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Homo Faber - Natur - Technik, Variation 1, Klasse 11-1 im Frühsommer 1998 mit Alfred Blohm

Biographie von Max Frisch

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Autor Max Frisch
September 1989

Frisch, Max (1911-1991), schweizerischer Schriftsteller, geboren am 15. Mai 1911 in Zürich, gestorben ebenda.
Frisch studierte Architektur an der Universität Zürich und arbeitete danach als Journalist und Architekt. Nach ausgedehnten Reisen durch Europa, Amerika und Mexiko war er seit Beginn der fünfziger Jahre als freier Schriftsteller tätig. Zentrale Themen seines zeitkritischen Werkes sind Selbstentfremdung und das Ringen um Identität in einer ebenso entfremdeten Welt. Mit Friedrich Dürrenmatt gehört er zu den wichtigsten schweizerischen Schriftstellern der Nachkriegszeit.
Zu Frischs frühen Dramen zählt "Die Chinesische Mauer" (1946), eine experimentelle Farce, in der in Anlehnung an Bertolt Brechts Technik der Verfremdung antike und moderne Schauplätze und Charaktere vermischt werden. Das folgende Schauspiel, Als der Krieg zu Ende war (1949), greift eine wahre Begebenheit aus dem Berlin der Nachkriegsjahre auf und kreist um das Thema der Schuld aus der Perspektive des Ehebruches und des Völkermordes. Sein wohl bekanntestes Stück "Andorra" (1961), knüpft an die genannte Thematik mit einer tragischen Parabel auf die Folgen des Antisemitismus an, während die Farce "Biedermann und die Brandstifter" (1958) anhand einer absurden Einquartierungssituation die Anpassungsmentalität des satten Bürgertums und seine Anfälligkeit für autoritäre Herrschaftsformen bloßlegt. Ähnlich wie Dürrenmatt zeigt Frisch seine Akteure meist im Spannungsfeld von Identität und gesellschaftlichem Rollenspiel, so in seiner Parodie des Don-Juan-Stoffes "Don Juan oder die Liebe zur Geometrie", wo der Titelheld keineswegs als dynamischer Frauenverführer auftritt, sondern eher als der vom anderen Geschlecht und den Ereignissen Getriebene erscheint, dem eben diese Rolle vom Schicksal ohne rechten Sinn zugedacht wurde.
Im Mittelpunkt des Romanerstlings "Stiller" (1954) steht ebenfalls der Kampf der Titelfigur um ihre Identität. Unter anderen Vorzeichen ist dieses Sujet auch im folgenden Roman "Homo Faber" präsent (1957, Verfilmung durch Volker Schlöndorff 1990). Hier wird aus der Sicht eines rationalistischen Ingenieurs der Gegensatz von technisch-wissenschaftlichem Weltbild und „unlogischen" Schicksalsmächten geschildert und mit der schon in Stiller auftretenden Eheproblematik (die auch das konfliktgeladene Verhältnis zu seiner langjährigen Lebensgefährtin Ingeborg Bachmann widerspiegelt) verbunden. Diese findet sich wiederum sehr ausgeprägt in "Mein Name sei Gantenbein" (1964), wo „die Kluft zwischen Wahn und Welt" durch die zweifelhafte Identität Gantenbeins, die im Titel bereits anklingt, offenbar wird. Diese Doppeldeutigkeit überträgt Frisch in den formalen Aufbau des Romans, indem er permanent verschiedene Textsorten mischt und getroffene Aussagen wieder relativiert. Dieses Mischungsprinzip begegnet wieder in der autobiographischen Erzählung "Montauk" (1975), die zugleich die Möglichkeiten des Erzählens reflektiert und die Suche nach objektiver Wahrheit als unausweichlichen Fehlschlag auch im eigenen Lebensplan des Autors transparent macht. Seine Erzählung Der Mensch erscheint im "Holozän" (1979) ist bereits gezeichnet vom Leiden am Verlust der literarischen Schaffenskraft und an der Aussichtslosigkeit eines Strebens nach einer erfüllten menschlichen Existenz angesichts einer gleichgültigen Natur. "Blaubart", seine letzte 1982 veröffentlichte Erzählung, nimmt das Motiv des bekannten Märchens von Charles Perrault (und der gleichnamigen Erzählung von Anatole France) auf und führt die kunstvolle Altersprosa fort, hielt aber in der Gesamtanlage nicht mehr das Niveau der Vorgänger. Bemerkenswert vom literarischen und argumentativen Standpunkt sind hingegen Frischs Tagebücher, erschienen unter dem Titel "Tagebuch 1946-1949" (1950) und "Tagebuch 1966-1971" (1972).
In ihrer Formfülle sind sie "Montauk" vergleichbar, spannen allerdings thematisch einen erheblich weiteren Bogen. Neben der Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Literatur präsentiert sich Frisch hier wie anderenorts als scharfsinniger Kritiker des Zeitgeschehens, insbesondere der Schweizer Verhältnisse. 1958 erhielt Frisch den Georg-Büchner-Preis, und 1976 wurde er mit dem Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.


oben Autoren: Klasse 11-1 und Alfred Blohm, Web: Kai Lahmann Datum: Mai 98 Letzte Änderung am 28. Juli 2004
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