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Die Natur als Erfindung des Menschen
Geisteswissenschaften   Homo Faber   Faber erfindet seine Welt

Max Frisch: Homo Faber als Erfinder seiner eigenen Welt, Variation 3, Klasse 11-3 im Sommer 1999 mit Ulrich Schulz

Fabers Erfindung der Natur der Frau

Gruppe: Kristina Sartisohn , Julia Wolter , Katja Bijick , Berenike Söllner , Katharina Greibke

Max Frisch
  1. Einleitung
  2. Fabers Vergleich zwischen der Natur und der Frau
  3. Fabers Einstellung zur Frau als Sexpartnerin
  4. Fabers Wandlung im Verlauf des Buches

1.) Einleitung

In der ersten Station vertritt Faber eine zentrale Aussage "Ivy heißt Efeu, und so heißen für mich eigentlich alle Frauen"(HF S.91). Damit will Faber ausdrücken, dass die Frauen sich wie die Kletterpflanze an ihm hochziehen wollen, sich also durch ihn erheben wollen. Die Frauen sind somit abhängig von den Männern, doch die Männer werden durch die einengende Umklammerung der Frau in ihrer Freiheit beeinträchtigt.

Faber ist ein rational denkender Techniker. Alles, was irrational ist, interessiert ihn nicht. Von der Natur will er auch nichts wissen, sie stellt den direkten Gegensatz der Technik dar, und das ist sein Problem bei den Frauen. Die Frau bzw. der weibliche Körper ist natürlich und auf gar keinen Fall technisch und aus diesem Grund findet er alles, was mit Frauen zu tun hat, abartig. So ist es auch zu verstehen, daß er sagt: "Frauen verstehen nichts von Technik"(HF S.63/77), da sie das Gegenteil verkörpern.

2.) Fabers Vergleich
zwischen Natur und Frau

Ein weiteres Problem für ihn ist die Unkontrollierbarkeit der Frau. Alles Weibliche ist seiner Meinung nach, wie die Natur, nicht zu beeinflussen oder zu kontrollieren, und das stellt für ihn ein Feindbild dar. Dies ist auch ein Grund, warum er vor der Weiblichkeit zurückschreckt, da sie genau das Gegenteil für ihn bzw. die Technik darstellt, und zwar Unkontrollierbarkeit, Irrationalität und Gefühlsbetontheit.

Das Letztgenannte missfällt ihm besonders, da Gefühle für ihn in seinem Leben überhaupt keine Rolle spielen. Er selbst würde nie auf seine Gefühle bzw. Eindrücke achten, da diese in seine rationale Denkweise nicht hineinpassen. Aus diesem Grund findet er Frauen auch anstrengend, weil sie einfach ständig nur wissen möchten, was der Mann fühlt bzw. denkt. Er versteht einfach das für ihn unlogische - Denken der Frauen nicht.

Ein weiterer Aspekt dafür, dass er die Natur, genau wie die Frau, als irrational empfindet, ist die Aussage "Tod und Erde sind weiblich"(HF, S.69 ). Für Faber ist die Erde eine unüberschaubare Natur. Die Frau lässt Leben entstehen, doch durch die Abtreibung kann eine Frau über die Existenz des entstehenden Lebens bestimmen, was ihr weitere Macht zuschreibt, wodurch der Mann einen weiteren Machtverlust erleidet.

Faber empfindet die Erde als unberechenbar, da von ihr das Leben ausgeht, und es von ihr auch wieder genommen wird (z.B. durch Naturkatastrophen). Er hat keinerlei Kontrolle über dieses natürliche Geschehen, und dies veranlasst ihn dazu, die Erde als weiblich zu bezeichnen.

Denn auch die Frauen bringen ihn dazu, die Kontrolle über sich zu verlieren und üben ihre Macht so auf ihn aus, daß seine rationale Denkweise zeitweise aussetzt.

Faber verdrängt auch seine eigene Natürlichkeit, seine natürlichen Bedürfnisse: er duscht sich immer, weil er das Schleimige verabscheut; er rasiert sich ständig, weil er sich sonst unwohl fühlt. Doch später (in Kuba) nimmt er seine natürlichen Bedürfnisse war und akzeptiert sie. Diese Änderung der Einstellung kommt durch die durch Sabeth veränderte Lebensweise zustande.

