außerdem werden keine Unterschiede zwischen dem Bürgertum und den Sklaven gemacht.

2.3. Senecas Naturphilosophie

Seneca hat sich selbst sehr mit der Ethik und deren Vorstufen beschäftigt und wollte seinen Lesern beibringen, naturgemäß zu leben.
Dies kommt besonders in Senecas 90. Brief der Sammlung "Epistulae morales ad Lucilium" zum Ausdruck:
"Die Philosophie habe die Aufgabe, die Wahrheit über göttliche und menschliche Dinge zu finden und habe gelehrt, Göttliches zu verehren und Menschliches zu lieben" (ep.90,3), und dass die von den Göttern beherrschten Menschen in Gemeinschaft leben.
So sei es im goldenen Zeitalter zugegangen.
Die Weisen hätten als Erfahrene und Einsichtige die anderen Menschen beherrscht und die Rechte der Schwächeren gewahrt.
Es sei nicht auf die Größe und Stärke des einzelnen Menschen angekommen, sondern auf die sittliche Lebensweise und geistige Größe.(ep. 90,2)

Jeder Einzelne soll sowohl unbeeinflusst und unabhängig von den anderen als auch nach dem Gesetz der Natur leben, nicht nach den gesellschaftlichen Normen.
Es komme darauf an, ein einfaches Leben ohne Überfluss zu führen.
Der Mensch solle nur das wichtigste zum Leben haben. Seneca behauptet, man solle sich ein Beispiel an nomadisierenden Völkern nehmen, in denen die Menschen in Erdgruben und Höhlen hausten, ohne die Natur zu beeinträchtigen: "Bergen sich nicht in Erdgruben die Syrtenvölker und die, denen wegen der allzu großen Sonnenglut keine Bedeckung, die Hitze zu vertreiben, dicht genug ist außer dem trockenen Boden selbst?"(ep.90,17)

Die Menschen müssen auch von den Produkten der Natur leben, sollen sie aber nur als lebensnotwendige Quelle betrachten und nicht ausbeuten. Die ersten Menschen folgten ihr sogar und teilten die Geschenke der Natur gemeinschaftlich untereinander(ep. 90, 36).
Alle Menschen waren gleich reich oder arm und wurden von der Erde wie von einer Mutter versorgt.
"Den Zustand des Menschen - keinen anderen wird jemand mehr bewundern, und wenn ihm der Gott gestattet, die Verhältnisse auf der Erde zu gestalten und den Völkern die Kultur zu geben, wird er nichts anderes gutheißen als das, was es bei jenen gegeben haben soll - wie man in Erinnerung hat - bei denen keine Pächter unterwarfen die Fluren; auch nicht als Eigentum zu bezeichnen oder mit einer Grenze zu teilen das Feld war Recht: für die Allgemeinheit erwarb man, und die Erde selbst brachte alles bereitwillig, keiner brauchte zu fordern."(ep.90,37) Das Leben der Menschen sei ohne die Genußsucht, allein mit dem Ziel, nur mit einfachsten, natürlichen Mitteln auszukommen, leichter. Die Genußsucht habe den Menschen gereizt und ihn durch ihren Einfallsreichtum zu falschen Handlungen geführt. Erst begehrte sie Überflüssiges und Naturwidriges, dann habe sie dem Menschen den Körper bewusster gemacht und den Geist in den Hintergrund gebracht Der Mensch habe sich diese Haltung schwer erarbeitet, und nun lebe er danach, eigentlich ärmer als vorher (ep.90,19). Der Mensch sei also zu verachten, wenn er sich nicht über seinen Zustand, über das Menschliche und Körperliche, hinausbewegt. Nur dann könne er den Sinn des Daseins und die Notwendigkeit dazu einsehen und auch zur Tugend der Weisheit gelangen. Denn ein Weiser tue Notwendiges. Er sei sich dessen bewusst, dass die Philosophie die Menschen lehre, sich gemäß der Natur zu verhalten und gemäß der Mitmenschen.

Die Weisheit sei nämlich nicht die Verursacherin der Laster, die durch die Kultur erreicht werden.
"..., den Frieden bevorzugt sie (die Weisheit ) und ruft die Menschen zur Eintracht. Nicht ist sie, sage ich, Verfertigerin von Geräten für den praktischen Bedarf. (...) Die anderen Handfertigkeiten freilich stehen unter ihrer Herrschaft. (...)" (ep.90,26-27).
Außerdem führe sie diejenigen, die die Weisheit besitzen, ins Glück.
Laut Seneca zeige sie nämlich dem Menschen die Schlechtigkeiten und Nichtigkeiten (ep.90,28). Wenn jemand diese erkennt, sei er auch dazu imstande, diese zu ändern.
Die Weisheit lehre den Unterschied zwischen Wichtigem und dieses Wichtige Zerstörendem, und außerdem das Wissen um die Natur.
Jemand, der in der Kenntnis der Weisheit ist, wisse auch, dass gegenständliche Erfindungen unbedeutend seien.

Als sich nämlich unter den Menschen Habsucht verbreitete und das Streben nach "höherem", materiellem Anspruch, wurden auch schnell Gesetze verfasst - und diese zunächst von den Weisen. Als die Raffsucht einbrach, wurde der gemeinschaftliche Besitz in Eigentümer eingeteilt.

Es entstand ein Kreislauf zwischen der daraus resultierenden Armut, die zu noch größerer Gier führte, welche wiederum noch mehr Verluste mit sich brachte. Verluste für die Menschen, die nun nicht das Gute, sondern auch das Böse kannten und einander entfremdete.
Dadurch sei der Prozess ausgelöst worden, dass die Reichen immer reicher wurden und die Armen ärmer. Seneca habe diesen "Abfall von der Natur" als "moralischen Verfall " bezeichnet (Villy Sørensen, "Seneca", S. 208, 279).
Auch in einem anderen Brief 41,9 sagt Seneca schon, dass es das leichteste sei, im Einklang mit der Natur zu leben. Durch den allgemeinen Wahnsinn des Menschen werde es allerdings so schwierig.
Diese Dinge, die den natürlichen Ereignissen entgegenstehen, seien also nicht von den Weisen erfunden worden, sondern von denjenigen, die an den praktischen Fertigkeiten und den z.B. lärmenden Künsten Interesse haben. Dies sei bei den Weisen nicht der Fall (ep. 90,9,19 u. 25), nur wenn sie als vorschnelle Menschen handelten und nicht als Weise. (ep. 90,31).

Der Weise habe aber die Wahrheit und die Natur erkannt und das damit verbundene Gesetz des Lebens. Dieses Wissen und dessen Wert als Mensch zu erreichen, sei eine Kunst.
Seneca war der Meinung, dass dies dennoch das Ziel eines jeden sein sollte. Schließlich werde der Mensch mit einer ursprünglichen Veranlagung zur sittlichen Vollkommenheit geboren, sei diese aber nicht von Grund auf selbst, sondern müsse sich in ihr üben, um in Übereinstimmung und Harmonie mit der Natur leben zu können.

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obenAutorin: Diane Meyer, Abi 2000  Datum: April 99. Letzte Änderung am 25. Mai 2002
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