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Die Natur als Erfindung des Menschen
Geisteswissenschaften   Homo Faber   Faber erfindet seine Welt

Max Frisch: Homo Faber als Erfinder seiner eigenen Welt, Variation 3, Klasse 11-3 im Sommer 1999 mit Ulrich Schulz

Fabers Erfindung der natürlichen Umwelt

Gruppe: Sonja Gotthold, Kathrin Müller, Miriam Schneider, Marc Wachowski, Claus-S. Wilkens


I. Die Schauplätze des Romans und ihre Bedeutung

Die einzelnen Stationen Walter Fabers:

Erste Station 1957
25.03. Abflug Fabers aus New York
26.03.-29.03. Aufenthalt in der Wüste von Tamaulipas
29.03.-30.03. Aufenthalt in Campeche
31.03.-05.04. Aufenthalt in Palenque
09.04. Fahrt zur Plantage in Guatemala

Rückkehr nach Palenque; Reise über Mexiko City
19.04. in Caracas
20.04. Abflug nach New York
22.04.-30.04. Schiffsreise von New York nach Le Havre
29.04. Fabers fünfzigster Geburtstag
01.05. Aufenthalt in Paris
13.05.-25.05. Italienreise und Überfahrt nach Korinth
25.05.-26.05. Akrokorinth und Unfall
27.05. Athen
28.05. kurze Fahrt nach Akrokorinth; Rückkehr nach Athen; Tod Sabeths
29.05. Paris

Zweite Station
31.05.-01.06. Faber wieder in New York
02.06. Abflug nach Caracas
Reiseunterbrechung in Merida
Zweite Fahrt zu der Plantage in Guatemala
20.06.-08.07. Aufenthalt in Caracas; ab 21.06. Abfassung des ersten Berichtteils
09.07.-11.07. Aufenthalt in Havanna auf Kuba
15.07. Düsseldorf
16.07. Zürich
18.07. Athen
19.07. Athen, Krankenhaus

Die Bedeutung der wichtigsten Schauplätze:

