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Die Natur als Erfindung des Menschen
Geisteswissenschaften   Goethe: Faust


Aula - Café zum Goethejahr , ein Projekt des Leistungskurses Deutsch, Jg. 12, 11.2.99
Goethes Farbenlehre

GoethesDas Urphänomen der Farben

„Im zweiten Teil beschäftigen wir uns mit der Enthüllung der Newtonischen Theorie, welche einer freien Ansicht der Farbenerscheinungen bisher mit Gewalt und Ansehen entgegenstanden; wir bestreiten eine Hypothese, die, ob sie gleich nicht mehr brauchbar gefunden wird, doch noch immer eine herkömmliche Achtung unter den Menschen behält. Ihr eigentliches Verhältnis muß deutlich werden, die alten Irrtümer sind wegzuräumen, wenn die Farbenlehre nicht, wie bisher, hinter so manchem anderen, besser bearbeiteten Teilen der Naturlehre zurückbleiben soll."

S. 317, Z.19 bis 28 (J. W. v. Goethe)

Goethes Ausgangsposition war deshalb eine andere als die der physikalischen Ordnung Newtons. Newton untersuchte das klare Licht, indem er es durch eine Konvexlinse auffing und es dann durch ein Prisma brach, sodass die Lichtfarben zu sehen waren. Goethe verstand das Licht nicht im Sinne Newtons, sondern:

„Das Licht ist das einfachste, unzerlegteste, homogenste Wesen, das wir kennen. Es ist nicht zusammengesetzt – am allerwenigsten aus farbigen Lichtern."

Deshalb betrachtete Goethe das Licht direkt durch das Prisma sehend, seine Formen und die Grenzen an den Formen, insbesondere die Grenzen zwischen Schwarz und Weiß. Goethe kam es im Gegensatz zu Newton, welcher mit seiner Analyse den Weg für quantitative Bestimmungen freilegte, auf die qualitative Seite der Phänomene, auf das Konkrete, Sinnhafte der Farben, d.h. die Ästhetik, an.

Goethe hat jahrzehntelang in dem Gebiet der Naturwissenschaft geforscht. Im Mittelpunkt standen immer die Farben. Nach Goethe ist die Natur von Gegensätzen bestimmt, z. B. Licht und die Finsternis. Die farbigen Erscheinungen sind für ihn das Ergebnis eines ständig stattfindenden Kampfes zwischen Licht und Finsternis. Weiß und Schwarz setzt er mit Licht und Finsternis gleich. Alle anderen Farben liegen dazwischen, sie enthalten Anteile von Licht und Finsternis.

Versuch 1

Experiment mit Farbkreisel

Macht man das Experiment mit dem drehenden Farbkreisel, kann man sehr schön den Effekt beobachten, den Goethe als Kampf zwischen Licht und Finsternis und somit als Ursprung aller Farben beschreibt.

Auf dem Kreisel befinden sich lediglich weiße und schwarze Flächen. Dreht man nun diesen Kreisel, so entstehen die Farben grün und rot. Damit wäre gezeigt, warum Goethe auf seine Vermutungen kam, daß diese Farben aus dem Kampf zwischen Licht und Finsternis entstehen.

Nach heutigem Verständnis kommt dieser Effekt nur durch die Trägheit der Netzhaut zustande.

Den gleichen Versuch kann man auch mit einem schwarzen Buchstaben auf weißem Hintergrund machen. Dabei ist die eine Hälfte des Blattes mit einen schwarzen Buchstaben versehen, die andere bleibt weiß. Nun hält man das Papier so, daß eine Lichtquelle es optimal anleuchtet und konzentriert sich auf den Buchstaben etwa zwei Minuten lang. Dann richtet man seinen Blick auf die weiße, freie Seite des Blattes; dort wird man jetzt den gleichen Buchstaben in Rot, Blau, Grün etc. sehen. Die Lichtquelle muß nur stark genug gewesen sein.

Das Abendrot und das Himmelsblau sind für Goethe von grundlegender Bedeutung. Diese Erscheinungen sind Phänomene, weil sie mit den Sinnen wahrgenommen werden.

