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Exposystem Johanneum zur EXPO 2000 Fred Radewaldt
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Die Natur als Erfindung des Menschen
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Vitruv: Bleivergiftung durch Wasserrohre

Einleitung

Lateinischer Text

  Übersetzung

tab Schluß


oben Antikes Wasserleitungsrohr (57K)Einleitung

Blei war in der Antike das am häufigsten verwendete Metall. Dies lag zum einen an seinem günstigen Preis - es fiel als Nebenprodukt beim Silberabbau in den Bergwerken an -, zum anderen an seiner leichten Formbarkeit und Rostbeständigkeit. Blei war somit in der Antike ein idealer Rohstoff mit zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten. Jedoch ahnte bereits der römische Architekt und Ingenieur Vitruv (1. Jh. v. Chr.) die gesundheitlichen Gefahren, die von Trinkwasserleitugen aus Blei für den Menschen ausgingen.

 

oben Lateinischer Text

Bleivergiftung durch Wasserrohre (Vitruv, De architectura VI 10-11)

Habent autem tubulorum ductiones ea commoda. Primum in opere si quod vitium fuerit, quilibet id potest reficere. Etiamque multo salubrior est ex tubulis aqua quam per fistulas, quod plumbum videtur esse ideo vitiosum, quod ex eo cerussa nascitur; haec autem dicitur esse nocens corporibus humanis.Ita quod ex eo procreatur, si id est vitiosum, non est dubium, quin ipsum quoque non sit salubre. Exemplar autem ab artificibus plumbariis possumus accipere, quod palloribus occupatos habent corporis colores. Namque cum fundendo plumbum flatur, vapor ex eo insidens corporis artus et inde exurens eripit ex membris eorum sanguinis virtutes. Itaque minime fistulis plumbeis aqua duci videtur, si volumus eam habere salubrem. Saporemque meliorem ex tubulis esse cottidianus potest indicare victus, quod omnes, et structas cum habeant vasorum argenteorum mensas, tamen propter saporis integritatem fictilibus utuntur.

oben Übersetzung

Leitungen aus Tonröhren haben folgende Vorteile: Erstens, wenn irgendein Schaden an der Leitung eintritt, kann jeder ihn ausbessern. Auch ist Wasser aus Tonröhren gesünder als das durch Bleiröhren geleitete, denn das Blei scheint deshalb gesundheitsgefährlich zu sein, weil aus ihm Bleiweiß entsteht. Dies aber soll dem menschlichen Körper schädlich sein. Wenn nun das, was aus ihm entsteht, schädlich ist, kann es auch selbst zweifellos der Gesundheit nicht zuträglich sein. Ein Beispiel hierfür können uns die Bleiarbeiter liefern, weil sie eine bleiche Körperfarbe haben. Wenn nämlich Blei geschmolzen und gegossen wird, dann entzieht der von ihm ausströmende Dampf, der sich an den Gliedern des Körpers festsetzt und sie von dort ausbrennt, ihren Körperteilen die wertvollen Eigenschaften des Blutes. Daher scheint es ganz und gar nicht gut, daß man Wasser durch Bleiröhren leitet, wenn wir der Gesundheit zuträgliches Wasser haben wollen. Und daß der Geschmack des Wassers aus Tonröhren besser ist, kann schon die alltägliche Lebensgewohnheit zeigen, weil alle, auch wenn sie mit Silbergeschirr reich gedeckte Tische haben, dennoch Tongeschirr verwenden, weil bei seihnem Gebrauch der Geschmack nicht beeinträchtigt wird.

Schlußbemerkung

Vitruv bleibt nicht bei der von ihm vermuteten Schädlichkeit der Bleiwasserohre stehen, er entwickelt sogar Alternativvorschläge: Tonröhren seien reparaturfreundlicher und gesundheitlich unbedenklich. Vitruv zeigt hier bereits ein für die damalige Zeit hoch entwickeltes Umweltbewußtsein. Daß die Römer trotz der warnender Stimmen die Bleirohre nicht ersetzen, mag neben Fahrlässigkeit und Bequemlichkeit auch an den finanziellen Kosten einer solchen "Austauschaktion" gelegen haben. Es stellt sich die auch noch heute aktuelle Frage, wieviel eine gesunde Umwelt kosten darf, wie sich der Widerspruch von Ökonomie und Ökologie aufheben läßt.

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Autor Fred Radewaldt   Datum: Oktober 98. Letzte Änderung am 25. Mai 2002
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