Die einzelnen geographischen Schauplätze des Romans "Homo Faber" lassen sich in drei größere Gruppen gliedern: Neue Welt, Alte Welt und Dritte Welt. Faber lebt seit zehn Jahren in den Vereinigten Staaten und identifiziert sich zunächst vollkommen kritiklos mit der Denkweise dieses Landes. Er gibt alle Klischees der amerikanischen Fortschritts- und Technikgläubigkeit dieser Zeit wieder, ohne sie im mindesten in Frage zu stellen. Sowohl mit diesem Hintergrund, als auch mit dem Satz am Anfang des Romans: "Wir starteten in La Guardia, New York...", legt der Autor die Zugehörigkeit des Berichtenden zur Neuen Welt dar. Nur nach und nach findet ein Gesinnungswandel Fabers statt, der durch das Zusammentreffen mit dem Amerikaner Marcel in Guatemala noch verstärkt wird. Denn Marcel macht Faber schnell seine pauschale Ablehnung des Amerikanismus klar. Er vertritt nämlich all die Klischees des amerikanischen Intellektuellen der fünfziger Jahre: den Untergang der weißen Rasse, die Zukunftslosigkeit Amerikas und dessen vergeblicher Versuch das Leben zu "kosmetisieren". Aber Marcel bleibt, obwohl er in der Sache keineswegs Unrecht hat, mit seinen Urteilen ebenso an der Oberfläche wie Fabers kritiklose Bestätigung.
Nach dem Zusammentreffen mit Marcel in Guatemala kommen seine (Ex-)Freundin Ivy und sein Arbeitskollege Dick ins Blickfeld. Beide dienen der Charakterisierung des "American way of life". Nach Fabers Abreise aus New York verschwinden Dick und auch Ivy aus seinem Leben und dem Romangeschehen: dies ist eine Vorausdeutung auf seine Abkehr vom Amerikanismus.
Aber erst auf Kuba gelangt Faber zu der Einsicht: "Marcel hat Recht" ( HF S. 177). Seine Ablehnung Amerikas entspricht der Freude an der Naturschönheit Kubas, die er in vollen Zügen genießt. Er gelangt aber trotzdem noch nicht zu einer sachlichen Analyse der amerikanischen Verhältnisse. Was ihn jetzt ekelt, sind letztlich bloß noch Klischees: die äußere Hässlichkeit, Vitamintabletten, Coca Cola, die Kosmetisierung des Alterns und des Todes. Völlig außer Acht bleiben die gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen des Landes. Das wird klar an Fabers völlig naiver, hymnischer Darstellung der Lebenswirklichkeit Kubas in den fünfziger Jahren (HF S. 173-176).
Mit der Reise nach Europa, die in Griechenland endet, kehrt Faber symbolisch zu den Wurzeln europäischer Kultur zurück. Der im amerikanischen Weltbild fehlende Bezug zur Geschichte wird auf Schritt und Tritt durch die künstlerischen Zeugen der Vergangenheit hergestellt, die Walter und Sabeth nun umgeben. Man kann feststellen, je näher Faber Athen kommt, desto näher kommt er der Vergangenheit und der Erfüllung seines "Schicksals". Hanna - hierin entspricht sie Ivy, die die Neue Welt verkörpert - repräsentiert Europa, also die Alte Welt.
Die Dritte Welt, von Kuba abgesehen, wird von Faber als Aufgabe technischer Entwicklung und kaufmännischer Erschließung angesehen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die drei größeren Schauplätze des Romans lediglich im gängigen Klischee geschildert und begriffen werden: Amerika ist Konsum, Vermassung und dürftige Plastikwelt. Europa dagegen ein Sortiment von Denkmälern der Vergangenheit und der Glaube an die heile Welt. Die "Entwicklungsländer", wie Kuba, erscheinen als Tummelplätze des Tourismus oder als Prüfstand für die technokratischen Stoßtrupps der überlegenen weißen Rasse.
Faber verläßt also die Neue Welt, als sie ihm nichts mehr zu bieten hat. Die Dritte Welt kann ihn auf Dauer nicht beherbergen. So kehrt er schließlich in die Alte Welt zurück, um nicht allein zu sterben. Walter Faber verkörpert, in den Worten Hannas, "die Weltlosigkeit des Technikers" (HF S. 169).

