Geometrische Formen in der Proportionslehre des Menschen

Besondere Anwendung finden geometrische Formen in der Kunst, wenn es um die Betrachtung der menschlichen Proportionen geht. In der Vergangenheit gab es eine Vielzahl von Künstlern, die auf unterschiedliche Arten den menschlichen Körper nach bestimmten geometrischen Gesichtspunkten einzuteilen wussten. Sie alle entwickelten Schemata, die als Hilfestellung dienen sollten und an denen sich die Künstler selbst bei ihrer Arbeit orientierten.
Eines der bekanntesten Beispiele ist sicherlich das Werk von Leonardo da Vinci; seine Proportionsstudie „Die Proportionen der menschlichen Figur“, die um 1490 entstanden ist, ist eine solche Unterteilung der menschlichen Statur nach geometrischen Gesichtspunkten. Leonardos Zeichnung basiert auf der Proportionslehre, die der römische Architekt Vitruv um 27 v.Chr. entwickelt hat. Seine Beschreibung von Längenverhältnissen des Menschen sollte der Konstruktion von Gebäuden, Plastiken und Gemälden dienen.

Liegt ein Mensch flach und mit ausgestreckten Armen und Beinen auf dem Boden und zieht man dann einen Kreis vom Bauchnabel aus um ihn herum, so berühren seine Gliedmaßen die Kontur dieses Kreises. Mit seitlich ausgestreckten Armen im Winkel von 90 Grad und dicht nebeneinander gestellten Füßen berühren die jeweils äußeren Enden seines Körpers die vier Geraden eines Quadrats. Untereinander sind die Körperteile der Figur ebenfalls in ein bestimmtes Schema eingeteilt. Ihre Verhältnisse zueinander folgen denen des „Goldenen Schnitts“.
Da Vinci teilt den Menschen also in zwei Hauptformen ein: den Kreis und das Quadrat. Da Vinci war jedoch nicht der einzige Künstler, der eine derartige Einteilung vornahm. Albrecht Dürer studierte die Abhandlungen von Vitruv sowie die Proportionsstudien von Da Vinci und entwickelte auf dieser Grundlage eine eigene Studie.