Schüler interviewen HAWOLI

"Was weiß ich, was ich morgen mache?!"

Friederike: Warum haben Sie gerade das Leitthema "Natur-Kultur" für Ihre Arbeiten gewählt?

HAWOLI: Wenn man aus dem Ruhrgebiet in einen relativ kleinen Ort wie Neuenkirchen in der Lüneburger Heide kommt, dann wird man zwangsläufig mit dem Thema Natur konfrontiert. Dazu kommt natürlich auch die gesellschaftliche bzw. politische Entwicklung, kurz gesagt die Kultur. Und genau hier liegt für mich ein wesentlicher Aspekt meiner Arbeit: das Streben nach Harmonisierung, nach Ausgleich dieser beiden Seiten. Darum versuche ich immer, die Kräfte Natur und Kultur in Balance zu halten.

Friederike: Also bewegt Sie das Thema Natur auch?

HAWOLI: Ja, natürlich. Es ist für mich allerdings auch ein politisches Thema.

Anna: Wodurch lassen Sie sich inspirieren?

HAWOLI: Meistens durch meine jeweils letzte Arbeit. Diese provoziert die nächste durch Veränderung.
Friederike: Konzipieren Sie Ihre Projekte ausschließlich für den öffentlichen Raum oder auch für Innenräume?

HAWOLI: Dadurch, dass ich nur wenige kleine Arbeiten habe, konzentriere ich mich natürlich zwangsläufig auf den öffentlichen Raum. Sicherlich gibt es auch ein paar Arbeiten, die sich für geschlossene Räume eignen, aber für den Schreibtisch habe ich zum Beispiel noch nichts.

Anna: Entwerfen Sie Skulpturen für einen bestimmten Ort, oder suchen Sie diesen erst nach der Fertigstellung aus?

HAWOLI: Ich entwerfe immer dann für einen bestimmten Ort, wenn es sich um eine Auftragsarbeit handelt, um einen Wettbewerb, oder wenn ich etwas für eine Ausstellung erarbeite.

Anna: Und welche Kriterien legen Sie bei Ihrer Auswahl zu Grunde?

HAWOLI: Ich muß mich eben auf die entsprechenden Orte einstellen.

Friederike: Hat der Umzug aus dem Ruhrgebiet in die Lüneburger Heide Ihre Projekte beeinflußt?

HAWOLI: Meine Arbeiten haben sich durch den Umzug entscheidend verändert! Ich habe im Ruhrgebiet mit Kunststoffen gearbeitet, und hier habe ich den Kunststoff nicht mehr angefaßt. Zuerst habe ich hier ausschließlich mit natürlichen Materialien gearbeitet. Mittlerweile kombiniere ich diese jedoch auch mit Stahl - aber der ist im ländlichen Raum ja auch schon fast ein Naturmaterial. Und natürlich hat mich die Landschaft beeinflußt.

Anna: Hat Sie die Umgebung hier auch eingeschränkt?

HAWOLI: In gewissem Sinne schon, aber das ist eher eine freiwillige Selbsteinschränkung. Zu Anfang habe ich mit Findlingen gearbeitet, also ausschließlich mit Material aus dieser Gegend. Dann habe ich die Steinpalette erweitert, allerdings eher aus praktischen Gründen.

Anna: Warum haben Sie sich für den Materialwechsel entschieden?

HAWOLI: Weil das Material, das man hier finden kann, ein ganz anderes ist als im Ruhrgebiet. Ich habe nur das Material verändert, nicht aber meine Ideen. Aber innerhalb der Veränderung des Materials entwickeln sich die Ideen natürlich weiter.

Friederike: Wollen Sie in Zukunft bei der Kombination von Stein und Stahl bleiben, oder möchten Sie auch mal wieder was anderes machen?

HAWOLI: Was weiß ich, was ich morgen mache? Da bin ich offen.

Friederike: Was halten Sie denn von unserem Projekttitel "Die Natur als Erfindung des Menschen", mit dem unsere Schule EXPO-Schule geworden ist?

HAWOLI: Das Thema finde ich sehr gut. Vor allem, weil mich das Thema in meiner eigenen Arbeit auch immer wieder berührt. Die Erfindung der Natur durch den Menschen ist doch eine ganz reale Angelegenheit. Immerhin hat die Natur für uns Menschen im Laufe unserer Geschichte viele zum Teil widersprüchliche Bedeutungen gehabt - von den Paradiesvorstellungen in der Romantik bis hin zum Feindbild bei Naturkatastrophen. Und selbst in unserer modernen Zeit lassen sich diese Widersprüche immer noch feststellen: Die einen verherrlichen die Natur, andere nutzen sie schamlos aus. Und auch ich selbst bin nicht ganz frei von diesen Widersprüchen, denn genau vor diesem Hintergrund entstehen meine Arbeiten.

Anna: Herr HAWOLI, wir danken Ihnen für dieses Gespräch !