Sonja Gotthold

II. Fabers Einstellungen zur Natur

II.1 Die Wüste

WeltkugelAls Faber mit der Super Constellation über der Wüste abstürzt, wird deutlich, wie stark er versucht alles technisch und rational zu sehen. Auch sieht er die Umwelt immer nur auf Distanz, z.B. durch das Fenster des Flugzeugs oder durch den Sucher der Kamera, "Natürlich dachte ich auch sofort an den Disney-Film, der ja grandios war, und nahm sofort meine Kamera; aber von Sensation nicht die Spur, ab und zu eine Eidechse, die mich erschreckte, eine Art von Sandspinnen, das war alles." (HF S. 23). Er entzieht sich dem direkten Kontakt mit der Umwelt. Ähnlich geht es ihm mit Menschen. So spielt er während fast der ganzen Zeit des Wartens mit Herbert Schach, um, wie er selbst sagt, nicht reden zu müssen. In seinen Naturbeschreibungen sagt er, dass er die Umwelt nicht für phantastisch, sondern für erklärbar hält. So nennt er auch einige Beispiele, wie z.B. den Mond:
"Ich sehe den Mond über der Wüste von Tamaulipas – klarer als je, mag sein, aber seine errechenbare Masse, die um unseren Planeten kreist, eine Sache der Gravitation, interessant, aber wieso ein Erlebnis?"
(HF S.24).
Hier wird deutlich, dass er alles mit den Augen eines Technikers sieht. Eine entscheidende Textstelle in diesem Zusammenhang ist aber auch:
"Ich weigere mich Angst zu haben aus bloßer Fantasie, beziehungsweise fantastisch zu werden aus bloßer Angst, geradezu mystisch."
(HF S.25)
Faber weigert sich also Angst vor etwas zu haben, das gar nicht existiert. Er weigert sich Unerklärbares durch die Fantasie zu erklären. Er versucht seine Fantasien zu unterdrücken, was deutlich macht, dass er in Wahrheit Angst vor ihnen hat, "Ich sehe auch keine versteinerten Engel, es tut mir leid; auch keine Dämonen, ich sehe, was ich sehe: die üblichen Formen der Erosion, dazu meinen langen Schatten auf dem Sand, aber keine Gespenster." (HF S. 24). Faber will so denken um besonders effizient zu sein, wie eine Maschine. Hierbei würden ihn aber Gefühle stören. Diese Gefühle versucht er auch zu verhindern, indem er, wie schon erwähnt, auf Distanz, z.B. zur Umwelt, geht. Hierzu benutzt er auch seine Kamera um die Natur durch eine Art Filter zu sehen. Auch wenn er die Natur für erklärlich hält, so filmt er doch Sonnenuntergänge und dergleichen, aber betrachtet sie nicht ohne Kamera. Dann sein Schachspiel, um auf Distanz zu anderen Menschen zu bleiben.
Obwohl Walter Faber es nicht möchte, zeigt er sich fast poetisch in Bezug auf die Natur. So beschreibt er schon am Anfang des Romans Lagunen als glitzernd "wie Lametta aber dann wieder himmelblau und wässerig (wie die Augen von Ivy) mit gelben Untiefen" (HF S. 18). Es zeigt sich also, dass Faber, obwohl er dies nicht möchte, nicht frei von Gefühlen ist. In der Wüste gelingt es ihm noch diese größtenteils zu unterdrücken, was ihm im Laufe der Geschichte, wie sich noch zeigen wird, immer schwerer fällt.

Claus-S. Wilkens

II.2 Der Dschungel

PapageiIm Dschungel bricht Fabers Angst vor dem Lebenskreislauf offen durch. Er ist nicht mehr in der Lage seine Angst, die er in der Wüste noch hinter rationalen Ansichten verstecken konnte, zurückzuhalten. Im Dschungel ist er mit all den Dingen konfrontiert, die er nicht begreift, vor denen er sich ekelt und die ihm Angst machen. Er kann der "Natur" nicht ausweichen, sondern befindet sich mitten in ihr.
In der ersten Phase seiner Reise bleibt Faber noch dabei keine Angst zu haben, er drückt sein Unwohlsein mit dem Gefühl "nerven" aus und nennt den Lebenskreislauf "blühende Verwesung" und "stinkende Fruchtbarkeit"(HF S.51). Fruchtbarkeit und Verwesung stellen für Faber keine Gegensätze dar, sondern sind im Prinzip nur zwei unterschiedliche Wörter für ein und dasselbe. Für Faber ist jeder Anfang nur der Anfang vom Ende. Bei seinem Bad im Fluss redet Faber das erste Mal von Ekel. Aber hier zeigt er ihn noch nicht so deutlich, sondern beschreibt, nachdem er seinen Ekel eingestanden hat, eigentlich nur seine Umgebung, "Wedel mit meterlangen Blättern, reglos, dazwischen Akazien-Filigran, Flechten, Luftwurzeln, reglos, ab und zu ein roter Vogel der über den Fluß flog, sonst Totenstille"(HF S.52). Diese Beschreibung wirkt für andere fast idyllisch und enthält eigentlich genau das, was den Reiz des Urwalds ausmacht, aber für Faber ist diese Ruhe und Reglosigkeit genauso unerträglich wie auch Lärm und Menschenmassen für ihn unerträglich wären. Bei zu vielen Menschen fühlt er sich als Außenseiter und Einzelgänger, aber in der Natur fühlt er sich nicht frei, sondern tot. Die Reglosigkeit ist für ihn ein Symbol des Todes und damit kann er nicht umgehen.

