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Exposystem Johanneum zur EXPO 2000 Fred Radewaldt
Lehrer am Johanneum
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Die Natur als Erfindung des Menschen
Geisteswissenschaften      Römer          


Ovid: "Das goldene Zeitalter"

Einleitung

Lateinischer Text

  Übersetzung

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Einleitung

In der Antike wird das "Goldene Zeitalter" (aurea-aetas-Mythos) glorifiziert, in dem Mensch und Natur in völligem Einklang - geradezu in einem paradiesischen Zustand - miteinander leben. Durch Habgier, Krieg und sittlichen Verfall tritt jedoch eine ständige Verschlechterung des Lebens ein, das silberne, bronzene und eiserne Zeitalter folgen. Der Dichter Ovid (43 v. Chr. - 17 n. Chr.) schildert eindrucksvoll die Sehnsucht nach diesem verlorenen Paradies und den Mythos vom Goldenen Zeitalter:

Lateinischer Text

Das Goldene Zeitalter (Ovid, Metamorphosen 1, 89-110)

Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo,

sponte sua, sine lege, fidem rectumque colebat. 90

Poena metusque aberant, nec verba minantia fixo

aere legebantur, nec supplex turba timebat

iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti

Nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem,

montibus in liquidas pinus descenderat undas, 95

nullaque mortales, praeter sua, litora norant.

Nondum praecipites cingebant oppida fossae

non tuba directi, non aeris cornua flexi,

non galeae, non ensis erant; sine militis usu

mollia securae peragebant otia gentes. 100

Ipsa quoque - immunis rastroque intacta nec ullis

saucia vomeribus - per se dabat omnia tellus;

...

Ver erat aeternum, placidique tepentibus auris 107

mulcebant zephyri natos sine semine flores.

Mox etiam fruges tellus inarata ferebat,

nec renovatus ager gravidis canebat aristis; 110

oben

Goldenes Zeitalter

oben Übersetzung

Als erstes entstand das goldene Geschlecht, das keinen Rächer kannte und freiwillig, ohne Gesetz, Treue und Redlichkeit übte. Strafe und Furcht waren fern, keine drohenden Worte las man auf öffentlich angebrachten Erztafeln, keine bittflehende Schar fürchtete den Spruch ihres Richters, sondern sie waren auch ohne Rächer geschützt. Noch nicht war die Fichte gefällt und noch nicht, um ferne Länder zu besuchen, von den Bergen in die klaren Fluten herabgestiegen; und die Sterblichen kannten keine Küste außer ihrer eigenen. Noch umzogen keine steil abfallenden Gräben die Städte, es gab keine Tuba aus geradem, keine Hörner aus gekrümmten Erz, keine Helme, kein Schwert: Ohne Soldaten zu brauchen, lebten die Völker sorglos in sanfter Ruhe dahin. Auch gab die Erde, frei von Laten und Pflichten, von keiner Hacke berührt, von keiner Pflugschar verletzt, alles von selbst...Ewiger Frühlich herrschte, und sanfte Westwinde streichelten mit lauen Lüften die Blumen, die ungesät entsprossen waren. Bald trug ungepflügte Erde auch Getreide, und ohne nach einer Brache neu bearbeitet zu sein, war der Acker weiß voll schwerer Ähren.


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Autor Fred Radewaldt   Datum: Oktober 98. Letzte Änderung am 25. Mai 2002
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