Mario Merz

Mario Merz wurde 1925 in Mailand geboren.Der heute 73-Jährige ist mit der Künstlerin Maria Merz verheiratet und lebt mit ihr gemeinsam in Turin. Merz ist vor allem durch seine Iglus aus Glasscherben, Schiefer und Reisig bekannt geworden(1985 Züricher Kunsthaus : Merz' " citta irreale" ). Typisch für seine Werke sind Spiralen, Tische und Neonröhren. Sie verbinden Skepsis gegenüber dem technischen Fortschritt mit dem Glauben an die Gesetze der Natur. Merz versucht, Gegenmodelle zum unaufhaltsamen Fortschritt der Technik zu kreieren.

Merz studiert zunächst Biologie.Die Bürokratie der Universität beginnt jedoch schon bald,ihn zu langweilen. Ungefähr in dieser Zeit fängt er an zu malen.
Es ist ein fließender Übergang und keine Zäsur hin zur künstlerischen Laufbahn. Auch später besucht er nie eine Kunsthochschule oder Ähnliches .

1954 hat er seine erste Ausstellung mit mäßigem Erfolg.
Als in den 50er Jahren Maler ihre seelischen Zustände in abstrakten Gesten auf die Leinwand bringen, will er sich "nicht mit der Sicht auf die Innen- welten des Malers" begnügen, sondern mit kräftiger und zugleich nüchterner Ölmalerei die "Welt des Künstlers auf den realen Raum ausweiten". Zu dieser Zeit fängt er an, seinen Farben Sand und kleine Steine beizumischen. Nach eher flüchtigem Interesse für abstrakten Expressionismus praktiziert er einen Realismus mit so banalen Motiven wie "Schienenschweißer", "Tankwart" und "Bauer".
1966/67 durchbohrt er alle möglichen Gegenstände, wie Regenmäntel, ein Auto, Flaschen und sogar einen Nachttopf mit Neonröhren. Später deutet er selbst dies als "Anstrengungen zur Befreiung aus einer Art Taucheranzug, der die Malerei damals war".
1967 wird er Mitbegründer der "Arte Povera": Von der Wohlstandsgesellschaft ausrangierte, verdrängte Materialien sollen neu erforscht werden. Dies ist eine radikale Protesthaltung junger europäischer Künstler, die versuchen, ein Gegen- gewicht zur amerikanischen Pop-Art zu schaffen. Dabei beweist er sowohl Ein- fallsreichtum als auch Hartnäckigkeit.
1968 schichtet er erstmals Iglus aus mit Ton gefüllten Plastiksäckchen auf. 1969 fällt ihm die Zahlenreihe von Fibonacci auf, die die Grundlage für viele Spiralen-Prinzipien darstellt. Seit den 70er und 80er Jahren erscheint sie sowohl in seinen Bildern als auch mit Vorliebe in Gestalt von Tischskulpturen. 1976 beginnt Merz nach 15 Jahren Pause wieder zu malen. "Der aufmerksame Hund" oder auch "Hund mit Aufmerksamkeit und Symphatie", wie er sein Werk genannt hat, ist die erste bildliche Darstellung seit langem und steht auch heute noch in seiner Wohnung in Turin. 1976 entsteht auch seine vielleicht schönste aber auch aufwendigste Tisch-Skulptur im leerstehenden Gefängnisbau von Pescara. Sie ist mit Steinen, Gläsern und reifen Erntefrüchten dekoriert und windet sich durch alle Korridore des Baues.
1983 wird Merz von der österreichischen Oskar-Kokoschka-Preis-Jury als wichtigster italienischer "Künstler der Gegenwart mit internationalem Einfluß" betitelt.
1985 hat er seine wohl erfolgreichste Ausstellung, die "citta irreale" im Kunst- haus in Zürich. Dies ist der Höhepunkt seiner Karriere.