KröteErst nach dem Tod Joachims brechen Fabers Angst und sein Ekel endgültig durch. Auf der Rückfahrt denkt er über sein eigenes Ende nach und wünscht sich sein Leben wenigstens so zu beenden wie er es gerne gelebt hätte: sauber. Er möchte verbrannt werden und damit dem Lebenskreislauf, dem er sich sein ganzes Leben lang entziehen wollte, doch noch entkommen. In diesem Gedankengang stellt Faber auch die Verbindung zwischen dem menschlichen Leben und der Natur her, indem er die Beobachtungen, die er macht, mit menschlichen Bildern beschreibt. Er redet dabei von "Monatsblut", "Spermatozoen", "Eingeweiden" und "Neugeborenen"(HF S.68f). Damit betont er wieder das, was ihm die meiste Angst bereitet: der Neuanfang des Lebens, was ja für ihn die Einleitung des Todes darstellt bzw. das schlechte "Material" des Menschen, auf dem seine Vergänglichkeit gründet. Und in dieser Situation gesteht Faber sich auch die Schwäche ein nicht allein sein zu wollen. Er, der sich immer für anders gehalten hat und die Menschen und ihre Geselligkeit ablehnte, gibt zu, dass er es als angenehm empfindet nicht allein zu sein. In diesem Moment erkennt Faber seine Schwächen, er merkt, dass ihm seine Erklärungen nicht die Angst nehmen können. Inmitten der Dinge, die er sonst so verabscheut, helfen ihm seine Erklärungen nicht gegen seine Angst, aber das Gefühl nicht allein zu sein, "Ich war froh nicht allein zu sein, obschon eigentlich keinerlei Gefahr, sachlich betrachtet; das Wasser lief ab. Wir schliefen nicht eine Minute. Wir hockten wie in der Sauna, nämlich ohne Kleider; es war unerträglich, das nasse Zeug auf dem Leib. Dabei war es, wie ich mir immer sagte, nur Wasser, kein Grund zum Ekel." (HF S. 69).

Kathrin Müller

II.3 Wandel der Einstellung

Nach der Begegnung mit Sabeth wird im Text eigentlich nur noch wenig von Natur gesprochen. Nur als Faber und Sabeth gerade eine Mondfinsternis erleben, merkt man, dass trotz vieler Erklärungen für das Phänomen es ihm nicht gelingt, sich dem "Zauber" zu entziehen, "Die bloße Tatsache, dass drei Himmelskörper, Sonne und Erde und Mond gelegentlich in einer Geraden liegen, was notwendigerweise eine Verdunkelung des Mondes verursacht, brachte mich aus der Ruhe, als wisse ich nicht ziemlich genau, was es mit einer Mondfinsternis auf sich hat." (HF S. 124). Von der Begegnung mit Sabeth auf dem Schiff an bis zu ihrem Tod durchläuft er den letzten Schritt seiner Wandlung. Je länger er sie kennt, desto stärker kommen jetzt auch seine Gefühle durch, die er verzweifelt zu unterdrücken versucht, indem er sich ausredet beim Zustandekommen dieser Beziehung nichts dafür getan zu haben. Dieser Durchbruch wird deutlich, wenn er Sabeth von Joachims Tod erzählt, "Als wir ihn fanden, wie gesagt, spielte sein Radio. Nicht laut. Zuerst meinten wir noch, es spreche jemand im anderen Zimmer drüben, aber da war kein anderes Zimmer drüben, mein Freund lebte ganz allein, und erst als Musik folgte, merkten wir, dass es Radio sein mußte, natürlich stellten wir sofort ab, weil unpassend, weil Tanzmusik ." (HF S. 84).
Am Ende, nachdem Sabeth gestorben ist und er selbst krank und alt wird, versucht er die Realität, dass die Technik den Tod nicht besiegen kann, zu leugnen oder zumindest nicht wahrzunehmen . Im Text sind neben Seite 124 und 169 (HF) auch noch weitere Stellen, die ein solches "Auflehnen" gegen die eigenen, lange Zeit unterdrückten und nun durchbrechenden Gefühlen beschreiben, an denen er seine einst heile Welt des Technikers wiederbeleben will, "Es war das erste Mal, dass ich die Filme selber sah (alle noch ungeschnitten), gefaßt, dass es von Wiederholungen wimmelt, unvermeidlich; ich staunte, wieviel Sonnenuntergänge, drei Sonnenuntergänge allein in der Wüste von Tamaulipas, man hätte meinen können, ich reise als Vertreter von Sonnenuntergängen, lächerlich; ich schämte mich geradezu vor dem jungen Techniker, daher meine Ungeduld." (HF S. 186).

