Das Quadrat - kunstgeschichtlich betrachtet

Die Bedeutung des Quadrats in der Kunstgeschichte ermisst sich im Wesentlichen aus der des „Goldenen Schnitts“. Dieses Streckenverhältnis entwickelte Euklid um 300 v.Chr. Es bildete später die Grundlage der griechischen Malerei, Plastik und Architektur. Im Mittelalter hielt man den „Goldenen Schnitt“ gar für göttlich; er war die Verkörperung der vollkommenen Schöpfung; in der Renaissance stellte er die göttliche Logik dar. Danach verschwand er als Grundlage der Kunst für einige Zeit, wurde in der 20er Jahren unseres Jahrhunderts jedoch in abstrakten Gemälden von Piet Mondrian aus den Niederlanden wiederbelebt.

Der „Goldene Schnitt“ ist deshalb so interessant für die Malerei, weil er nicht nur Vollkommenheit und Ordnung verkörpert, sondern auch eine erstaunliche Dynamik erzeugen kann: teilt man alle Seiten eines „Goldenen Rechtecks“ an jeweils zwei Stellen, so erhält man neun Rechtecke. Zieht man nun so viele Diagonalen wie möglich, so ergibt sich ein komplexes Geflecht. Würde man dieses Muster nun auf ein Bild anwenden, in dem man möglichst viele Gegenstände an Schnittpunkten oder auf den Geraden anbringt, ergäbe sich ein zusammenhängendes Formgefüge, das Vitalität und Räumlichkeit erzeugt. Im folgenden Beispiel ist diese Wirkung anschaulich aufgezeigt