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Die Natur als Erfindung des Menschen
Geisteswissenschaften   Homo Faber   Faber erfindet seine Welt

Max Frisch: Homo Faber als Erfinder seiner eigenen Welt, Variation 3, Klasse 11-3 im Sommer 1999 mit Ulrich Schulz

Fabers Erfindung der Natur des Mannes

Gruppe: Maik Rothardt, Hinnerk Schäfers, Clemens Meyer, Jörn Eilmann


Fabers
Einstellung
zu Männern


Walter Faber schätzt intelligente Männer (HF S.103; "Professor O. ist für mich immer eine Art Vorbild gewesen,.."), die ihren (vorzugsweise wissenschaftlichen ) Aufgaben nachkommen. Gleichzeitig kritisiert er jedoch die Oberflächlichkeit bei Freundschaften in der Männerwelt und vermißt echte Freundschaften(HF S.67; "...,von Freundschaft keine Spur,...").

Faber selbst meint von sich, dass er, wie jeder wirkliche Mann, in seiner Arbeit lebe (HF S. 90 unten) und vollkommen in seinem als männlich angesehenen Beruf des Technikers aufgehe ("HF S. 77 "Ich stehe auf dem Standpunkt, dass der Beruf des Technikers,...immerhin ein männlicher Beruf ist,...), da für ihn nur technische Fakten, mathematische Verhältnisse und kausale Zusammenhänge von Ursache und Wirkung eine Rolle spielen (HF S. 22 "...,als Techniker bin ich gewohnt mit den Formeln der Wahrscheinlichkeit zu rechnen....Mathematisch gesprochen..."). Er verkörpert als Einzelgänger den aus seiner Sicht typischen Mann (HF S. 91 "...und schätze mich glücklich ,allein zu wohnen, meinen Erachtens der einzigmögliche Zustand für Männer,.."), der sachlich, distanziert und frei von Sentimentalitäten sein solle. Er behauptet, Sentimentalität werfe das männliche Geschlecht aus seiner geordneten Laufbahn und sei für einen Mann zudem auch peinlich (HF S. 15 "...aber vollkommen sentimental, er weinte immerfort, obschon er Mathematiker ist, es war peinlich,...).

Er sieht den Mann als vernünftiges, realitätsbezogenes und technisch interessiertes sowie technisch begabtes Wesen. Dieses ist ständig gewillt, etwas zu schaffen und vorauszudenken (HF S. 91 ...gewohnt, voraus zu denken, nicht rückwärts zu denken, sondern zu planen). Arbeit ist für den Mann also das Wichtigste; Laut Faber gibt es keine Männer, die es ertragen, sich Gespräche von Frauen über Liebe und Ehe anzuhören, ohne zu heucheln (HF S. 91 ..., dazu Gespräch über Liebe und Ehe, das erträgt kein Mann,..., oder er heuchelt").

Tatsächlich entsprechen sein Verhalten und seine Denkweise jedoch nicht immer diesen nach außen klar formulierten Aussagen und er handelt ihnen sogar häufig zuwider, als er Sabeth begegnet (HF S. 95 "..., ob sie mich denn heiraten würde") ( HF S. 108 "Ich dachte an Heirat wie noch nie") ( HF S. 150, S.151, S. 152). Der Unterschied zwischen seiner Vorstellung davon, wie ein Mann zu sein hat, und ihm selbst wird im Laufe des Buches ständig größer, bis er selbst wider Willen nur noch in einer Gefühlswelt lebt.


Fabers Beziehungen
zu Frauen


Walter Faber sieht sich selbst unter allen Umständen als ein Angehöriger einer überlegenen Klasse (HF S. 14 "Bevölkerung: Indios. Es interessierte mich, insofern ich ja auch mit der Nutzbarmachung unterentwickelter Gebiete beschäftigt bin;...) und eines überlegenen Geschlechts (HF S. 133 "..., dass auch ich die Wissenschaft für ein männliches Monopol halte, überhaupt den Geist"). Auch durch das Gleichsetzen von Weiblichkeit mit Hysterie, Irrationalität, Aberglauben usw. erklärt er sich deutlich zum Antifeministen (HF S. 24 "Wozu weibisch werden? Wozu hysterisch sein?" S.91 " Ich bin nur, was Frauen nicht vertragen, durchaus sachlich." S.142 "Alle Frauen haben einen Hang zum Aberglauben...")

Er wirft den Frauen vor, sie hätten zu viele Gefühle und benötigten ständig Zärtlichkeiten. Dadurch könnten sie auch niemals einen Sinn für Sachlichkeit und Technik bekommen (HF S.63; Z.20-23, S.91; Z.4-11). Sie seien also immer wie "Hennen, auch wenn sie noch so intellektuell sind"(HF S.137 ). Bereits am Anfang des Berichtes betont Faber, dass er nicht heiraten will (HF S.7; Z.23), am liebsten allein lebt und wohnt(HF S.91; Z.1-3) obwohl dies keine Frau verstehen könne und er mit Frauen im allgemeinen nicht viel anfangen kann (HF S.30; 47f.). Nach Fabers Meinung kommen alle Eigenschaften, die der Mann von sich weist, den Frauen zu. Sie lebten vor allem aus ihren Gefühlen und es gebe in ihrem Leben keine wirkliche Organisation.

Fabers Gefühle gegenüber Frauen könnte man mit der Handhabung eines Bügeleisens vergleichen. Man hat einen Nutzen, kann es wieder weglegen, wenn es nicht mehr benötigt wird, und man muss keine Rücksicht auf dessen Behandlung nehmen. Das beste Beispiel für seine Gefühlslage gegenüber Frauen ist Ivy, die Fabers klischeehaftes Frauenbild in allen Einzelheiten erfüllt. Der Name "Ivy" bedeutet "Efeu" ; eine Klette, die man nicht mehr los wird, wenn sie erst einmal an einem hängt. Man kann sogar erkennen, dass er sie auch nur als eine wenn auch sehr gute Sexpartnerin sieht. Während sie beispielsweise beginnt ihn zu verführen, löst er Schachaufgaben oder denkt über das Datum nach.

Trotz dieser Einstellung zu Frauen finden sich, von den beiden Guatemala- Reisen einmal abgesehen, im Roman nur wenige Seiten, auf denen Fabers Gedanken nicht doch primär einer Frau gelten. Der gesamte Zweck seines Berichts ist vor allem eine Rechtfertigung gegenüber Hanna.


Literaturangaben

Max Frisch: Homo Faber, Frankfurt a.M. 1957

Max Frisch: Homo Faber (Königs Erläuterungen und Materialien Band 148) Hollfeld 1987



obenKlasse 11-3 mit Ulrich Schulz Datum: Mai 99. Letzte Änderung am  30. Januar 2000
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