Marc Wachowski

III. Ausdrucksweise – Veränderung der Sprache

In Fabers Sprache finden sich mehrere Merkmale, die den Leser am Bild des Technikers zweifeln lassen.
"Wenn man die Sprache der Erzählfigur betrachtet, fällt auf, dass sie eine "Rollensprache" ist, die Sprache eines Menschen, der sich mit dem Bild des Technikers identifiziert"
(Knapp S. 59). "Die Mortalität bei Schlangenbiß (Kreuzotter, Vipern aller Art) beträgt drei bis zehn Prozent." (HF S. 130). Neben der Rolle des Technikers, an der Faber entschlossen festhält, deutet seine Sprache noch auf einen weiteren charakteristischen Bezirk hin: den der Verwaltung bzw. der Bürokratie: Nicht allein das wissenschaftlich-technische prägt Fabers Stil; vielmehr erinnert eine Anzahl von Eigenschaften an die Verwaltungssprache – und damit an Fabers Position als leitender Angestellter.
Faber legt sehr viel Wert auf Genauigkeit, doch benutzt er Sätze, die das Nicht-Wissen seines Handelns ausdrücken. Bei der Zwischenlandung in Houston notiert er z.B. "Ich weiß nicht, wieso ich mich eigentlich versteckte. Ich schämte mich; es ist sonst nicht meine Art, der letzte zu sein" (HF Seite 13). Faber weiß nicht, warum er nicht nach Mexico-City zurückfliegt, obwohl er sehr entschlossen war (HF Seite 35). Sein Nicht-Wissen bezieht er auch auf Hanna, wie z.B. auf HF Seite 133, wo er sagte: "Ich wußte nicht, was denken" und auf HF Seite 149, wo er vor Hannas verschlossener Tür steht und sie weinen hört: "Ich (...) wußte nicht, was ich denken sollte."
Faber benutzt auch die Technik der Verneinung von Sachverhalten. Die Erlebnishaftigkeit der nächtlichen Wüste von Tamaulipas (HF S. 24 f.) verneint er, tut dies sehr bilderreich, dass der Leser die Veränderungsabsicht erkennt: Faber verdrängt Gedanken und Gefühle, wenn sie für ihn zu bedrohlich werden.
Die Erzählform im ganzen Buch ist meist die Ich-Form. Treten plötzlich Probleme auf, die Faber nicht verarbeitet hat, benutzt er unpersönliche Formen wie "man" oder auch einfach den Plural. Die meisten auffälligsten Sätze findet man am Ende der Schiffsreise, wo er über sein Verhalten zu Frauen redet: "Manchmal wird man weich, aber man fängt sich wieder", "Man macht schlapp!", "Man kann sich nicht selbst Gutnacht sagen"(HF S.92 f.).
Das Scheitern von Fabers Versuch, den irrationalen Bereich zu unterdrücken, lässt sich auch daran erkennen, dass in seiner nüchternen Sprache plötzlich Vergleiche auftauchen, die Ausdruck dieser Haltung sind. Beim Abflug in New York tritt ein Schneesturm auf und zerstört das technische Weltbild Fabers. Er schreibt: "Man kam sich wie ein Blinder vor" (HF Seite 7). Vor der Notlandung überfliegt er Sümpfe und dort möchte er sich durch Verfremdung der Naturerscheinungen ins Technische entziehen.. Er bemerkt: "Die Sümpfe teilweise grün und dann wieder rötlich, Lippenstiftrot (...) wo die Sonne spiegelt, glitzert es wie Lametta beziehungsweise wie Stanniol, jedenfalls metallisch, dann wieder himmelblau und wässerig (...) Flecken wie violette Tinte, finster, vermutlich ein Unterwassergewächs (...)" (HF Seite 18).
