Archiv: Diese Seiten werden nicht mehr bearbeitet!
Exposystem Johanneum zur EXPO 2000 Alphabetischer Index unten
Die Natur als Erfindung des Menschen
Geisteswissenschaften   Lyrik-Malerei

Natur und Stadt in Lyrik und Malerei, ein Projekt in Deutsch und Kunst, Klasse 10 F 1 Frühjahr 1999

2.3. - 10. Std.

Als letzte Gruppe von Gedichten besprachen wir die expressionistischen Berlin- bzw. Stadtgedichte, als erstes das im Lesebuch "Arbeit mit Texten" aus dem Schroedel Verlag abgedruckte Gedicht von Georg Heym "Der Gott der Stadt".

Georg Heym, Der Gott der Stadt

Auf einem Häuserblocke sitzt er breit.
Die Winde lagern schwarz um seine Stirn.
Er schaut voll Wut, wo fern in Einsamkeit
Die letzten Häuser in das Land verirrn.

Vom Abend glänzt der rote Bauch dem Baal,
Die großen Städte knien um ihn her.
Der Kirchenglocken ungeheure Zahl
Wogt auf zu ihm aus schwarzer Türme Meer.

Wie Korybanten-Tanz dröhnt die Musik
Der Millionen durch die Straßen laut.
Der Schlote Rauch, die Wolken der Fabrik
Ziehn auf zu ihm, wie Duft von Weihrauch blaut.

Das Wetter schwelt in seinen Augenbrauen.
Der Dunkle Abend wird in Nacht betäubt.
Die Stürme flattern, die wie Geier schauen
Von seinem Haupthaar, das im Zorne sträubt.

Er streckt ins Dunkel seine Fleischerfaust.
Er schüttelt sie. Ein Meer von Feuer jagt
Durch eine Straße. Und der Glutqualm braust
Und frisst sie auf, bis spät der Morgen tagt.

Nach dem Vorlesen durch die Lehrerin und dem Sammeln der ersten Eindrücke wurde schon deutlich, dass die Darstellung des Gottes und das Verhältnis zwischen Menschen und Gott genau besprochen werden mussten und dass die wachsende Industrialisierung in einer Großstadt in besonderer Weise behandelt wird. Analysiert wurden Metaphern und Personifizierungen. Besonders auffällig war den SchülerInnen die widersprüchliche Reaktion der Menschen, ihr Schwanken zwischen Anbetung und Angst. Auch wurde bewusst, dass nicht von Individuen, sondern von Massen gesprochen wurde. Dies wurde im Laufe der Besprechung als Leitmotiv der Stadtgedichte festgehalten.

Zum Schluss hielten wir die Interpretationsthesen ungeordnet an der Tafel fest und überlegten uns eine sinnvolle Reihenfolge. Somit hatten die SchülerInnen eine Gliederungr für den Hausaufsatz und ein methodisch sinnvolles Vorgehen für die zu schreibende Klassenarbeit erarbeitet. Anhand der Heymbiografie sollten sie herausfinden, ob eine bestimmte Stadt gemeint ist. Es wurde Berlin genannt.



obenKlasse 10 F1 Gisela Müller  Rolf Wyrwas  Datum: Mai 99. Letzte Änderung am 08. August 2002
Exposystem [Geisteswissenschaften] [Lyrik-MalereiÜberblick [Dokumentationsteam] [Email s.Ueberblick] [Deutsch] [Kunst]Informationssystem