Archiv: Diese Seiten werden nicht mehr bearbeitet!
Exposystem Johanneum zur EXPO 2000 Alphabetischer Index unten
Die Natur als Erfindung des Menschen
Geisteswissenschaften   Homo Faber   Faber-Natur-Technik

Homo Faber - Natur - Technik, Variation 1, Klasse 11-1 im Frühsommer 1998 mit Alfred Blohm

Walter Fabers Beziehungen zu Menschen

Sein Verhältnis zu Frauen Sein Verhältnis zu Sabeth Sein Verhältnis zu Männern

obenWalter Fabers Verhältnis zu Frauen

Im Verlauf des ersten Teils des Romans "Homo Faber" von Max Frisch, genannt erste Station, hat die Haupt-und Erzählerfigur Walter Faber eine eindeutig geringschätzige Meinung von Frauen. Er negiert alles Weibliche; in seinen Augen ist alles, was auch nur im Entferntesten mit Frauen oder dem weiblichen Körper an sich zu tun hat, abartig, weil es natürlich ist und nicht technisch. Er kann es in keinster Weise beeinflussen oder kontrollieren.
Anhand von verschiedenen Frauenfiguren und -typen wird dies wie folgt dargestellt: Die erste Frau, die ausführlich mehrmals beschrieben wird, ist "Ivy", Yvonne, seine Freundin zur Zeit des Reiseantritts. Die erste offensichtliche Abwertung, die Rückschlüsse auf seine geringe Wertschätzung zuläßt, ist ihr Spitzname Ivy, was zu deutsch Efeu bedeutet. Efeu ist eine Kletterpflanze, was darauf schließen läßt, wie Walter Faber sie ansieht. Ivy ist Amerikanerin, jung und Mannequin, was sich Walter Faber zum Anlaß nimmt, sie als oberflächlich einzustufen. Sie sucht die "Wagenfarbe nach der Farbe ihres Lippenstiftes oder umgekehrt aus."(Seite 31/32) Sie verwendet Stunden darauf,sich im Bad herzurichten, was Walter Faber für unnütz hält. "Sie ist wie Barbie"(S.62 oben). Er nimmt sie nicht ernst, da sie in seinen Augen naiv ist. Er hält sie für leicht zu täuschen, wenn er ihr zum Beispiel vorgaukelt, er habe Flugangst und nehme deshalb das Schiff, um ihr frühzeitig zu entkommen.
Obwohl er sie in den Grundzügen als "lieben Kerl" bezeichnet, fühlt er sich durch ihre Heiratswut meist genervt und bedrängt. Sie "klettet". Sie ist gefühlsbetont, eben "typisch weiblich" und möchte immer wissen, was er denkt oder fühlt (S.31 ). Sie möchte unter allen Umständen Reaktionen von ihm, auch wenn das Gewalt seinerseits bedeutet. Sie ist unlogisch und nicht sachlich.
Ein anderer Frauentyp, den Walter Faber ausführlich beschreibt, sind die Indiofrauen, auf die er in einem kleinen Ort in Südamerika trifft, wo er mit Herbert und Marcel festsitzt (S. 167 hauptsächlich). Auffällig ist vor allem, daß ausschließlich negative Ausdrücke und Abwertungen gebraucht werden, um diese Frauen mit ihren Kindern darzustellen. Er deklariert sie als "sinnlos gaffend", sie "bekämen ein Kind nach dem anderen" und sie "redeten nicht". Er unterstellt ihnen also Sprachlosigkeit sowie extreme Faulheit und dadurch Dummheit und Passivität. Sie seien traditionslos und "trügen alle das gleiche". Dies alles sind Eigenschaften, die Walter Faber mißfallen oder gar zuwider sind. Indem er sich über die "extreme Fruchtbarkeit" der Frauen ausschließlich abwertend äußert, macht er wieder deutlich, wie abstoßend ihm der weibliche Körper und damit verbundene natürliche Prozesse wie das Kinderkriegen vorkommen.
Seine Abscheu drückt sich in Vorurteilen gegenüber diesen Frauen aus, indem er sie, ohne sie auch nur einmal näher betrachtet oder kennengelernt zu haben, als "Babymaschinen" ohne Verstand hinstellt. Für ihn sind sie von vorneherein als abstoßend und geringschätzig zu betrachten. Sie sind ihm auf jeden Fall unterlegen, in ihrer weiblichen Rolle sowie in ihrem Verstand, was sich für ihn jedoch vermischt bzw. aus ihrer ständigen und stumpfen Rolle resultiert.
Ein interessanter Aspekt ist auch Walter Fabers Beschreibung seiner ersten Beziehung zu einer Frau, nämlich zur Frau seines damaligen Lehrers ( Station 1). Während er seine körperliche Beziehung zu ihr kurz beschreibt, bezeichnet er sie als "Irre" und vergleicht sie mit einer "Hündin". Durch die Bezeichnung "Irre" drückt er sein Unverständnis und seine Abscheu aus und wertet diese Frau somit auch geistig gesehen als unzurechnungsfähig ab. Er wertet sie eindeutig ab und zieht ihre körperlichen Bedürfnisse und Gefühle ins Abartige.