Außer den Merkmalen, die Gefühlsabwehr und -unterdrückung beschreiben, treten nun, je stärker Fabers Verunsicherung wird, immer mehr Gefühls und -Erlebnismerkmale auf. In Hannas Wohnung z.B. erinnert er sich:
"Die Via Appia -
Die Mumie im Vatikan -
Mein Körper unter Wasser -"
(HF S. 136)
Der Aufenthalt in Kuba beschreibt auch viele Eindrücke Fabers: "Alles wie im Traum -(...) Meine Freunde- (...) Sonnenuntergang-(...) Meine Begierde -(...) Seine Zähne - Seine junge Haut" (HF S. 172 ff.)
Diese Phase seines Lebens nimmt Faber, sehr bewusst war. Seine Haltung zu sich selbst und seinem Leben gegenüber verändert sich schon auf der Südeuropareise mit Sabeth. Beide spielen ein Vergleichsspiel: "Ein Saumpfad zwischen Felsen hinauf, steinig, staubig, daher im Mondlicht weiß wie Gips." Sabeth findet: "Wie Schnee!" Sie einigen sich: "Wie Joghurt!" Fabers Vergleiche sind eher aus dem Bereich des Technischen, Sabeths dagegen aus dem Poetischen.
Beim Kuba -Aufenthalt tut sich Faber zuerst noch schwer mit der neuen Bildersprache. Er beschreibt am Anfang alles noch sehr vorsichtig: "Die Neger- Spanierin, die mir ihrer Zunge herausstreckt (...) ihre Rosa- Zunge im braunen Gesicht (...) ihr weißes Gebiß in der roten Blume ihrer Lippen (wenn man so sagen kann)" (HF S. 172).
Beim zweiten Treffen auf die Neger- Spanierin sieht man schon einen Unterschied zum ersten. Er läßt den Vorbehalt weg und notiert: "die rote Blume ihrer Münder" (HF S. 179). Fabers Stil ist jetzt schon sehr weit entfernt von dem des Technikers. Er benutzt sogar poetische Vergleiche, die sonst nur Sabeth machte: "Die nackten Rücken sind gerade so dunkel wie der Schatten unter den Platanen (HF S. 174), die Spritzer über dem Pflaster, wie ein plötzliches Beet von Narzissen" (HF S.174). Fabers neue Sprache zeigt, dass er sich bemüht, seine Distanz zum Leben und der Natur gegenüber aufzugeben und sich nun, schon vom Tode gezeichnet, dem Leben zuzuwenden.

Miriam Schneider

IV. Literatur

Frisch, Max, Homo Faber, Frankfurt am Main 1957
Hain, Hildegard, Max Frisch: Homo Faber, München 1995
Knapp, M und G.P., Max Frisch: Homo Faber, Frankfurt am Main 1987



obenKlasse 11-3 mit Ulrich Schulz Datum: Mai 99. Letzte Änderung am  30. Januar 2000
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