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Die Natur als Erfindung des Menschen
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Homo Faber - Natur - Technik, Variation 1, Klasse 11-1 im Frühsommer 1998 mit Alfred Blohm

Mittel zur Täuschung und Selbsttäuschung

Gründe der Selbsttäuschung:

Walter Faber belügt sich mehrmals selbst. Dabei hat er folgende Motive:

Dies ist besonders gut aus dem gedanklichen Monolog Walter Fabers auf Seite 22 ersichtlich. Dort spricht er sich von jeder Verantwortung frei, indem er die Wahrscheinlichkeitsrechnung heranzieht und folgert, Sabeth`s Tod sei durch eine unvermeidbare Verkettung von Zufällen eingetreten.
Näheres zur genauen Technik später.

Auf Seite 115 kann man feststellen, wie er sich wiederholt einredet, Sabeth könne nicht seine Tochter sein, da "von Ähnlichkeit kein Spur" zu erkennen sei.
Auch auf Seite 121 kann man dies beobachten, wo er darüber nachdenkt, ob Sabeth seine Tochter sein könne, oder nicht.
Damit befreit er sich von dem moralischen Konflikt, der entstehen würde, wenn Sabeth seine Tochter wäre.

Besonders deutlich ist dies auf Seite 99, oben zu erkennen, wo er sich einredet, trotz seines Magenproblems, gesund zu sein. "Ich fühlte mich vollkommen normal." Er behauptet, vergessen zu haben, zu einem Arzt zu gehen, wie vorgenommen, doch auch später sucht er keineswegs einen Arzt auf, um sich untersuchen zu lassen.
Dadurch, daß er dieses gesundheitliche Problem ignoriert und es zu vergessen versucht, verdrängt er seine Sorge, schwer krank zu sein.

Als Beispiel ist hierzu Seite 24 zu nennen. In der betreffenden Textstelle steht W. F. nachts vor dem notgelandeten Flugzeug in der Wüste und betrachtet die Landschaft. Dabei zeigt er sich als äußerst fantasievoll, wie er das Gesehene auf fantastische Weise (z.B. Felsen als Ur - Tierrücken, Agaven als verdammte Seelen, oder die Wüste als Meer und Totenreich ) beschreibt, was er im nächsten Moment allerdings schon nicht mehr wahr haben will. Diese Sichtweise schreibt er den anderen Menschen zu, bloß ihm nicht, da er schließlich Techniker ist und nicht Mythologe.
(Auch: Seite 150, Wiehern des Esels in der Nacht. Laut W.F. "Wie eine ungeschmierte Bremse").

Art und Weise der Selbsttäuschung:

Wir erkannten vier Versionen Walter Fabers Selbsttäuschung, die wir der Wichtigkeit nach aufzählen möchten.

Er ist der Meinung, daß Schicksal nicht existiert, sondern jedes Ereignis in seinem Leben mathematisch - naturwissenschaftlich errechenbar ist. Danach geht er auch vor und überprüft die Wahrscheinlickeit bestimmter Ereignisse die kamen, oder "drohen" zu kommen ( z.B. Seite 121). Als Argument dafür benutzt er die Wahrscheinlichkeitsrechnung, Zitat: "Das Unwahrscheinliche unterscheidet sich vom Wahrscheinlichen nicht im
Wesen, sondern nur in der Häufigkeit."
Als sprachliche Mittel zur Abwertung des Glaubens an Schicksal benutzt er rhetorische Fragestellungen, wie: "Wieso Fügung?". Durch die Textform (ab Seite 22, Mitte, "Mathematisch gesprochen:") erweckt er den Eindruck wissenschaftlicher Objektivität. Die Textform entspricht durchweg einem wissenschaftlichen Text mit dem Aufbau: These, Beweis, Folgerung, Quellennachweis. Diese vorgetäuschte Objektivität ist im Verlauf des Buches häufiger wiederzufinden.

Er redet sich z.B. ein, daß er in Paris vergessen habe, zu einem Arzt zu gehen, wie er es sich eigentlich vorgenommen hatte.
Der Satz auf Seite 99, oben: "In den Augen eines jungen Mädchens, das Stewardeß werden möchte, war ich ein gesetzter Herr, mag sein, jedoch nicht lebensmüde, im Gegenteil, ich vergaß sogar in Paris zu einem Arzt zu gehen, wie ich es mir eigentlich vorgenommen hatte - Ich fühlte mich vollkommen normal." nämlich, enthält in sich einen heftigen Widerspruch, und zwar weil gerade ein Lebensmüder, wenn er schon totkrank ist, nicht zu einem Arzt gehen würde. Walter Faber hingegen stellt dies als "vergessen" hin.
Er belügt sich in dieser Hinsicht ebenfalls (auf Seite 121, unten) indem er mit den entsprechenden Daten solange hin- und herrechnet, und sich dabei absichtlich verrechnet, bis er zu dem Ergebnis kommt, Sabeth könne zeitlich nicht seine Tochter sein.

Z.B. (Seite 105 f). In dieser Textstelle fängt er an, sich mit der eigentlich geplanten Schwangerschaftsunterbrechung, die durchgeführt werden sollte, als Hanna damals in der Schweiz schwanger war, auseinanderzusetzen, schwenkt jedoch im nächsten Augenblick zu einer Abhandlung über Überbevölkerung um. Dieser Punkt steht in sofern mit dem ersten Punkt in Verbindung, daß Walter Faber durch Themenwechsel oft bei einem wissenschaftlichen Text endet.

Dies ist erkenntlich an seinem späteren Schimpfen auf den sogenannten "American Way of Life" ( Seite 176 ), wobei er die technische Gesellschaft, die er im früheren Verlauf des Buches / seines Lebens ( z.B. Seite 106 ) gelobt hat, nun verurteilt.


oben Autoren: Simon Kalmbach, 11-1 und Alfred Blohm, Web: Kai Lahmann Datum: Mai 98 Letzte Änderung am 29. Juli 2004
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