Archiv: Diese Seiten werden nicht mehr bearbeitet!
Exposystem Johanneum zur EXPO 2000 Fred Radewaldt
Lehrer am Johanneum
Alphabetischer Index unten
Die Natur als Erfindung des Menschen
Geisteswissenschaften      Römer          


Tacitus: Umweltzerstörung durch Krieg

Einleitung

Lateinischer Text

  Übersetzung

tab Schluß


Titusbogen (60K)

oben Einleitung

Die antike Kriegsführung stellte immer auch zugleich einen Krieg gegen die Natur und die Umwelt dar. Die Vernichtung der Ernte auf den Feldern, das Fällen von Obstbäumen, die Vernichtung des Viehs und das Niederbrennen der Höfe waren fester Bestandteil eines jeden Krieges und riefen bei den Römern auch keinerlei Schuldgefühle hervor, da nur gerechte Kriege (bellum iustum) geführt wurden.1

Die Zerstörung und die Verwüstung von Landschaft und landwirtschaftlicher Nutzfläche galten als ein legitimes Mittel zur Schwächung des Feindes und seiner Bevölkerung. So haben die Römer im 3. Punischen Krieg (143 - 146 v. Chr.) nach der völligen Zerstörung Karthagos die Äcker noch zusätzlich mit Salz bestreut, um jede neue Vegetation zu verhindern. Dieses rigorose Verhalten der Römer gegenüber Kriegsgegnern rief im gesamten Reich Empörung hervor. So klagt der Britannier-Fürst Calgacus die Kriegsführung der Römer scharf an:

___________________________

1 Weeber, S. 52f.

oben Lateinischer Text

Umweltzerstörung durch Krieg (Tacitus, Agricola 30-31)

"...Nos terrarum ac libertatis extremos recessus ipse ac sinus famae in hunc diem defendit; nunc terminus Britanniae patet, atque omne ignotum pro magnifico est; sed nulla iam ultra gens, nihil nisi fluctus ac saxa, et infestiores Romani, quorum superbiam frustra per obsequium ac modestiam effugeris. raptores orbis, postquam cuncta vastantibus defuere terrae, mare scrutantur: si locuples hostis est, avari, si pauper, ambitiosi, quos non Oriens, non Occidens satiaverit: soli omnium opes atque inopiam pari adfectu concupiscunt. auferre trucidare rapere falsis nominibus imperium, atque ubi solitudinem faciunt, pacem appellant.

Liberos cuique ac propinquos suos natura carissimos esse voluit: hi per dilectus alibi servituri auferuntur; coniuges sororesque etiam si hostilem libidinem effugerunt, nomine amicorum atque hospitum polluuntur. bona fortunaeque in tributum, ager atque annus in frumentum, corpora ipsa ac manus silvis ac paludibus emuniendis inter verbera et contumelias conteruntur..."

oben Übersetzung

"...Uns, die Letzten der Erde und der Freiheit, hat die Abgeschiedenheit und der Nimbus unserer Berühmtheit bis auf den heutigen Tag geschützt; jetzt aber liegt die äußere Grenze Britanniens offen dar, und alles Unbekannte gilt als großartig; aber jenseits von uns gibt es kein Volk mehr, nichts als Meereswogen und Klippen, und gefährlicher als diese Römer, deren Überheblichkeit man vergeblich durch Unterwürfigkeit und loyales Verhalten zu entgehen meint. Diese Räuber der Welt durchwühlen, nachdem sich ihren Verwüstungen kein Land mehr bietet, selbst das Meer; wenn der Feind reich ist, sind sie habgierig, wenn er arm ist, ruhmsüchtig; nicht der Orient, nicht der Okzident hat sie gesättigt; als einzige von alle begehren sie Reichtum und Armut in gleicher Gier. Plündern, Morden, Rauben nennen sie mit falschen Namen Herrschaft, und wo sie eine Öde schaffen, heißen sie es Frieden.

Kinder und Angehörige sind für jeden nach dem Willen der Natur das Teuerste; sie werden uns durch Aushebungen entrissen, um anderswo Sklavendienste zu tun; Frauen und Schwestern, auch wenn sie des Feindes Begier entgingen, werden von solchen geschändet, die sich Freunde und Gäste nennen. Hab und Gut werden zu Steuern, der Jahresertrag der Felder zur Getreideabgabe, unsere Leiber aber und Hände beim Bau von Straßen durch Wälder und Sümpfe unter Schlägen und Beschimpfungen zerschunden..."

Schlußbemerkung

Calgacus rechnet schonungslos mit der römischen Kriegsführung ab. Er bezeichet die Römer als "Räuber der Welt", die in ihren Machtstreben und Hochmut jedes Maß und in der Behandlung ihrer Gegner alle Hemmungen verloren haben. Zurück blieben ausgeplünderte Landstriche und Einöden.

Zum nächsten lateinischen Text


oben
Autor Fred Radewaldt   Datum: Oktober 98. Letzte Änderung am 25. Mai 2002
Exposystem [Geisteswissenschaften] [Römer] Überblick [Dokumentationsteam] [Email s.Ueberblick] [LateinInformationssystem