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Die Comedian Harmonists

1927 kam der Schauspielanfänger Harry Frommermann auf die Idee, ein Pendant zu der amerikanischen Gesangsgruppe "The Revellers" zu gründen. Zu diesem Zwecke inserierte er in einer Berliner Zeitung:

"Achtung. Selten. Tenor, Baß (Berufssänger, nicht über 25),

sehr musikalisch, schönklingenden Stimmen

für einzig dastehendes Ensemble unter

Angabe der täglich verfügbaren Zeit

gesucht."

Unter den vielen Bewerbern, die sich auf diese Anzeige hin meldeten, wurde nur der spätere Bassist Robert Biberti den Anspüchen Frommermanns gerecht. Nach einigen vergeblichen Versuchen wurde schließlich aus den Bekannten dieser beiden der Rest der Gruppe zusammengestellt. Nach Monaten harter Arbeit hatten sie sich 1928 soweit aufeinander abgestimmt, daß sie sich dem Berliner Revuekönig Erik Charell vorstellten, welcher sie sofort engagierte. Da Charell der ursprünglich geplante Name "Melody Makers" nicht peppig genug war, schlug er in Anlehnung an die Wörter Komödie und Harmonie den Namen "Comedian Harmonists" vor.

Weiteres zum Schicksal der einzelnen Mitglider

Ihr erstes Auftreten im Berliner großen Schauspielhaus in der Revue-Operette "Casanova" von Johann Strauß als Zwischenaktmusikanten ist mit ihrem ersten Erfolg gleichzusetzen. Dafür verantwortlich waren sowohl die neuartige Klangwirkung, die musikalische Originalität und die technische Eleganz als auch der komödiantische Witz. All diese Elemente führten zu einem steilen Aufstieg, der die Comedian Harmonists in kurzer Zeit auch international zu einem Begriff machte. Mit der Bezeichnung die "deutschen Revel- lers", die ihnen vom begeisterten Publikum zugedacht wurde, war das Anfangsziel Frommermanns erreicht. Ihre damalige Popularität ist mit derjenigen der Beatles zu vergleichen. Neben Auftritten in Kabaretts, ausgedehnten Konzertreisen und Schallplattenverkäufen wirkten sie auch in Filmen wie "Die Drei von der Tankstelle" erfolgreich mit. Auch das Lied "Marie, Marie" aus dem Tonfilm "Gassenhauer" von Lupu Pick sangen sie, wozu Biberti anmerkte:

"Vielleicht war es nicht ohne Einfluß auf

diese Liedgestaltung, daß ich in der Not-

zeit der Inflation tatsächlich einmal auf

Berliner Hinterhöfen gesungen habe und

auf die Weise die Welt Heinrich Zilles

in erschütternder Eindringlichkeit kennen-

lernte."


Ein kleiner grüner Kaktus..... Berühmtes Lied mit Noten und Comic

Das außerordentlich vielseitige Repertoire der Comedian Harmonists reichte von verpopter Klassik wie "Perpetuum mobile" von Johann Strauß über Operetten und Filmlieder wie "Heut Nacht hab ich geträumt von dir" und "Irgendwo auf der Welt" und modernen Rhythmen wie "Daisy" sowie Cole Porters wie "Night and Day" bis zu Nonsens-Schlagern wie "Ich hab für dich nen Blumentopf bestellt". Desweiteren sangen sie Kabarettchansons Salonstücke, Hits ihrer Zeit und, was wenige wissen, deutsche Volkslieder. So gehören Volkslieder wie "Ach, wie ist's möglich dann" und "Muss'i denn" zu ihren besten Leistungen, da sie Schlichtheit beweisen und stilsicher auf alle Showeffekte verzichteten. Effektvolle parodistische Akzente dagegen setzten sie in volkstümlichen Schlagern wie "Holzhackerlied", "Hein spielt abends so schön auf dem Schifferklavier" und "Wirtshaus an der Lahn".

Mit ihren Stücken hatten sie sowohl im Inland wie auch auf Auslandtourneen bei einer immensen Menschenmenge Erfolg, so daß viele ihrer Konzerte randvoll oder gar überfüllt waren.

Von den Nationalsozialisten wurde ihre Musik als entartet definiert und infolgedessen verboten. Damit setzten diese der steilen Karriere ein jähes Ende. Die drei jüdischen Mit- glieder Frommermann, Cycowski und Collins mußten emigrieren und führten mit neuen Miltgliedern eine Gruppe im Ausland fort, wie auch die verbleibenden Mitglieder in Deutschland.

Diese hießen Comedy Harmonists (Frommermann und Co.) und Meistersextett. Beide konnten jedoch nie an die Erfolge der Comedian Harmonists anknüpfen.



obenAutoren: Projektgruppe Entartete Kunst, Waltraut Elle-Elbrechtz    Datum: 99 Letzte Änderung am 06. April 2000
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