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Wassily Kandinsky

Sein Leben

Sein Weg zur Abstraktion

Bild: Duftendes Grün

nah Bild: Der rote Fleck II


Sein Leben * 1866, † 1944

Kandinsky wurde am 4.oder 5. Dezember 1866 (Julianische Zeitrechnung) in Moskau geboren. Er wuchs in einer wohlhabenden Familie auf und hatte im Grossen und Ganzen eine glückliche Kindheit, obwohl seine Eltern sich 1871 scheiden ließen. Da sie sich aber in Freundschaft getrennt hatten, beeinflußte dies seine Kindheit weiterhin nicht negativ.

Von 1876-1885 besuchte er das humanistische Gymnasium in Odessa und studierte nach seinem Schulabschluß Jura und Nationalökonomie. Aus gesundheitlichen Gründen mußte er jedoch nach vier Jahren, also 1889, sein Studium für drei Jahre unterbrechen, was ihn allerdings nicht daran hinderte, viele Reisen zu unternehmen. 1892 heiratete Kandinsky seine Kusine zweiten Grades und schloß dann ein Jahr später sein Studium mit einem Diplom ab.Um 1895 verlor er sein Interesse an einer akademischen Laufbahn und entschloß sich Maler zu werden. Zu diesem Sinneswandel trug die Erkenntnis des Atomzerfalls bei.

Antoine H. Becquerel hatte zu diesem Zeitpunkt die Radioaktivität entdeckt. Dies erschütterte Kandinskys gesamtes Weltbild und seinen Glauben an die positive Wissenschaft. Daraufhin verließ er Rußland und schrieb sich in München in der Malschule von Anton Azbe ein. Doch schon nach kurzer Zeit merkte er, daß der Unterricht nicht seinen Vorstellungen entsprach, obwohl Kandinsky Azbe verehrte, von dessen Zeichnungen und ihm als Mensch beeindruckt war. Aber mit Azbes "Prinzip der Kugel" bei Kopf- und Aktzeichnungen nach Modell konnte er nicht übereinstimmen und schloß sich deshalb dem Prinzip des Pointillimus, "der Kristallisation der Farben", der Neoimpressionisten an. Ebenso zog er das Malen mit Farben dem Zeichnen vor. Dennoch wechselte er zu Stuck, einem der angesehensten Maler dieser Zeit im Bereich der Zeichnung, weil Kandinsky Defizite bei seinen Zeichnungen feststellte.1901 beendete er sein Studium bei Stuck und gründete die Künstlervereinigung "Phalanx" mit dem Ziel, gewisse Missstände in der Künstlergenossenschaft zu beseitigen. Dann baute er 1902 eine Malschule auf, die aber schon im darauffolgenden Jahr aus Mangel an Schülern geschlossen werden mußte. Zur selben Zeit lernte er auch Gabriele Münter, eine seiner Schülerinnen kennen. Aufgrund einer Beziehung mit ihr ließ er sich von seiner Frau Anna scheiden.

Innerhalb seiner Zeit als Maler nahm Kandinsky an vielen Ausstellungen teil. Seine erste war 1900 bei der Moskauer Künstlervereinigung. Es folgten 11 weitere mit der Phalanx, deren Ausstellungen immer anderen Künstlern gewidmet wurden. In den darauffolgenden Jahren nahm er an der Ausstellung im "Salon d´Automne" teil und gewann auch einige Preise. Neue Impulse für seine Malerei gab ihm das rege Musikleben 1907 in Berlin. Außerdem ergab sich für Kandinsky zwischen Musik und bildender Kunst eine besondere Verbindung. Er wandte sich nun der Bühnen- und Raumkunst zu und setzte diese Anregungen 1909 in eigenen Bühnenkompositionen um. Auch sonst gewann er viele neue Eindrücke in anderen Kunstrichtungen durch seine vielen Reisen.1910 gründete er erneut eine Künstlervereinigung: den "blauen Reiter", unter anderem mit Franz Marc.1915 ging Kandinsky zurück nach Moskau, machte sich mit der dortigen Kunstszene bekannt und wurde zwischen 1918 und 1921 Mitglied in mehreren Kunstorganisationen. Hier lernte er auch seine dritte Frau Nina kennen.Danach fing er wieder an am "Bauhaus" in Weimar zu unterrichten, nämlich in Formenlehre und Wandmalerei. Kandinsky wurde 1930 zum ersten Mal mit dem sich in Deutschland ausbreitenden Nationalsozialismus konfrontiert, indem unter dessen Einfluß Bilder von ihm und Klee aus dem Weimarer Museum entfernt wurden. Dazu, dass das politische Klima für Kandinsky in Deutschland immer unangenehmer wurde, kam auch noch die Schliessung des "Bauhauses" 1933. Noch im selben Jahr zog er nach Frankreich und hatte beschlossen nicht mehr nach Deutschland zurückzukehren, sondern sich in der französischen Kunstszene zu engagieren.1937 wurden 57 seiner Werke als "entartet" aus den Museen in Deutschland beschlagnahmt. Als die Deutschen 1940 in Frankreich einmarschierten, musste sich Kandinsky sogar dort für einige Zeit verstecken, und seine Ausstellungsmöglichkeiten waren durch die politischen und militärischen Ereignisse sehr eingeschränkt. Im Frühjahr 1944 erkrankte Kandinsky zunächst an einer Grippe. Bis Juli arbeitete er noch weiter, starb jedoch am 13. Dezember an einem Hirnschlag.