Ebenfalls nimmt er Neugeborene als unangenehm und schmierig wahr. Als Schweiß, Regen und Öl ihn durchtriefen und die Sonne schleimig auf ihn scheint, fühlt er sich genauso hilflos und eingeengt wie ein Neugeborenes. Der Verlust der Kontrolle und das Ausgeliefertsein gegenüber der Natur, lassen ihn also einen Bezug zur Frau herstellen.

Genauso sieht er auch die Schwangerschaft: Da sie ein mit der Natur verbundener Prozess ist, findet er sie ebenfalls abstoßend. Desweiteren wird seine Freiheit durch eine Schwangerschaft begrenzt, da die Frau ihn dadurch an sich binden kann, sieht er dies als wirtschaftliches Kampfmittel der Frau (HF,S106/107).

3.) Fabers Einstellung
zur Frau als Sexualpartnerin

Seine Vorstellung, wofür die Frau geschaffen ist, bezieht sich weitestgehend nur auf ihren Körper. Faber sieht den Nutzen einer Frau darin, dass sie als Sexualpartnerin zur Verfügung steht. Wichtig ist für ihn daher nur das ansprechende Aussehen einer Frau. Mit ihren Gedanken will er sich nicht auseinandersetzen, da er diese als falsch und unwichtig ansieht, weil sie nicht rational sind.

Eine Unterhaltung würde auch eine engere Beziehung / Bindung herstellen, was er auf jeden Fall verhindern will, da er sich durch eine engere Bindung eingesperrt fühlt. Er will sich nicht näher mit einer Frau einlassen, da diese sonst zuviel Kontrolle und Macht über ihn hätte und so sein Leben durcheinander bringen würde, was nach seiner rational organisierten Denkweise ein folgenschwerer Fehler wäre.

Mit so einer distanzierten, rein sexuellen Beziehung will Faber sicherstellen, dass er die Macht in der Hand behält und die Frauen nach seinen Wünschen "benutzen" kann. Gefühlsbetonte Beziehungen, die ihn einengen und ihn abhängig machen würden, so dass er Verpflichtungen hat, geht er aus dem Weg. Solange er die Frau in der Funktion eines Objektes behält, kann sie nicht auf ihn einwirken.

4.) Fabers Wandlung
im Verlauf des Buches

Seine in der ersten "Station" bestehende Ansicht der Frauen als minderwertige Menschen wandelt sich immer mehr ins Gegenteil, je besser er Sabeth kennenlernt und je mehr er sich mit ihr auseinandersetzt. Seine Beziehung zu Sabeth ist von ihm aus die erste, die nicht aus sexuellem Interesse besteht. Dadurch, dass er mit Sabeth längere Unterhaltungen führt, ohne dass er damit ein sexuelles Ziel erreichen will, verstößt er gegen sein Grundprinzip, Distanz zu Frauen zu halten. Mit der Aufgabe dieser Distanz lässt er sich zum ersten Mal mit den Gedanken einer Frau ein. Auf diese Weise setzt er sich auch mit ihrer Persönlichkeit auseinander, so dass er auch eine Frau als "vollwertigen" Menschen akzeptieren kann.

Sein Vorurteil, dass Frauen die schlechteren Menschen seien, wird nicht bestätigt, so dass er erkennen muss, sich geirrt zu haben. Da er erst einmal angefangen hat, seine Ansichten zu hinterfragen und seine Einstellungen zu ändern, geht er auch noch weiter und sieht ein, dass er sein ganzes Leben ändern kann.

Seine pessimistische Einstellung führt ihn dazu, den Anfang auch gleich als das Ende zu betrachten. Aus der Begegnung mit Sabeth gewinnt er die Erkenntnis, dass die rationale Denkweise keine (Lebens-) Freude bringt. Er will sein Leben genießen, aber es ist zu spät, er kann sich nicht mehr ändern.

Frisch, Max: Homo Faber, Frankfurt am Main, 1957



obenKlasse 11-3 mit Ulrich Schulz Datum: Mai 99. Letzte Änderung am  06. Februar 2000
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