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Barlach und die Diffamierung seiner Werke, Quellen

Ernst Barlach, der ab 1910 in Güstrow lebte und arbeitete, erhielt im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern niemals direktes Berufsverbot.
Seine Schriften und Kunstwerke galten jedoch als "entartet" und wurden ab 1934 verstärkt von den Nazis aus Buchhandlungen, Kirchen und Kunstausstellungen entfernt; die Aufführungen seiner Stücke wurde verboten. Dies kam praktisch einem Berufsverbot gleich.

Ein frühes Zeugnis der Diffamierung Barlachscher Kunstwerke findet sich in der "Schweriner Zeitung"; der Autor dieses Zeitungsartikels bedient sich bei der Verurteilung der Kunstwerke der "gängigen" rassistischen und völkischen Aspekte nationalsozialistischer Kunstbetrachtung.

"(...) Niemand wird den Könner Ernst Barlach anzweifeln. Mit überrragender Virtuosität weiß er Stoff und Linien zu formen. Aber seine Art ist nicht unsere Art, sein Blut nicht unser Blut.
Wenn die Weltanschauung des Nationalsozialismus eine heroische ist, so sucht man etwas Gleiches oder auch nur Verwandtes bei Barlach vergeblich. Nichts Gleichklingendes finden wir da. Da nützt auch ein krampfhaftes äußerliches "Gleichschalten" nichts, jene heute so beliebte Lebensversicherung. (...) Barlach seinerseits beherrscht sein Material virtuos, und seiner Schnitzkunst wird niemand Monumentalität absprechen. Aber was er für Menschen gestaltet, das ist fremd : erdversklavte Massigkeit und Freude an der Wucht, der Schwere der Materie. Das sind keine mecklemburgischen Bauern, oh nein, diese schreiten ganz anders über die Erde als das Barlachsche Menschentum! (...) Immer nur das Unheroische, das Leben Verneinende, Herabsinkende, Herabziehende, Deprimierende, Erdgefesselte. Und man vergleiche einmal damit einige der Figuren vom Bamberger Dom, Naumburger Dom, Sraßburger Münster ! Welch weltenweiter Unterschied! Und zwar Unterschied in der inneren Haltung. Und doch hat man vor kurzem erst einmal Gotik und Barlach gleichzusetzen versucht.
Und noch weiteres: Was sind das eigentlich für Menschen in rassischer Beziehung, die Barlach darstellt, darstellen muß aus seiner eigenen Art und eigenem Blut heraus? Sind das Menschen von unserer Art? Die Antwort ist eindeutig. Denn wir sind doch schon zu feinfühlig geworden, als daß uns diese Frage nicht sofort erwächst, feinfühlig in unserem Rasseninstink.
Alles über den Plastiker und Graphiker Barlach gesagte passt auch für den Dichter. Doch ist hier nicht mehr der Platz, darauf einzugehen. (...)"

H. Lübeß, Schweriner Zeitung, Januar 1934.
(Aus: E. Piper: Barlach und die nationalsozialistische Kunstpolitik. Eine dokumentarische Darstellung zur "entarteten Kunst". München / Zürich (Piper) 1983, S.98 /99)

 

Daneben gab es jedoch immer wieder Stimmen innerhalb der Kunstkritik, die Barlach zu verteidigen suchten. Aberwitzigerweise wurde oftmals jedoch zur Verteidigung seiner Kunst wiederum auf das "nordische" und "völkische" Element in seiner Kunst verwiesen.

"(...) Um Ernst Barlach ist viel gestritten worden. Und auch heute, an seinem 65. Geburtstag, stehen weder der Mann noch sein Werk schon außerhalb der Auseinandersetzung. (...)
Es ist merkwürdig, dass es gerade immer norddeutsche Künstler sind, die so in den Streit der Meinungen geraten. (....) Gerade das sollte das heutige Deutschland, das im Literarischen längst die "Nordische Renaissance" als eines der treibensten Aufbauelemente zu werten gewußt hat, nachdenklich machen auch vor diesem Künstler.
Gerade vor Barlach sollte der rassische Instinkt und das Gefühl des Blutes nicht versagen. (...) Als Dichter hat Barlach lange geschwiegen. Aber dort braucht er noch weit mehr denn als Plastiker den Raum, in den er hineinformen kann. Den ihm wieder zu schenken, den ihm überhaupt erst zu schenken, ist Sache des wiedererwachenden deutschen Volkes der Gegenwart."

H. Behm, Germania, 3.Januar 1935
(a.a.O., S.119 /120)

 

Dennoch wurde Barlach zunehmend aus den offiziellen Institutionen des Kunstbetriebes herausgedrängt, wie ein Brief der "Akademie der Künste" zeigt, der dem Künstler nahelegt, seine Mitgleidschaft freiwillig aufzugeben:

"(...) Die seit längerer Zeit vorbereitete Neuordnung der Akademie der Künste erstreckt sich auch auf eine Neuzusammensetzung der Mitgliedschaft der Akademie. Da nach den mir gewordenen Informationen nicht zu erwarten ist, dass Sie künftig weiter zu den Mitgliedern der Akademie zählen werden, möchte ich Ihnen in Ihrem Interesse nahelegen, möglichst sofort selbst Ihren Austritt aus der Akademie zu erklären."

Preußische Akademie der Künste, Schreiben an Barlach, 8. Juli 1937
(a.a.O.: S.188)

Barlach kam dieser Aufforderung drei Tage später nach.

Ausdruck der zwiegespaltenen Haltung des Kunstbetriebes bleibt, dass Barlach gleichzeitig eine kleine "Werkhilfe", eine Art Altersrente also gewährt wurde.



obenAutoren: Klasse 10F2 Web: R. Bechstedt Datum: Frühjahr 98. Letzte Änderung am 14. März 2001
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