Ergänzung

Der russische Maler war ein Begründer der abstrakten Malerei. Er gründete 1909 die Münchener „Neue Künstlervereinigung“, aus der 1911 der Kreis des „Blauen Reiters“ hervorging(Marc, Münter, Jawlensky u.a.). Kandinsky unterrichtete von 1922-1933 am Bauhaus obligatorische Kurse (analytisches Zeichnen, Farbseminar) als Bestandteil der Grundausbildung. 1926 veröffentlichte er seine Theorien über Gegenstand und Abstraktion imWerk“Punkt und Linie zur Fläche“ . Die Wurzeln der ungegenständlichen Malerei reichten für Kandinsky bis zum Impressionismus zurück. Besonders beeindruckend war für ihn das Werk Claude Monet's „Heuschober bei Sonnenuntergang“ ,das er 1895 bei einer Impressionistenausstellung das erste Mal betrachtete und dessen Gegenstand, den Heuschober,er nicht erkannte. „Er merkte mit Erstaunen , daß das Bild ihn packte und sich ihm unverwischbar in das Gedächtnis einprägte (Zitat: Kandinsky).


Duftendes Grün, 1929

Der Titel dieses Bildes gibt auf den ersten Blick kaum einen Hinweis auf den Sinn des Bildes. Grün ist die vorherrschende Farbe im Bild und „duftend“ der Farbauftrag in Spritztechnik. Der Duft ist etwas Leichtes, Schwereloses und kann sich frei im Raum ausbreiten. Der Inhalt dieses Bildes ist nicht im gegenständlichen gebundenen Wort „Duft“ zu suchen, sondern im Abstrakten- „schwereloses Aufsteigen im Raum“.
Kandinsky erweckt den Eindruck von Ferne und Raum durch gespritzte Flächen und quadratischen Schablonen, die er nach und nach beim Vorgang des Bespritzens auflegt. Optisch schwerere Formen wie die Rechtecke und die Halbkreise sind im Bild in der oberen Hälfte versammelt. Die Gegenstände erhalten den Eindruck von Aufsteigen und Schwerelosigkeit, da sie an keinerlei Kraft gebunden sind.
Betrachter von Kandinskys Werken versuchten immer wieder diese zu deuten, da Bilder immer etwas abbilden sollen. Die Erleichterung ist gross, wenn man glaubt, etwas Vertrautes entdeckt zu haben- wie gross ist aber auch die Enttäuschung, wenn man feststellen muss, dass man in eine Sackgasse geraten ist. Kandinskys Bilder hatten keine klaren Formen und waren niemals rational und logisch. Aus diesem Grunde wurden sie 1934 als entartet erklärt, da sie in keiner Weise dem national-sozialistischen Kunstideal entsprachen.

Kandinskys Weg zur Abstraktion

Was ihn beeinflusste und was er dachte

"Ein gegenständliches Motiv sei in der Kunst nicht notwendig!" sagte Kandinsky. Eine Bestätigung hierfür erhielt er durch die Lektüre Worringers "Abstraktion und Einfühlung (1907)". Sein Wunsch nach Befreiung der Perspektive fand er in der Verwendung freier Farben und Linien. Anfangs waren die Gegenstände noch zu erkennen, bzw. im Zustand der Auflösung. Kandinsky selbst unterteilte viele seiner Bilder in drei Gruppen: Impressionen, Improvisationen und Kompositionen.In seinen Bilder erzeugte er Spannungen durch Gegensätze wie Warm-Kalt und Hell-Dunkel. Zwischen 1911 und 1914 hatte er seine expressionistischen Phasen, indem er bestimmten Farben einen bestimmten Charakter zusprach, immer mehr geometrische Formen einbaute und weniger grelle Farben verwendete. 1922 analysierte er Formen und Farben um herauszufinden, welche Farbe mit welcher Form vereinbar ist. Seine neuen Bilder allerdings wirkten spannungslos.1931 fing er an, geometrische und abstrakte Figuren und Zeichen zu kombinieren. In den sechs Jahren bis zu seinem Tod vollzog sich sein letzter Wandel. Er begann neue Farben einzubringen, die sehr dünn und zuweilen sogar transparent waren. Weitere Merkmale seines Wandels waren wenige Kontraste und biomorphische Formen.






obenAutoren: Klasse 10L Mai 98  Letzte Änderung am 30. Januar 2001
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