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Die Natur als Erfindung des Menschen
Entartete Kunst   Musik  


Die Zusammenarbeit von Musik und Politik

Bei staatlichen Anlässen zu spielen und dafür im Austausch offizielle Förderung zu erhalten, rechtfertigte kulturelle Erneuerung und Vollbeschäftigung. Viele Musiker erwarteten vom Regime neue Arbeitsplätze und fUnterstützung.

Die moderne Musik fand große Ablehnung bei den Traditionalisten. Die hielten stattdessen die Kunst für Kunst, die die deutsche Natur und Tradition stärkte und erhöhte. Die Nationalsozialisten standen im Einklang mit diesen Gefühlen. Sie krönten Richard Wagner zum wichtigsten künstlerischen Vertreter.

Musik und Rasse

Der Komponist Hans Pfitzner bezeichnete die moderne Musik (z.B. Jazz) als "musikalisches Chaos", ein Symbol für die Bedrohung der Zivilisation. Jazz identifizierte er mit Bolschewismus, Amerikanismus und Juden. Richard Eichenauer schrieb das Buch "Musik und Rasse". In diesem verband er die Juden mit der modernen Musik, die dem Gesetz ihrer Rasse folgten. Eichennauer beklagte ebenfalls die übermäßige Präsenz auf deutschen Konzertbühnen. Doch in Wirklichkeit waren die Juden eine viel zu kleine Minderheit, um für die angebliche Krise der Musik als Erklärung dienen zu können. Ironischerweise stimmten die jüdischen Musiker und ihr Publikum mit den traditionellen Ansichten ihrer Verfolger überein und ihre Kunst als weitgehend klassisch, spätromantisch und folkloristisch.

Die musikalische Revolution

Es wurden Konzerte von Feinden gestört, Nationalsozialisten räumten unter Musikern und im Konzert-Repertoire auf, während sie ihre eigenen Karrieren förderten. Diese "spontane Revolution" der örtlichen Parteiverbände, der SA und des Kampfbundes für deutsche Kultur wurde in Wirklichkeit gesteuert, um den totalitären Ansprüchen des Regimes zu dienen. Das "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums", das "Nicht-Arier", Kommunisten und andere, denen eine Unterstützung des nationalen Staates ohne Vorbehalte nicht zugetraut werden kann, von der Stellenvergabe ausschloß, legalisierte den Aderlaß in den Reihen der Musiker. Dieses Gesetz machte den ängstlichen Opfern die wahre Natur des Regimes deutlich. In der Fakultät der angesehenen "Preußischen Akademie der Künste" in Berlin wurden die Professoren Arnold Schönberg und Franz Schreker entlassen. Schönberg repräsentierte die Krise der Musik, war Haßobjekt im Bereich der ernsten Musik- was Pfitzner als "die Ästhetik musikalischer Impotenz" bezeichnet hatte. Die Nazis sahen Schönbergs Abgang als Voraussetzung für einen musikalischen Neuaufbau auf der Basis völkischen Denkens. Hitler erweiterte die Basis der Anhänger seines Minderheitsregimes. Dabei war ihm die Musik eine große Hilfe und propagierte die romantisch-völkische Komponente des Nationalsozialismus. Kinder sangen sie in der Schule und bei Ausflügen ebenso wie die Hitlerjugend, Studentenverbindungen, die SA, die Wehrmacht.

Bei der deutschen Jugend vermittelte sie ein rauschhaftes Gefühl der Zusammengehörigkeit.



obenAutoren: Projektgruppe Entartete Kunst, Waltraut Elle-Elbrechtz    Datum: 99 Letzte Änderung am 06. April 2000
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