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Exposystem Johanneum zur EXPO 2000 Fred Radewaldt
Lehrer am Johanneum
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Die Natur als Erfindung des Menschen
Geisteswissenschaften                


Umweltprobleme der Römer

 Ein Unterrichtsprojekt im Lateinleistungskurs des Gymnasiums Johanneum

Einleitung

Didaktische Ziele

tabKolosseum groß 50K

Methodische Ziele

nah Projektverlauf

 

Vorstellung ausgewählter und kommentierter lateinischer Texte

nah Ovid: "Das Goldene Zeitalter"

nah Ovid: "Das Eiserne Zeitalter"

nah Seneca: Dekadenz und natürliches Leben

nah Tacitus: Umweltzerstörung durch Krieg

nah Vitruv: Bleivergiftung durch Wasserrohre

nah Seneca: Lärm macht krank!

nah Tacitus: Ein Großprojekt: Flußregulierung des Tiber

nah Fazit

Verwendete Textausgaben

Literatur



tab Einleitung

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das in der Lage ist, durch seine vielfältigen Aktivitäten die Natur so nachhaltig zu verändern, daß dadurch die eigenen Existenzgrundlagen bedroht sind. Die ökologische Krise ist damit keine Krise der Natur, sondern eine Krise des Menschen im Verhältnis zu seiner Umwelt. Zwar ist die Existenz des Menschen damit verbunden, daß durch sein Handeln zwangsläufig Eingriffe in die Natur stattfinden, doch auf welche Weise Menschen dies tun, ist in verschiedenen Kulturen und zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich. Das Verhalten der Menschen in und mit der Natur wird daher entscheidend durch die jeweilige zeitbedingte Einstellung gegenüber der Natur bestimmt.

tab Didaktische Überlegungen zur Unterichtsreihe

Die Zerstörung der Umwelt durch den Menschen ist eines der drängendsten Probleme unserer Zeit. Umweltbewußtsein zu wecken und zu einem verantwortlichen Umgang mit der Natur zu erziehen, stellt ein zentrales Lernziel im Schulunterricht dar. Alle Konzepte zur Umwelterziehung fordern eine interdisziplinäre Behandlung ökologischer Probleme.1 Dies bedeutet für den Schulunterricht als didaktische Konsequenz eine multiperspektivische Betrachtungsweise und die Forderung nach einer fächerübergreifenden Behandlung dieses Themas. Neben den Naturwissenschaften können auch die Alten Sprachen einen Beitrag zur Umwelterziehung leisten, indem sie u.a. die moralischen und historischen Dimensionen der Problematik thematisieren und in der Auseinandersetzung mit antiken Texten Einblicke in die Naturauffassung und das Umweltverhalten der Römer vermitteln.

Wie Umfragen bestätigen, stößt gerade die Umweltproblematik bei Jugendlichen auf breites Interesse. Die ausgewählten lateinischen Texte sollen die Schüler in die historische Dimension der Ökologieproblematik einführen, das Umweltbewußtsein und -verhalten der jeweiligen antiken Autoren und ihrer Zeitgenossen verdeutlichen und zu einer Reflexion über den eigenen Umgang mit ihrer Umwelt anregen. Man wird dem Anliegen antiker Autoren nicht gerecht, wenn wir uns mit unserem heutigen Umweltbewußtsein und Wissensstand einer antiken Kultur nähern und eine "besserwisserische Kulturkritik üben".2 Alle antiken Texte und deren Autoren sind aus ihrer Zeit heraus und nach ihren jeweiligen Kenntnissen und Möglichkeiten zu beurteilen und zu interpretieren. So aktuell einige Umweltprobleme auch heute noch sein mögen, so wenig sind sie mit der heutigen globalen Bedrohung der Natur und der Menschheit vergleichbar. Während heutige Umweltstudien auf die existenzielle Bedrohung der Natur und des Menschen hinweisen, Lösungsansätze aufzeigen und zu einer Umkehr aufrufen, erwähnen antike Autoren dieses Thema nur am Rande. Diese erkennen und schildern zwar partielle Mißstände, eine globale Umweltbedrohung oder eine Gefährdung für nachfolgende Generationen sehen sie jedoch nicht. Es ist daher ein wesentliches Ziel der Unterrichtsreihe darzustellen, daß sich antike Umweltprobleme nicht ohne weiteres aktualisieren lassen, sondern einer differenzierten Betrachtungswiese bedürfen.