Nach Goethes Meinung läßt sich die Natur aus wenigen einfachen Phänomenen erklären. Die Vielfältigkeit dieser Phänomene in der Natur kann man auf sogenannte „Urphänomene" zurückführen. So glaubte Goethe z. B. die „Urpflanze" entdeckt zu haben, deren Bauprinzip sich in allen anderen Pflanzen widerspiegelt.

In der Farbenlehre sind die „Urphänomene" das Abendrot und das Himmelsblau.

Goethe definiert Farbe so:

„Die Farbe sei ein elementares Naturphänomen für den Sinn des Auges, das sich, wie die übrigen alle, durch Trennung und Gegensatz, durch Mischung und Vereinigung, durch Erhöhung und Neutralisation, durch Mitteilung und Verteilung usw. manifestiert und unter diesen allgemeinen Naturformen am besten angeschaut und begriffen werden kann."

S. 324 Z. 35 bis 39, S. 325, Z. 1 und 2 ( J. W. v. Goethe)

Erklärt werden kann die Entstehung der bunten Farben mit folgendem Versuch:

Bringt man vor ein weißes Licht eine schwache Trübung, so verdunkelt sich das Licht und das selbige nimmt eine gelbe Färbung an. Durch Verstärkung der Trübung wird das Gelb dunkler, wandelt sich von einem Orange zu einem Tiefrot. Ein Beispiel für eine beleuchtete Trübung ist die Atmosphäre, die von der Sonne getrübt wird. Da das Weltall schwarz ist, erscheint uns der Himmel blau. Je weiter man in der Atmosphäre steigt, desto dunkler wird der Himmel.

„Wird die Finsternis des unendlichen Raums durch atmosphärische, vom Tageslicht erleuchtete Dünste hindurch angesehen, so erscheint die blaue Farbe."

S. 363, Z. 20 bis 23 ( J. W. v. Goethe)

Ein weiters Beispiel ist Rauch, der vor dunklem Hintergrund ebenfalls bläulich erscheint. Für Goethe sind die Grundfarben Gelb und Blau. Rot und Violett nur eine Steigerung jener.

Das „Urphänomen" der Farben läßt sich so zusammenfassen:

Dunkles vor hellem Hintergrund ergibt Gelb. Je mehr Finsternis dabei zur Geltung kommt, desto röter wird das Gelb, bis hin zu einem vollen Rot.

Helles vor dunklem Hintergrund ergibt Blau. Wenn die Finsternis dabei geschwächt wird, wird Violett erzeugt.

Die übrigen Farben erklärte Goethe durch das Zusammenwirken der Grundfarben.

Versuch 2

 
Abendrot
Abendrot

Experiment zur Entstehung bunter Farben


Zu diesem Versuch benutzen wir ein Wasserbecken, eine Lampe und etwas Kondens milch. Vor dem gefüllten Wasserbecken wird die Lampe so aufgestellt, daß ihr Licht durch das Wasser alle Lichtfarben hindurchläßt. Nun wird nach und nach Goethes Trübung bzw. unsere Kondensmilch in das Wasser gegeben . Das weiße Licht wird zusehends gelblicher, da die Milch vermischt mit dem Wasser die blaue Lichtfarbe zur Seite streut und nur das gelbe geradlinig weiter laufen läßt. Je mehr Kondensmilch man nun hinzu gibt, desto mehr wird das blaue Licht zur Seite gestreut und das gelbe nimmt immer mehr eine leicht rotstichige Farbe an bis hin zum Abendrot. Beobachtet man nun die Farben im Wasser, so bemerkt man auf der linken eine Gelbliche bis orangene Färbung der Flüssigkeit.

Abendrot
Abendrot

Deshalb kam Goethe mit einem ähnlichen Versuch auf die Urphänomene des Abendrots und Himmelblau. Ähnliche Effekte gibt es in der Atmosphäre und bei Zigarettenrauch.

Copyright by Samuele Macari und Christoph Mädge 15.11.1998.



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