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5. Die Sage vom Holländer - Michel

Peter verließ den Tannenbühl und kam in eine noch dunklere Ecke des Waldes. Er sah den Rauch einer Hütte und trat bei Holzfällern ein. Draußen im Wald hörte man den Sturm. Oft sah es so aus, als ob die Bäume knicken würden. Die furchtlosen Jungen wollten jetzt in den Wald gehen. Aber ihr Großvater sah die Jungen mit strengen Blicken an. Er sagte: ,,Ich will nicht, daß einer von euch in den Wald geht. Draußen wartet der Holländer-Michel." Die Jungs schauten den alten Mann verwundert an. Sie hatten schon mal vom Holländer-Michel gehört. Nun baten sie den Alten seine Geschichte zu erzählen. Auch Peter Munk hörte von dem Holländer-Michel auf der anderen Seite des Waldes sprechen. Peter fragte den Alten: ,,Wer und wo ist Michel ?"

Der Alte antwortete: ,,Ich möchte euch was erzählen. Vor hundert Jahren gab es kein besseres Volk als die Schwarzwälder. Aber seit die Leute so viel Geld haben, sind sie schlecht. Die jungen Burschen tanzen. Sie fluchen: Der Holländer-Michel sei an allem Schuld.

Es lebte vor hundert Jahren drüben ein reicher Holzherr. Sein Geschäft lief gut. Denn er glaubte an Gott. Eines Abends kam ein Mann an die Tür. Seine Kleidung war wie die der Schwarzwälder. Der Mann war aber riesengroß. Er bat um Arbeit. Der Holzherr sagte sofort zu. Denn der Mann war stark. Er hackte das Holz wie drei Männer. Es war Michel. Eines Tages ging Michel zu seinem Herren: "Ich habe lange genug Holz gehackt. Ich möchte auch mal auf dem Floß fahren und sehen, wohin das Holz kommt." Der Herr antwortete: "In Ordnung. Wenn du in die weite Welt willst, dann geh."

Am Abend zuvor brachte Michel noch acht lange Balken ans Wasser. Als der Herr die Balken sah, freute er sich. Und er rechnete aus, wieviel Geld er wohl für die Balken kriegen würde. Michel aber sagte: "Die sind für mich. Für das Floß."

Der Herr wollte Michel ein paar Stiefel schenken. Michel aber warf sie weg. Dann holte er ein paar Riesenstiefel heraus, die hundert Pfund schwer und fünf Fuß lang waren. Michel stieg mit den anderen auf das Floß und setzte es in Bewegung. Machte der Neckar eine Kurve, so sprang Michel ins Wasser. Er lenkte das Floß sicher durch den Fluß. Schneller als sonst erreichten sie Köln. Hier verkauften die Schwarzwälder ihre Ware immer. Aber Michel sagte: "Glaubt ihr wirklich, die Kölner brauchen das ganze Holz? Nein! Ihr verkauft es nur zum halben Preis, sie verkaufen es dann teurer. Ich verkaufe die kleinen Balken hier. Mit den großen gehe ich nach Holland. Der Gewinn ist für uns." Nur ein Flößer war redlich und mahnte alle, den Holzherren nicht zu betrügen. Aber keiner hörte auf ihn. So fuhr Michel mit seinen Kumpanen den Rhein bis nach Rotterdam hinab. Dort bot man ihm das vierfache des früheren Preises. Michel verkaufte sie an den Kapitän eines schlechteren Schiffes. Die großen Balken wurden sehr teuer bezahlt. Michel teilte einen Teil des Erlöses an den Holzherrn, die drei anderen Teile an die übrigen Männer. Wieder zurück im Schwarzwald waren alle froh. Sie sahen das viele Geld. Mit dem Geld kam das Böse über den Schwarzwald.

Als die Holzherren den neuen Handel entdeckten, verschwand Michel spurlos. Man sagt, daß er seitdem im Schwarzwald spuke und in Sturmnächten wie heute die dicksten Stämme fälle. Er flößt sie nach Holland, doch jeder Balken von ihm bringt das Schiff zum Sinken, das damit gebaut wird. Auch kann er Leute reich machen. Doch wehe den armen Seelen! Ich möchte nicht mit dem dicken Ezechiel, dem langen Schlurker oder dem Tanzbodenkönig tauschen."

Karsten

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obenKlasse 7L Web: Gisela Müller  Dr. Dörte Haftendorn  Datum: Mai 98. Letzte Änderung am 20. Oktober 1999
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