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Organisation und Aufgaben der Reichskulturkammer

Organisation der Reichskulturkammer

Präsident
Stellvertretender Präsident

     Reichskultursenat
3 Reichskulturverwalter
Reichs-
musikkammer
Reichs-
kammer
der Bildenden
Künste
Reichs-
theaterkammer
Reichs-
schrifttums-
kammer
Reichs-
pressekammer
Reichs-
rundfunk-
kammer
Reichs-
filmkammer
jeweilige Landeskulturverwalter
31 Landesleiter
und Vertrauensleute
31 Landesleiter 31 Landesleiter 31 Landesleiter 31 Vertrauensleute Landesfunk geplant
Gaufunkwart der NSDAP
31 Landesleiter

Reichskulturkammer: Wesen und Aufgaben

Die Reichskulturkammer wurde auf Grund des Reichsgesetzes vom 22. September 1933 am 15. November 1933 durch den Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda ins Leben gerufen. Mitglied der Reichskulturkammer muß jeder sein, der in Deutschland "bei der Erzeugung, der Wiedergabe, der geistigen oder technischen Verarbeitung, der Verbreitung, der Erhaltung, dem Absatz oder der Vermittlung des Absatzes von Kulturgut" mitwirkt. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda ist zugleich der Präsident der Reichskulturkammer; diese Personalunion ist im Reichskulturkammer-Gesetz verankert. Vizepräsident der Reichskulturkammer ist der Staatssekretär des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda. Die Reichskulturkammer hat drei Geschäftsführer, die den Titel Reichskulturwalter führen.

Die Reichskulturkammer besitzt in jedem der 31 politischen Gaue einen Vertreter, den Landeskulturwalter, der stets zugleich der Landesstellenleiter des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda ist. An der Spitze der 7 Einzelkammern steht der jeweilige Präsident, Vizepräsidenten und Geschäftsführer. Jede Einzelkammer hat ebenfalls in den Gauen ihren Vertreter, den Landesleiter. (Einige Kammern sind z. Z. mit dem Aufbau ihrer Landesleitungen beschäftigt.) Die Landesleiter der Einzelkammern sind zugleich die Fachberater und Referenten des Landeskulturwalters für ihre Sachgebiete. Bei jeder Einzelkammer ist ein Präsidialrat gebildet, dem außer dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten und dem Geschäftsführer namhafte Kammermitglieder angehören. Der Reichskultursenat, der am 15. November 1933 berufen wurde, umfaßt außer dem Präsidenten, Vizepräsidenten der Reichskulturkammer und den Reichskulturwaltern sowie den Präsidialräten der Einzelkammern eine Reihe bekannter Persönlichkeiten aus Bewegung und Kulturleben. Der Präsident der Reichskulturkammer ist zugleich der Reichspropagandaleiter der NSDAP; der Reichskulturwalter Moraller ist gleichzeitig Leiter des Kulturamtes in der Reichspropagandaleitung. Die Landeskulturwalter sind als Landesstellenleiter des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda in Personalunion die Gaupropagandaleiter der NSDAP."

Mit dieser außerordentlich umfangreichen Organisation, die sich bis in die "Gaue" erstreckte und tausende von ehrenamtlich tätigen und bediensteten Überwachern beschäftigte, war ein Kontrollapparat geschaffen, der so gut funktionierte, daß nicht nur die künstlerische Distribution, sondern auch die künstlerische Produktion, die vielfach nicht in der Öffentlichkeit geschieht, erfaßt werden konnte, so daß z. B. allein technisch die Möglichkeit bestand, Maiverbot oder Schreibverbot zu verhängen. Am Beispiel der Reichskulturkammer der bildenden Künste kann gezeigt werden, wie viele Menschen Mitglied der Reichskulturkammer waren. 1936 gehörten allein im Bereich der bildenden Künste der Kammer an:

Neben der Kontrolle durch die Reichskulturkammer schränkten eine Reihe von Gesetzen die Freiheit von Kunst und Presse ein. So wurde am 15. Mai 1934 ein Theatergesetz erlassen. In einem nationalsozialistischen Text heißt es zur Erklärung dieser Gesetze :

"§ 1 des Theatergesetzes unterstellt die im Reichsgebiet unterhaltenen Theater hinsichtlich der Erfüllung ihrer Kulturaufgaben der Führung des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda als zuständigem Minister. Das Gesetz regelt weiter die richtige Auswahl der Veranstalter und der künstlerischen Leiter und gibt im § 5 dem zuständigen Minister das Recht der Spielplangestaltung. Während früher alle das Volks- und Staatsleben zersetzenden Stücke, wenn sie nicht unmittelbar die Staatsordnung bedrohten, ungehemmt aufgeführt werden konnten, kann der zuständige Minister jetzt die bestimmter Stücke im allgemeinen oder einzelnen Fällen untersagen und über hinaus unter bestimmten Voraussetzungen auch die Aufführung bestimmter Stücke verlangen. Schließlich bringt das Lichtspielgesetz vom 16. Februar 1934 auch auf diesem Gebiete grundsätzliche Änderungen. Zwar bestand auch schon im Weimarer Staate eine Filmzensur im Rahmen des Art. 118 der Weimarer Verfassung Abs. 2 und des Lichtspielgesetzes vom 12. Mai 1920. Die nach diesem geübte Präventivzensur durch die Filmprüfstellen erfolgte aber nur rein polizeilichen Gesichtspunkten. Danach war die Zulassung eines Bildstreifens zu versagen, wenn die Prüfung ergibt, daß die Vorführung des Bildstreifens geeignet ist, lebenswichtige Interessen des Staates oder die öffentliche Ordnung oder Sicherheit zu gefährden, das religiöse Empfinden zu verletzen, verrohend oder entsittlichend zu wirken, das deutsche Ansehen oder die Beziehungen Deutschlands zu auswärtigen Staaten zu gefährden' (§ 1 des Gesetzes vom 12. Mai 1920). Im übrigen durfte die Zulassung,wegen,einer politischen, sozialen, religiösen, ethischen oder Weltanschauungstendenz als solche nicht versagt werden'. Demgegenüber schützt § 7 des neuen Lichtspielgesetzes darüber hinaus die Verletzung des nationalsozialistischen, religiösen, sittlichen oder künstlerischen Empfindens'. Damit ist der Filmzensur heute die Möglichkeit gegeben, nicht nur polizeilich vorbeugend zu wirken, sondern durch das Verbot entsittlichender, kitschiger und Schundfilme auch die Entwicklung des sittlichen und künstlerischen Empfindens positiv zu fördern."



obenAutoren: Projektgruppe Entartete Kunst, Fred Radewaldt  Datum: März 98.  Letzte Änderung am 18. März 2000
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