Archiv: Diese Seiten werden nicht mehr bearbeitet!
Exposystem Johanneum zur EXPO 2000 Alphabetischer Index unten
Die Natur als Erfindung des Menschen
Entartete Kunst   Deutsch  


Barlach: Konkrete Auswirkungen des Kunstverbot

Barlachs Verleger, R. Piper, erinnert sich an einen Besuch bei Barlach im Jahre 1934

"(...) Im Juni hatte ich mich wieder einmal nach Güstrow aufgemacht. Barlach stand an der Sperre. Er war sichtlich ein gutes Stück älter geworden. Wir aßen gleich am Bahnhof zu Mittag. Dann bestellte er ein Auto. Seit meinem letzten Besuch im Oktober 1928 hatten sich die Zeiten gewaltig verschlimmert. "Ich fahre jetzt nur noch im geschlossenen Auto nach Güstrow. Ich will mich dort nicht mehr sehen lassen. Soll es etwa einen Streit auf offener Straße geben?" Man hat Drohungen gegen ihn ausgestoßen: "Die Nazis rufen: Das ganze Judenhaus damit meinen sie mein Haus! muss ausgeräumt werden! Dabei ist weit und breit kein Jude. Nun, der Kreisleiter von Güstrow hat sich herbeigelassen, einstweilen jede Belästigung zu verbieten. Seit wann ist so etwas in Deutschland nötig ?"

(Aus: Reinhard Piper, Mein Leben als Verleger. Vormittag Nachmittag, München 1964, S.434)

1936 kulminieren die Restriktionen:
Brief von Ernst Barlach © Ernst und Hans Barlach Lizenzverwaltung Ratzeburg

"(...) Das alte Jahr, das böse Jahr, weg mit dem Scheusal in die Wolfsschlucht ! Hoffen wir auf ein besseres.-
Es kam viel zusammen, zum Bewussten und was Ähnliches, daran hing allerlei Sonstiges genug für diesmal.
Bald nach der abrupten Entfernung meiner Arbeiten aus der Akademie vor Eröffnung der Jubiläumsausstellung aber machte mir die Dichter-Abteilung der Akademie eine Reverenz in Form eines Schreibens als Geleit der Ankündigung einer "Werkhilfe". (...) Sonst steckt man mir hintenrum, daß mein Fall kein erfreulicher ist. (...)
Das ganze Jahr 36 habe ich keinen Auftrag gehabt und fast gar keine Einnahme. Die Abschreckung durch Theaterverbot in Altona, Beschlagnahme, ständige, ständige Hetze und Schliessung der Ausstellung in Hamburg, wo ich auch zwei kleine Stücke hatte, zuletzt der Rummel Akademie tut ihre Wirkung. Hanfsteangel hatte wohl die Absicht, eine kleine Bronze zu kaufen, aber ermusste wohl verzichten."

Brief an Reinhardt Piper, 26.12.1936 © Ernst und Hans Barlach Lizenzverwaltung Ratzeburg



obenAutoren: Klasse 10F2 Web: R. Bechstedt Datum: Frühjahr 98. Letzte Änderung am 02. Mai 2001
Exposystem [Entartete Kunst] [Deutsch] Überblick [Dokumentationsteam] [Email s.Ueberblick] Informationssystem