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Die Natur als Erfindung des Menschen
Geisteswissenschaften   Homo Faber



Homo Faber, Variation 2
Mythische und moderne Frauen

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Schlafende Erinnye

Mythische Frauengestalten als Modelle moderner Frauen: Erinnyen und Eumeniden


Kopf einer schlafenden Erinnye
Die sogenannte Medusa Ludovisi steht im italienischen Museo Nazionale Romano, dem "Thermenmuseum". Im Roman betrachtet Walter Faber zusammen mit Sabeth ihre verschiedene Wirkung bei unterschiedlichem Lichteinfall.
Die Erinnyen, die in „Homo Faber“ vorkommen, stammen aus der griechischen Mythologie, aber aus einer älteren Zeit, die als die Zeit der Götter vor Zeus bezeichnet wird. Die Mutter und die Erde spielten in dieser Zeitepoche eine entscheidende Rolle. Die drei Töchter der Gaia und des Uranos waren dort Rachegöttinnen. Ihre Namen waren Allekto (die Unablässige), Teisiphone (die den Mord rächende) und Megaira (die Neidische). Gelegentlich nannte man sie auch „Töchter der Nacht“. Sie dienten dem Hades, dem Gott der griechischen Unterwelt, und bestraften alle Verstöße gegen die menschliche Gesellschaft, vor allem den Mord an Blutsverwandten. Diese schrecklichen Göttinnen waren wilde Furien und auch ihr Aussehen war furchtbar: Anstelle von Haaren hatten sie sich windende Schlangen auf den Köpfen, ihre Gesichtszüge waren verzerrt und aus ihren Augen quoll Blut. Verbrecher verfolgten sie durchs ganze Land und schlugen sie mit Wahnsinn und Tod. Z.B. verfolgten sie den Prinzen Orestes , der seine Mutter Klytämnestra ermordet hatte. Der Gott Apollon hatte ihm befohlen den Tod seines Vaters Agamemnon, den sie ermordet hatte, zu rächen. Orestes bat schließlich die Göttin Athene um Hilfe, welche die Erinnyen überredete ihn in Ruhe zu lassen. Weil die Erinnyen nun fähig waren Gnade walten zu lassen, wurden aus den Furien nun die freundlichen Eumeniden, was gleichzeitig den Anbruch einer neuen Zeitepoche innerhalb der griechischen Mythologie bedeutete. Da der griechische Staat zu dieser Zeit auch gerade das Strafrechtswesen einführte, wurde die Rolle bzw. Aufgabe der Erinnyen von ihm übernommen. In „Homo Faber“ kommt dies in der Textstelle vor, in der Walter Faber mit Sabeth in einem italienischen Museum einen steinernen Mädchenkopf sieht, den Kopf der schlafenden Erinnye (S.120). Zuerst ist es für Faber wunderschöner Mädchenkopf, doch als Sabeth sich dazu stellt, sieht es durch ihren Schatten so aus, als würde die Erinnye erwachen, sie sieht geradezu wild aus. Es ist als wäre sie beim Anblick von Sabeth erwacht. Als sie sieht, daß Faber Hanna ihr Kind „weggenommen“ hat, wird sie wütend. Man kann die Rolle der Erinnyen in „Homo Faber“ auch auf Hanna übertragen. Sie ist durch den Tod ihrer Tochter betroffen und wird teilweise auch als wilde Furie dargestellt. Außerdem stellt auch sie die Ansprüche einer Mutter über alles, selbst wenn diese nicht rechtmäßig sein sollten. Sie will am liebsten ihr Kind ganz für sich haben und, als sie schwanger wird, trennt sie sich von Walter Faber. Als Sabeth stirbt, wird sie zur zürnenden Furie, Faber ist für sie Schuld am Tod ihrer Tochter und sie hegt Rachegefühle. Das schlimme Vergehen aus der Sage, Mord an einem Blutsverwandten, paßt hier also, auch wenn es kein wirklicher Mord ist. In der Konzeptionsskizze war der zweite Teil des Romans mit Eumeniden überschrieben.
Demeter (links), die Göttin der Ernte, wird oft mit Weizen- oder Gerstenhalmen abgebildet. Die Fackeln, die sie und ihre Tochter Persephone in Händen halten, verweisen auf ihre Verbindung mit der Unterwelt.
Hier senden sie den Heros Triptolemos aus, der den Menschen das Geschenk des Getreides bringen soll.



obenKlasse 11-1 mit Alfred Blohm Datum: Mai 99. Letzte Änderung am  30. Juli 2004
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