Auch bei dieser Frauenfigur ist es wieder das Weibliche bzw. der weibliche Körper, den er negiert und als ihm äußerst suspekt und zuwider zeigt.
Walter Fabers starke Abneigung gegen den weiblichen Körper unterstreicht besonders die Beschreibung der schwarzen Toilettenfrau auf dem Flughafen in Houston, Texas.
Sie hilft Walter Faber nach seinem Zusammenbruch auf der Toilette. Er beschreibt sie als "dick", mit einem "Riesenmaul", "Brüste wie Pudding" und als "Großaufnahme aus Afrika". Dies drückt aus, daß sie ihm seltsam fremd vorkommt. Ihre Andersartigkeit und ihre natürliche Freundlichkeit verwundern und erschrecken ihn zugleich, denn einerseits hatte er sie nicht bemerkt, bis sie sich über ihn beugte und andererseits nimmt sie sein Geld nicht an.
Als sie sich über ihn beugt, hat er freien Blick auf ihre Brüste, die von ihrem Lachen geschüttelt werden. Da er vor solcher Weiblichkeit zurückschreckt, weiß er zunächst nicht, was er tun soll. Außerdem steht er unter Druck, da er ausgerufen wird. Die Toilettenfrau kümmert sich um ihn, wischt ihm sogar die Hosenbeine ab, doch er bedankt sich nicht richtig bei ihr, sondern wählt die wesentlich einfachere Möglichkeit, ihr Geld zuzustecken. Als sie ihm das Geld zurückgeben will, fühlt er sich von ihr verfolgt und bedrängt. Er möchte keinerlei Nähe zu ihr aufkommen lassen, da er sich so zu etwas verpflichten könnte. Generell möchte er dies nicht, da ihn jemand kontrollieren und seine technische Denkweise umstoßen könnte.
Auch über die Beziehung zu den Frauencharakteren in seinem Leben hinaus, gibt es auch sonst noch vielerlei Hinweise auf seine Betrachtungsweise bezüglich der Frauen bzw. des weiblichen Körpers an sich.
Eine besonders deutliche Stelle ist auf Seite 68/69 während seines Aufenthaltes im Dschungel zu finden. Auf der Reflexionsebene zieht er pejorative Vergleiche zwischen der Natur und dem weiblichen Körper. Er vergleicht "dreckiges Tümpelwasser" mit "Monatsblut", seinen eigenen verschwitzten Zustand bezeichnet er als "schmierig wie ein Neugeborenes". Den Ausspruch "Tu sais que la mort est femme ... et que la terre est femme" ( Du weißt, daß der Tod weiblich ist... und, daß die Erde/Natur weiblich ist! ) kann Walter Faber nach eigener Aussage verstehen und nachvollziehen. Dies zeigt ganz deutlich, daß der weibliche Körper sowie alles Weibliche, was von ihm, ähnlich wie die Natur, nicht zu beeinflussen oder zu kontrollieren ist, für ihn etwas Abstoßendes ist, ja sogar eine Art Feindbild darstellt.
Ab Seite 105 läßt sich Walter Faber über die unbedingte Notwendigkeit von "Schwangerschaftsunterbrechungen", also Abtreibungen, aus. Aufgrund der Unkontrollierbarkeit der Natur des weiblichen Körpers, die er für "romantisch" und "unverantwortlich" hält, sieht er den Eingriff durch den Menschen als einzige Lösung an.
Eine scheinbar ungewollte Schwangerschaft einer Frau diene seiner Meinung nach nur als "wirtschaftliches Kampfmittel" gegenüber dem Mann. Es gäbe ihr das "Gefühl der Macht gegenüber dem Mann".
Wegen der scheinbaren Irrationalität und ihrer ihm lästigen Gefühlsbetontheit sind Walter Faber Frauen von vorneherein suspekt und unangenehm. Da er sie und alles Weibliche nicht kontrollieren oder vorherbestimmen kann, negiert er es lieber gleich.
Die einzige Ausnahme scheint Hanna Landsberg zu sein, die als einzige Walter Faber mit ihrer intelligenten Standfestigkeit etwas entgegenzusetzen hatte, so daß er sie sogar zu lieben glaubte ( S. 30 ). Doch auch das ändert sich mit Hannas plötzlicher Schwangerschaft. Walter Faber fühlt sich von dieser ungeplanten Begebenheit derart überrumpelt, daß er in seinem ärger auf sich selbst die Schuld bei Hanna sucht.
Vermutlich war dies auch der Auslöser dafür zu glauben, alle Frauen entsprächen letztendlich gleichermaßen seinem Feindbild, dem Inbegriff von Unkontrollierbarkeit, Irrationalität, Gefühlsbetontheit und für eine anti-dualistische Denkweise.

