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Die Natur als Erfindung des Menschen
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Glaube und Naturwissenschaft, ein Projekt des Kurses Evangelische Religion Jg. 13
Schöpfung und Natur in anderen Religionen

Schöpfung und Natur im Buddhismus

Weltbild des Buddhismus

Im Buddhismus spricht man von einem „zyklischen Weltbild“, d.h. es gibt keinen Weltanfang und kein Weltende; die Welt wird immer wieder zerstört und immer wieder neu aufgebaut. Im Gegensatz zu den in der biblischen Schöpfung üblichen Zeitdimensionen sprechen die Buddhisten vom unendlichen Alter der Welt und auch von einer möglichen menschlichen Lebenserwartung von bis zu 80 000 Jahren. Auch räumlich gesehen denken die Buddhisten in ganz anderen Dimensionen. So gibt es eine „Viel-Welten-Theorie“, nach der es neben unserem Sonnensystem noch weitere belebte Galaxien sowie für uns unsichtbare Welten für Geister und Götter geben soll.

Das tibetische Lebensrad
zeigt sechs Daseinsbereiche im mittleren Ring (im Uhrzeigersinn): unten die Hölle, danach die Reiche der Hungergeister, der Menschen, der Götter, der Halbgötter(Titanen) und der Tiere. Der hektischen Welt gegenüber, außerhalb des Lebensrades oben, steht das Nirvana, das „Leere“, das „Nichts“ im Sinne von Verlöschen allen Lebensdurstes. Es stellt die Erlösung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten dar und wird durch die Erleuchtung, die Buddhaschaft erreicht. Der äußere Ring zeigt, wie durch den Kausalnexus die Wiedergeburten des Menschen entstehen. Das ganze Rad wird von den Krallen eines Dieners des Todesgottes gehalten.

„Schöpfung“ im Buddhismus:

Der Kreislauf beginnt mit der Zerstörung der Welt. Zuerst sterben die Bewohner der Höllen, der Erde und der unteren Himmel, darauf wird die Welt restlos vernichtet. Anschließend läßt das Karma der Wesen, die wiedergeboren werden müssen, die neue Welt wieder aus dem Nichts entstehen. Damit beginnt die Periode des ersten Weltalters: die Erde wird bevölkert, es herrschen paradiesische Zustände. Die Menschen sind geschlechtslose Lichtwesen mit einer Lebenserwartung von 80 000 Jahren, die nur subtiler Nahrung bedürfen und nicht zu arbeiten brauchen. Mit der Zeit entstehen allerdings Begierden, die schließlich zu einer Art Sündenfall führen. Als dessen Folge nehmen die Menschen jetzt grobstoffliche Nahrung zu sich, weshalb sie nun auch die Felder bestellen, Häuser bauen, einen König ernennen und das Kastensystem einführen müssen. Der moralische Verfall nimmt weiter zu, so daß die Menschen nur noch 10 Jahre alt werden. Schließlich vernichten sich die Menschen in einem Krieg gegenseitig bis auf wenige friedliche Wesen, die den moralischen Verfall verborgen in den Wäldern überdauert haben und nun das zweite Weltalter begründen. Es folgen abwechselnd auf- und absteigende Weltalter. Hat das 20. Weltalter einen Optimalzustand erreicht, beginnt eine neue Periode der totalen Weltzerstörung. Es kann für einen Buddhisten also weder einen permanenten Verfall, noch einen unendlichen Fortschritt geben, sondern nur einen ewigen Wechsel.

Menschenbild des Buddhismus:

Im Buddhismus sind alle Kreaturen gleichwertig, daraus leitet sich auch die Pflicht ab, alles Leben zu schützen. Der Mensch spielt hier keine übergeordnete Rolle oder Beschützerfunktion wie in der biblischen Schöpfungsgeschichte. Er steht aber insofern an oberster Stelle, als nur er als einziges Wesen der Selbstreflexion und damit der Erlösung fähig ist. Der Mensch ist ein leidgeprüftes und zur Wiedergeburt verdammtes Wesen, dessen Karma nach der Formel des Kausalnexus bestimmt wird. Das Ich des Menschen ist eine Ansammlung von Bewußtseinszuständen und keine beharrende Persönlichkeit im abendländischen Sinne. Dieses Ich als Schein zu erkennen ist ein Schritt auf dem Weg zur Erleuchtung und Erlösung.

Buddhas Schweigen über metaphysische Probleme:

Buddha schwieg darüber, woher das Sein und die Welt eigentlich kommen, da er befürchtete, daß die Beantwortung solcher Fragen keine Zeit für die Auffindung des Erlösungsweges und der Befreiung vom Leiden übriglasse: „Erörtere nichts, was wir nicht mit Sicherheit wissen können! Erörtere nichts, was zu wissen uns unnütz und wertlos ist! Alles muß ausgeräumt werden, was nicht der Erlangung von Ruhe, Erkenntnis (nicht im Sinne von Wissenschaft), höchster Weisheit und des Nirvana dient!“ Ein Gott kann laut Buddha nicht der Schöpfer der Welt sein, da er auch das Leiden geschaffen hätte und damit in höchstem Maße grausam und ungerecht wäre.

Wissenschaft:

In der buddhistischen Kultur hat sich keine exakte Naturwissenschaft wie z.B. Physik entwickelt. Es gab jedoch in vom Buddhismus beeinflußten Ländern Erfindungen wie das Schießpulver und das Papier. Aufgrund der buddhistischen Philosophie vom Leben als Leiden war die ganze Existenz darauf ausgerichtet, den Weg zur Erlösung zu finden. Bei den Griechen im antiken Europa dagegen entwickelten sich eine Philosophie der Begriffsdefinitionen, eine Naturphilosophie und eine anwendbare Mathematik. Somit waren Voraussetzungen für eine spätere Erklärung der Natur durch mathematische Naturgesetze vorhanden.

Ergänzung:

Es ist bemerkenswert, wie im heutigen Dialog des Dalai Lama mit modernen Naturwissenschaftlern der Begriff des Karma-Gesetzes das Interesse der letzteren erregt, da es ja als unpersönlich, universal und kausal wirkendes Gesetz verstanden wird, und mit einem Naturgesetz verglichen werden könnte (vgl. GEO-Magazin Nr.1/1999). Dieser Vergleich verkennt allerdings, daß das Karma-Gesetz nicht mathematisierbar ist, sondern im Gegenteil ein auf menschlichen Vorstellungen von Gut und Böse beruhendes Vergeltungsgesetz, also moralischer Natur ist. hier
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obenAutoren: Jg. 13 (Abi99), Lehrer Gerhard Glombik   Datum: Mai  99. Letzte Änderung am 25. Mai 2002
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