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Die Natur als Erfindung des Menschen
Naturauffassungen       Natur in anderen Religionen      

Glaube und Naturwissenschaft, ein Projekt des Kurses Evangelische Religion Jg. 13
Schöpfung und Natur in anderen Religionen

Schöpfung und Natur in Naturreligionen

Aus der ungeheuren Fülle der Naturreligionen können nur Beispiele genannt werden:

Indianische Religionen

Für indianische Schöpfungsgeschichten ist oft typisch, daß zuerst der Himmel vorhanden ist und danach die Erde erschaffen wird. Die Schöpfung des Menschen durch Gott oder Götter gelingt oft nicht auf Anhieb, z. B. wird der Mensch aus Lehm (=ohne Verstand), aus Holz (=ohne Gefühl) und erst am Schluß aus Mais gebildet. Manchmal treibt die Gottheit auch eine Art Schabernack, womit das Leben auf Erden ermöglicht wird. Eventuell wird auch von einer Art Sündenfall erzählt, in dem die Götter den Menschen seiner Weisheit berauben. Bei den Navajos ist die Schöpfung verbunden mit der Vorstellung eines Aufstiegs aus völliger Dunkelheit in eine lichte Oberwelt, was an eine Heraufkunft des Menschen aus dem tiefsten Dunkel des Unbewußten denken läßt.

Anmerkung:

Obwohl aus indianischer Religiosität eine große Natur- und Heimatverbundenheit spricht, die dem Menschen aber auch in Bezug auf die Nutzung der Natur sehr enge Grenzen setzt, muß die oft zitierte Rede des Indianerhäuptlings Seattle vom Stamme der Duwamish 1855 aus dem 1972 entstandenen Film „Söhne der Erde“ als eine moderne Fälschung bezeichnet werden. Sie wurde 1972 von dem Dozenten Ted Perry im Auftrag der Southern Baptist Konvention verfaßt und wurde zu einem „fünften Evangelium“ der Umweltbewegung, weil Seattle angeblich mit tiefer Indianerweisheit und prophetischer Gabe die Naturzerstörung der Industriegesellschaft angeprangert haben soll, wofür es aber keinen historischen Beleg gibt.

Religion der Aborigines

Die australischen Ureinwohner glauben, daß die Welt und die Naturerscheinungen in einer mythischen Vorzeit (“Traumzeit“) von großen Traumzeitwesen hervorgebracht wurden, die zumeist in Tier- oder Menschengestalt aus dem Erdinneren aufstiegen, um mit ihren Schöpfungskräften Form und Ordnung in die Welt zu bringen. Nach dem Schöpfungsgeschehen verließen die Urzeitwesen die Erde wieder, sind aber an den betreffenden Orten (Bäume, Quellen, Felsen) als heilige Kraft präsent, deren ständige Reaktivierung vom kultischen Handeln der Menschen abhängt.
Die Urzeitwesen haben auch die kulturelle Ordnung geschaffen, die damit in engem Kontakt zur Natur steht. In den heiligen und geheimen Riten vollzieht die Kultgemeinde an den heiligen Stätten zumeist in Tänzen und Gesängen das Urzeitgeschehen nach, erneuert damit die schöpferischen Energien und bekräftigt die Gültigkeit und Unverletzlichkeit der Normen. Die Australier glauben, daß durch diese Traumwesen an bestimmten heiligen Orten auch die Menschen entstehen. Deshalb gelten bestimmte Menschen als mit bestimmten Tieren und damit auch untereinander als geistig verwandt (Totemismus). Diese totemistische Beziehung besteht in der ehrfurchtsvollen Behandlung oder strengen Meidung eines Totemtieres und in der Regelung bestimmter sozialer Verbindungen. Heilige Kultgegenstände der Australier, z.B. bemalte Schilde, zeigen oft in symbolisch verschlüsselter Form die Gestalten und Wanderwege der Traumzeitwesen und Totemtiere.

Religion der Melanesier

In Melanesien (z.B. Neuguinea) hingen die früheren Zeiten praktizierten Bräuche des Kannibalismus und der Kopfjagd mit den Schöpfungsmythen der Ureinwohner zusammen, da sich unter den Urzeitgottheiten z.B. ein Himmelsriese befand, Lebewesen tötete und auffraß. Die Söhne einer alten Frau, selbst Repräsentanten von Urzeitgöttern und Urahnen der Menschen, sollen den Himmelsriesen getötet, zerstückelt und in einem großen Fest mit einem heiligen Mahl verzehrt haben. Andere Mythen erzählen, daß aus getöteten Urzeitgottheiten die Nahrungspflanzen entstanden sind. Die Menschen verdanken also nach ihrem Glauben dem Tod der Urzeitwesen die jetzige Seinsordnung. Durch die Kulthandlung des Kannibalismus wurde dieses Urzeitgeschehen nachvollzogen. Nur so konnte die Schöpfungskraft der Natur erneuert und aufrechterhalten werden. In späterer Zeit wurde das Opfer mit einem Schwein vollzogen.

Die Cargo-Kulte

Eine besondere Form stellen die Cargo-Kulte in Neuguinea dar. Sie gehören zu einer neuen Form von Mischreligiosität, die aus der Begegnung der Naturreligionen mit der westlichen Zivilisation und Technik seit Mitte des 19. Jhts. entstanden sind. Die Eingeborenen versuchten, die für sie schockartig erfolgte Begegnung mit der modernen Kultur zu verarbeiten. Sie erklärten den großen zivilisatorischen Unterschied mit Mythen (nicht kausal- rationalem Denken) , die davon berichten, daß die Ahnen zunächst die Weißen begünstigten, aber später auch die Eingeborenen zu Wohlstand und dem Reichtum der modernen Kulturgüter führen werden. So werde eine bessere Verteilung des Glücks und die Aufhebung der durch die Kolonisation entstandenen Ungerechtigkeit erreicht. Die Eingeborenen versuchen mit Hilfe von magischen Kultpraktiken diesen Zustand zu erreichen.
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obenAutoren: Jg. 13 (Abi99), Lehrer Gerhard Glombik   Datum: Mai  99. Letzte Änderung am 25. Mai 2002
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