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Die Natur als Erfindung des Menschen
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"Biergarten-Szene" im Vergleich zum "Dix-Bild"

Das mittlere Bild des Triptychons "Großstadt" von Otto Dix (links) aus dem Jahre 1928 wurde als "entartet" gebrandmarkt.
Es zeigt ein Kabarett mit schrillen Farben, extravagante Kleidung und sowohl einen schwarzen Jazz-Musiker im Hintergrund als auch einen dekadent tanzenden Menschen (Er tanzt einen wilden Shimmy oder Charlston: Knie zusammen und Füße auseinander). Die Besucher dieses Kabaretts amüsieren sich in ihrer luxuriösen, verschwenderischen Scheinwelt, während draußen, außerhalb des Triptychons, Inflationsopfer und Straßenhuren die Kehrseite der Medaille bilden. Die Schicht, die sich von der Realität absondert, verschließt die Augen vor den gesellschaftlichen Verhältnissen und dem entwürdigen Elend.
Diese von Dix richtig dargestellte Situation, in der die einzelnen Bevölkerungsschichten weit auseinander klaffen, ist für politische Demagogen, die mit ihren radikalen Parolen eine bessere Zukunft versprechen, ein günstiger Nährboden.

Im krassen Gegensatz zu dem Kabarett steht der Biergarten, der die Sehnsucht nach einer heilen Welt symbolisiert. Durch die Benutzung eines Volksliedes und durch den glockenreinen, naiv unschuldigen Klang der Stimme des Sängers wird bei den Zuhörern der Eindruck erweckt, die "Heile Welt" sei greifbar nahe, was schon der Titel des Liedes "Der morgige Tag ist mein" andeutet. Der idyllische, naturverbundene Biergarten liefert ebenfalls eine friedliche Atmosphäre, in der kein Mißtrauen erweckt werden könnte. Die Leute, die sich im Biergarten befinden, werden bald dazu hingerissen mitzusingen; die Stimmung wird gesteigert, es setzen immer mehr Instrumente ein. Als "Der Sturm ist nah", "Fern geht ein Stern auf", "Wachet auf" u.ä. gesungen wird, fallen immer mehr Gäste in den die Tonart gewechselte Gesang ein und stehen auch dazu auf. Sobald der Begriff "Vaterland" in dem Lied auftaucht, erinnert die Musik an Marschmusik, am Schluß des Liedes hebt der Sänger einen Arm zum Hitlergruß. Diese Biergaten-Szene stellt folglich die Beeinflußbarkeit von Menschen dar und zeigt, wie sich aus einer ruhigen, unschuldigen Menschenmenge ein revolutionärer Aufstand entwickeln kann.



obenAutoren: Projektgruppe Entartete Kunst, Waltraut Elle-Elbrechtz    Datum: März 98  Letzte Änderung am 30. Januar 2001
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