Im Verlauf des Romans vollzieht sich in Walter Faber auch im Bezug auf Frauen eine Wandlung. Diese geänderte Sichtweise wird erstmals an der kubanischen Prostituierten ( S. 180 ) deutlich. Walter Faber trifft sie an der Promenade, nachdem er beschlossen hatte, sein Leben zu ändern. Obwohl sie ihm neckisch die Zunge herausstreckt beschreibt, er sie sehr positiv, was ungewöhnlich ist für Walter Faber.
Ihren Mund bezeichnet er als "rote Blume" und er bewundert ihr weißes Gebiß. Als er sich am nächsten Tag zu ihr auf die Mauer setzt und nach ihrem Namen fragt, der Juana ist, wundert er sich sehr über sich selbst, da er etwas tut, was er weder geplant hatte, noch entspricht es seiner normalen Handlungsweise. Er beschreibt sie weiterhin sehr positiv und erzählt ihr sogar vom Tod Sabeths, was das erste Mal ist, daß er einer Frau annäherungsweise Einblick in seine Gefühlswelt gibt, ohne daß sie ihn dazu drängt. Auch sein Erfragen ihrer Meinung, der Meinung einer Frau, die er bislang als irrelevant abgetan hatte, in Bezug auf Todsünde und der Steuerung der Menschen durch die Götter, ist ungewöhnlich für ihn. Durch diese Frage versucht er Sabeths Tod zu begründen und zu rechtfertigen und sucht ihre Bestätigung. Er vergleicht Juana auch mit Sabeth, was ein weiterer Beleg für seine Unbefangenheit ist. Diese Unbefangenheit bewundert er auch an ihr, sowie ihr Aussehen und ihre Ausstrahlung. Zum ersten Mal im Leben sieht sich Walter Faber eine Frau genauestens an, bemerkt viele Dinge an ihr und interessiert sich für sie als Person. Durch diese menschliche Nähe kommt sich Walter Faber unbeschwert, erleichtert und jung vor, was er bislang unbedingt vermieden hatte, da es hätte irrational sein können.

Hauptsächlich die Begegnung mit Sabeth und Sabeths Tod haben diese Wandlung in Gang gesetzt, die Walter Faber selbst auch als gut erachtet, denn er nimmt seine Umgebung und die Menschen darin intensiver wahr und bildet sich neue Meinungen.
Bettina Arff


obenWalter Fabers Verhältnis zu Sabeth

Walter Faber sieht seine Tochter Sabeth das erste Mal beim Einchecken in das Schiff von New York nach Le Havre.
Zu dem Zeitpunkt weiß er noch nicht, daß er eine Tochter mit Hanna hat, da mit ihr seinerzeit eine Abtreibung vereinbart worden ist.
Sabeth fällt ihm sofort auf, und ihr Aüßeres beeindruckt ihn. (Seite 70 mitte) Er versucht immer wieder , ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, indem er ihr zum Beispiel den Ping Pongball aufhebt (Seite 72 mitte) oder mit ihr Ping Pong spielt (Seite 73 oben).
Außerdem läßt er sich, in Griechenland, auf ein Assoziationspiel mit Sabeth ein, in dem die beiden Assoziationen zu Naturvorgängen, die sie auf einer gemeinsamen nächtlichen Wanderung bei Korinth erleben. (Seite 150-152) Dabei fällt auf, daß Walter Fabers Assoziationen sehr technisch ausfallen.
Er assoziiert beispielsweise zu den ersten vom Meer reflektierten Sonnensrahlen den Beschuß mit Elektronen oder aber den ersten Anstich eines Hochofens. Die Luft empfindet er wie "Cellophan mit nichts dahinter." Das Wiehern eines Esels klingt für ihn wie eine "ungeschmierte Bremse."
Er versucht, sie durch Vorträge über naturwissenschaftliche Dinge, von denen sie keine oder nur wenig Ahnung hat, für sich zu begeistern. (Seite 74 unten -folgende) Er ist außerdem sehr eifersüchtig auf ihren "Schnäuzchen - Freund", auch wenn er dies nicht zugibt und behauptet, es gebe keinen Grund dazu, da Sabeth nur eine Reisebekanntschaft sei. (Seite 74 oben; Seite 81 mitte).
Während seines Zusammenseins mit Sabeth denkt er immerwieder an Hanna, (Seite 74 unten -folgende) ist aber der Meinung, daß das nichts mit Sabeth zu tun hat.
Er versucht permanent während des ganzen Buches auf der Reflexionsebene zu beweisen, daß er nicht wissen oder auch nur ahnen konnte, daß Sabeth seine gemeinsame Tochter mit Hanna sei und versichert, daß, wenn es auch nur das geringste Anzeichen dafür gegeben hätte, er sich von ihr distanziert hätte.

