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Die Natur als Erfindung des Menschen
Geisteswissenschaften   Lyrik-Malerei

Natur und Stadt in Lyrik und Malerei, ein Projekt in Deutsch und Kunst, Klasse 10 F 1 Frühjahr 1999

5.3. - 11. Std. und 8.3. - 12. Std.


Das Beispiel eines Hausaufsatzes sei mitgeteilt.

Untersuche die Darstellung der Stadt!

In dem Gedicht "Der Gott der Stadt" von Georg Heym ist die Hauptperson der Baal, der als Dämon dargestellt wird. Dieses geschieht durch die Farbe "Schwarz", die hier als Symbol für das Böse steht, durch das Feuer und durch seine übermächtige Größe. Der Leser erhält die Vorstellung eines sichtbaren Gottes.
Außerdem werden die großen Städte personifiziert, wie z.B. an der Stelle "sie knien um den Baal". Aus dieser Personifikation kann man die Anbetung erschließen, die auch durch den Vergleich des Rauchs mit Weihrauch (Euphemismus) und auch durch die Metapher "die Zahl der Glocken wogt aus der Türme Meer" deutlich wird.
Aus der Personifikation "knien" kann aber auch auf eine Unterordnung der Städte geschlossen werden, zum Teil wegen der Macht des Baals, ausgedrückt in seiner Riesengröße, da der Häuserblock ihm als Thron dient, zum Teil dadurch, dass er mit seinem Blick, Haar, seiner Fleischerfaust und seiner Stirn das Wetter beeinflussen kann.
Anderseits kann die Unterordnung auch aus Angst geschehen, weil in dem Gedicht die Wut Baals dargestellt wird, einmal in der Metapher "ein Meer von Feuer", zum anderen durch seine Faust.
In diesem Gedicht kommen die Menschen nur verallgemeinert durch Zahlen ("Millionen") vor.

Nach der Besprechung einer Hausaufgabe und der Vervollständigung der Argumentation wendeten wir uns dem Gedicht "Blauer Abend in Berlin" von Oskar Loerke zu.

Oskar Loerke, Blauer Abend in Berlin

Der Himmel fließt in steinernen Kanälen;
Denn zu Kanälen steilrecht ausgehauen
Sind alle Straßen, voll von Himmelblauen;
Und Kuppeln gleichen Bojen, Schloten Pfählen.

Im Wasser. Schwarze Esensdämpfe schwelen
Und sind wie Wasserpflanzen anzuschauen.
Die Leben, die sich ganz im Grunde stauen,
Beginnen sacht vom Himmel zu erzählen,

Gemengt, entwirrt nach blauen Melodien.
Wie eines Wassers Bodensatz und Tand
Wie eines Wassers Wille und Verstand

Im Dünen, Kommen, Gehen, Gleiten, Ziehen.
Die Menschen sind wie grober bunter Sand
Im linden Spiel der großen Wellenhand.

Mit einem Tafelanschrieb wurde die Analogie Stadt - Meer in allen Einzelteilen klargestellt, die "Masse Mensch" in dem Vergleich "wie grober bunter Sand" wiedererkannt. Ein Schwerpunkt war die Formanalyse, da der Fachbegriff Sonett eingeführt werden sollte. Besondere Schwierigkeiten hatten die SchülerInnen zum wiederholten Male mit der Versmaßbestimmung.



obenKlasse 10 F1 Gisela Müller  Rolf Wyrwas  Datum: Mai 99. Letzte Änderung am 08. August 2002
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