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Wiederbelebung der Musik

Viele Musiker, die die Säuberung überstanden und sich einigermaßen angepaßt hatten, profitierten von der für das Regime notwendige kulturellen Fassade. So sank die Zahl der Arbeitslosen um fast 40% in den Jahren 1933-1936.

Ein großer Teil der Komponisten fing an, die "stählerne Romantik" nicht mehr als ein Programmteil der Nazis zu interpretieren, sondern brachten damit die traditionelle Selbstbestimmung und die innewohnende Spannung in der Musik zum Ausdruck.

Obwohl die Nazis das Ideal einer Volksoper immer noch vor Augen hatten, kam es während des Dritten Reiches nie zu einer solchen Aufführung. Dem entgegen war die traditionelle Oper weiterhin sehr beliebt und galt als gesellschaftliches Ereignis.

Aufgrund Rainer Schlossers( Reichsdramaturg) Ermutigungen an die Theater, jede Saison ein neues Stück aufzuführen, hatten 164 Opern während der Nazi-Herrschaft Uraufführung.

1935/36 schaffte es eine jüngere Komponistengruppe (z.B. Hermann Reuter) den Durchbruch mit Opern, die musikalisch ähnliche Elemente wie die von Schönberg enthielten.

Für das Jahr 1936 war es typisch, daß traditionelle Musikvereinigungen mit Parteiführern und ľorganisationen konkurrierten und Wettbewerbe ankündigten (z.B. Reichsfestspiele).

Um Berlin während der Olympischen Spiele als internationales Musikzentrum herauszustellen, schrieb die Reichsmusikkammer einen internationalen Wettbewerb für Komponisten aus, deren Werke die olympischen und athletischen Ideale ausdrücken sollten. Dabei gingen die Goldmedaillen an Paul Höffer (Chorwerk: Olympischer Schwur) und an Egk für die bekannte "Olympische Festmusik".

So versuchte man auch eine arische Begleitmusik für Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" zu komponieren, um damit die Version des Juden Mendelssohn zu ersetzen. (Carl Orff erhielt dafür 5000 Reichsmark.)

Die kulturelle Fassade schloß ebenso die Förderung der Aktivitäten des Jüdischen Kulturbundes, welcher säuberlich von der deutschen getrennt wurde, ein. 1936 wurde dieser allerdings dazu mißbraucht, die Welt mit der ideologischen Konsequenz der Nazis und ihrer Großzügigkeit zu beeindrucken. Man behauptete einfach gegenüber dem Ausland, daß die Trennung die besonderen Talente der einzelnen Volksgruppen fördere.

Auch nach dem olympischen Jahr hatten Musikfestspiele Hochkonjunktur. Sie hatten einen solchen Zuwachs, daß Goebbels sie einschränkte, indem er festlegte, daß alle Preisgelder über 2000 RM seiner Genehmigung bedurften. 1938 wurde ein volles Festspielprogramm wieder durchgezogen. In diesem Jahr wurde aber auch die Leitung des Allgemeinen Deutschen Musikvereins von der Reichsmusikkammer übernommen. Zuvor hatte der Allgemeine Deutsche Musikverein weiterhin "progressive" Musik angeboten, jedoch den Kampf gegen die Gleichschaltung verloren.



obenAutoren: Projektgruppe Entartete Kunst, Waltraut Elle-Elbrechtz    Datum: März 98  Letzte Änderung am 06. April 2000
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