Tayfun Kabakci

obenVerhältnis Walter Fabers zu Männern

Es ist sehr schwierig, dem Roman "Homo faber" von Max Frisch Anhaltspunkte für das Verhältnis Walter Fabers zu anderen Männern zu entnehmen. Es werden in dem Roman nur einige männliche Personen erwähnt, die eine Rolle in Walter Fabers Leben spielen:
Die wichtigsten sind Joachim, der ein Jugendfreund der Hauptperson gewesen ist und später Hanna geheiratet hat, Herbert, Joachims Bruder und Begleiter Walter Fabers nach Guatemala, und Marcel, den Walter Faber in Guatemala kennenlernt. Etwas geringere Bedeutung haben Dick und ein ehemaliger Lehrer von Walter Faber, Professor O. Doch da der Autor Faber als einen verschlossen und sehr sachlich wirkenden Charakter darstellt, erfährt der Leser wenig über die wirklichen Gefühle Walter Fabers und auch über seine Einstellung gegenüber Männern.
Aus seinen in dem "Bericht" beschriebenen Verhaltensweisen lassen sich charakteristische Merkmale entnehmen. Die Verbindungen, die Walter Faber mit den oben erwähnten Männern hat, sind eher oberflächlicher Natur. Denn Walter Faber verhält sich sehr distanziert gegenüber den Männern. Dieser Eindruck entsteht durch einzelne Erzählungen in dem "Bericht". Niemandem vertraut er seine Gefühle oder Erlebnisse an, denn er ist der Meinung, "es geht sie ja alles nichts an."(S.162, Z.7). Aus seinem Gesprächsverhalten wird deutlich, daß er für die Erlebnisse anderer Menschen überwiegend Desinteresse zeigt, da er seine Weltanschauung und seine Lebensweise für die einzig wahre hält. Dem widerspricht wiederum, daß Walter Faber mehrmals behauptet, einmal einen vertrauten Freund gehabt zu haben. Dies sei Joachim gewesen.(S.59, Z.20 "Joachim war mein einziger wirklicher Freund"; S.38, Z.31; S.43, Z.19). Jedoch können auch hier keine wahren Gefühle für ihn vorhanden sein,denn der Freitod Joachims scheint Walter Faber eher lustig aufzunehmen, es fehlt die angemessene Trauer um einen angeblich so guten Freund. Doch Joachim ist der einzige, den er jemals als Freund bezeichnet. Und nur ein einziges Mal im gesamten Roman macht er ein weiteres Zugeständnis persönlicher Art. Professor O. sei für ihn "immer eine Art Vorbild gewesen."(S.103, Z.23).Walter Faber teilt die Männer in zwei Gruppen ein. Die eine Gruppe vertritt wissenschaftlich-technische Einstellungen. Diese Männer versuchen, alles sachlich zu erklären und keine Gefühle zuzulassen. Zu dieser Gruppe zählt sich auch Walter Faber. Er akzeptiert auch nur diese Männer, wie man am Beispiel des Professors sehen kann. Dieser hat an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich gelehrt und hat zur heutigen Einstellung Walter Fabers beigetragen. Im absoluten Gegensatz dazu steht Marcel, ein Künstler.
Er gehört jener zweiten "Kategorie" von Männern an, die Walter Faber nicht ernst nimmt, ja sogar verachtet. Dieser Gruppe teilt Walter Faber alle Männer zu, die sich für musisch-künstlerische Themen interessieren. Seine Abneigung macht Walter Faber durch die Verwendung pejorativer [abwertender] Ausdrücke deutlich, mit denen er die Betreffenden charakterisiert, z.B. benennt er Marcel mit dem Ausdruck "Ruinen-Künstler" (S.43, Z.21) und wertet seine Meinung als "Künstlerquatsch"(S.50, Z.24) ab.
In dem gesamten "Bericht" entsteht der Eindruck, Walter Faber habe zu Frauen ein besseres Verhältnis als zu Männern.
Frauke Schneider


oben Autoren: Klasse 11-1 und Alfred Blohm, Web: Kai Lahmann Datum: Mai 98 Letzte Änderung am 29. März 2000
Exposystem [Geisteswissenschaft] [Homo Faber] [Faber-Natur-Technik] Überblick [Dokumentationsteam] [Email s.Ueberblick] [Deutsch]Informationssystem