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1 Lahmer, K., Mensch und Natur - ein Unterrichtsmodell, Der Altsprachliche Unterricht XXXII H. 3 (1989), S. 42

2 Weeber, K.-W., Smog über Attika, München 1990, S.14

tab Methodische Ziele

Das vorliegende Unterrichtsprojekt wurde im Latein-Leistungskurs des 12. Jg. am Gymnasium Johanneum in Lüneburg durchgeführt. Es war eingebettet in das Oberthemen "Römische Gesellschaft" und "Römischer Alltag" der Rahmenrichtlinien für das Fach Latein. Konkreter Anlaß für die Unterrichsreihe bildete die Zertifizierung des Johanneums zur "Expo-Schule". Unter dem selbst gewählten Motto "Die Natur als Erfindung des Menschen" werden und wurden zahlreiche Projekte an unserer Schule durchgeführt, die zur Weltausstellung im Jahr 2000 präsentiert werden sollen.

Das Projekt "Umweltprobleme der Römer" will die Methoden des traditionellen Lateinunterrichts "aufbrechen" und die Gedanken der "Freiarbeit" mit ihren neuen Unterrichsmethoden und -formen im Lateinunterricht umzusetzen, um die Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Schüler zu fördern. Folgende Gesichtspunkte standen dabei im Vordergrund:

Von zentraler Bedeutung sind die Wahlmöglichkeiten, die den Schüler während der Unterrichtsreihe eingeräumt werden. Sie können frei entscheiden, mit welchen antiken Umweltproblem sie sich auseinandersetzen wollen, welches moderne ökologische Thema sie zum Vergleich heranziehen möchten und in welcher Form sie ihre Arbeitsergebnisse präsentieren möchten. Der Impuls sich mit einem bestimmten lateinischen Text auseinanderzusetzen oder eine bestimmte Präsentationsform zu wählen, geht dabei immer von den Schüler und nicht von den Lehrer aus. Das Projekt eröffnet den Schülern Entscheidungsspielräume und Gestaltungsmöglichkeiten sowie eine eigenständige Begegnung mit dem Lernstoff.

Ein motivierendes Element stellt die Selbstkontrolle dar. Die Schüler können anhand von Kontrollblättern ihre Übersetzungsleistung eigenständig kontrollieren. Die Selbstkontrolle wirkt sich positiv auf das Lernverhalten aus und fördert ebenfalls die Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit. Jede Arbeitgruppe erhält eine sachliche Rückmeldung, ob ihre Ergebnisse richtig oder falsch sind, sie braucht nicht zu warten, bis der Lehrer ihre Übersetzungen kontrolliert.

Die Schüler müssen während der konkreten Projektarbeit (Phase 3) selbst überlegen, in welchen Arbeitsschritten sie vorgehen wollen, welche Aufgaben sie in der Schule und welche sie Zuhause lösen wollen. Neben einer Arbeitsstrategie müssen sie auch ein Zeitmanagement entwickeln, d.h., die ihnen zur Verfügung gestellte Zeit sinnvoll einteilen und nutzen. Die Sozialform ist den Schülern hierbei freigestellt. Sie bevorzugen jedoch nach meiner Beobachtung Partner- oder Gruppenarbeit.

Der Lehrer muß während der Projektarbeit seine Kontrollfunktion und jede "Einmischung" in die Arbeit der Schüler weitgehend aufgeben. Er ist nicht mehr Initiator des Lernprozesses und nicht mehr Mittelpunkt des Lerngeschehens. Der Unterrichtende stellt die grundlegenden Materialen (lat. Texte, Lexika, Grammatiken etc.) bereit, ansonsten fungiert er als "Lernberater", der die Schüler anhält, methodisch zu denken und zu planen und sie bei der Präsentation der Arbeitsergebnisse und der zusätzlichen Materialbeschaffung unterstützt. Den Schülern bereitete es jedoch in diesem Fall keine Probleme, Materialen aus Zeitschriften, Magazinen etc. zu aktuellen Umweltthemen zu suchen und mit den Aussagen der antiken Texten zu vergleichen.

Jeder Unterrichtende wird schnell feststellen, daß während der Projektarbeit eine entspannte Unterrichtsatmosphäre herrscht. Die eingeräumten Freiheiten werden von den Schülern sinnvoll und konstruktiv genutzt. Sie sind ständig aufgefordert mit ihren Mitschülern in Verbindung zu treten, auf deren Probleme Rücksicht zu nehmen, gegenseitig Hilfen zu geben als auch anzunehmen (kooperative Sozialform). Neben fachlichen Lernzielen erwerben Schüler auch soziale und methodische Kompetenz: Die Kooperationsbereitschaft und die Teamfähigkeit werden entscheidend gefördert. Dies wird insbesondere während der gemeinsamen Abschlußpräsentation der Arbeitsergebnisse deutlich.


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Autor Fred Radewaldt   Datum: Oktober 98. Letzte Änderung am 25. Mai 2002
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