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Exposystem Johanneum zur EXPO 2000 Fred Radewaldt
Lehrer am Johanneum
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Die Natur als Erfindung des Menschen
Geisteswissenschaften      Römer          


Ovid: "Das Eiserne Zeitalter"

Einleitung

Lateinischer Text

  Übersetzung

tab Schluß


Einleitung

In der goldenen Zeit lebt der Mensch in völliger Harmonie mit der Natur und sich selbst. Eingriffe des Menschen in die Natur unterblieben, Nahrungsmittel sind im Überfluß vorhanden. Bescheidenheit und Ehrfurcht kennzeichnen das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt. Die Sehnsucht nach einen Leben in einer unberührten, intakten Natur ist damals genauso vorhanden wie heute. Doch dieser Idealzustand zwischen Mensch und Natur währt nicht lange: Der Mensch beginnt in die Natur einzugreifen und Bodenschätze abzubauen:

oben Lateinischer Text

Das Eiserne Zeitalter (Ovid, Metamorphosen 1, 135-145)

Communemque prius ceu lumina solis et auras 135

poscebatur humus, sed itum est in viscera terrae;

quasque recondiderat Stygiisque admoverat umbris,

effodiuntur opes, irritamenta malorum. 140

prodierat; prodit bellum, quod pugnat utroque,

Vivitur ex rapto; non hospes ab hospite tutus,

non socer a genero; fratrum quoque gratia rara est. 145

oben Übersetzung

Den Erdboden, der zuvor Gemeingut gewesen war wie das Sonnenlicht und die Lüfte, zeichnete der umsichtige Landvermesser mit einer langen Grenzlinie. Und man forderte vom ertragreichen Boden nicht nur Saaten und Nahrung die er uns schuldig war, sondern man wühlte sich in die Eingeweide der Erde. Und die Schätze, die sie nah bei den Schatten der Styx verborgen hatte, gräb man aus - Anreiz zu allem Bösen. Schon war das gefährliche Eisen erschienen und das Gold, das noch gefährlicher ist als Eisen. Da erscheint der Krieg, der beides zum Kampf verwendet und mit blutiger Hand klirrende Waffen schüttelt. Man lebt vom Raub; kein Gastfreund ist vor dem Gastfreund sicher, kein Schwiegervater vor dem Schwiegersohn, auch zwischen den Brüdern ist Einvernehmen selten.

Schlußbemerkung

Nachdem alle Tugenden und Wertmaßstäbe der Menschen verloren gegangen sind, greifen Habgier, Gewalt und Besitzdenken um sich. Die Demut vor der Umwelt geht verloren, der Raubbau an der Natur beginnt: Der Boden wird vermesen und aufgeteilt, Wälder werden abgeholzt, Äcker haben Nahrung zu liefern, Eisen und Gold werden in Berkwerken abgebaut. Ovid beschreibt eindrucksvoll die Folgen eines solchen "Fortschritts". Die Besitzgier des Menschen und sein eigennütziges Streben nach Reichtum führen zu Krieg und Raub und zum Verlust von Vertrauen und Freundschaft unter den Menschen.

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Autor Fred Radewaldt   Datum: Oktober 98. Letzte Änderung am 25. Mai 2002
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