Archiv: Diese Seiten werden nicht mehr bearbeitet!
Exposystem Johanneum zur EXPO 2000 Alphabetischer Index unten
Die Natur als Erfindung des Menschen
Natur und menschliches Handeln    Christen            

Protestantische Profile, ein Wettbewerb der evangelischen Kirche
ewmuel1k.jpg 276x163 Auf dem Weg nach Gorleben: Groß Gusborn. Hier waren vereinzelt Holzkreuze an Bäume genagelt

2. Wohin mit dem Müll?
Bis in alle Ewigkeit: die atomare Endlagerung in Gorleben

Auch wenn der Konflikt um die Lagerung von Atommüll in Gorleben seine außergewöhnliche Brisanz einer ganzen Reihe von eigentlich zweitrangigen "Nebenkonflikten" wie z.B. der Strahlung von Castor-Behältern beim Transport oder auch der Frage nach der weiteren Nutzung der Kernenergie überhaupt, verdankt, so geht es im Kern doch schlicht darum, ob der Gorlebener Salzstock als Endlager für hochradioaktiven Müll am besten geeignet ist. Denn Fakt ist, dass eine stetig anwachsende Menge dieses Abfalls auf Entsorgung wartet und Castor-Transporte somit unumgänglich macht. Es stellt sich also angesichts des Gorlebener Konfliktes nicht die Frage nach der Zweckmäßigkeit von Castor-Transporten, oder ob man die Kernenergie auch in Zukunft weiter nutzen soll, sondern einfach danach, ob der Salzstock in Gorleben das nach Stand der Wissenschaft und der Verfügbarkeit beste Endlager für diesen Zweck darstellt.

Die Familie von Bernstorff gründet ihren Widerstand und ihre damit verbundene Weigerung, ihr Land für diese Zwecke zur Verfügung zu stellen, auf die Annahme, es gäbe nach wissenschaftlichen Kriterien besser geeignete Stätten in Deutschland für ein solches Endlager, als die in Gorleben und behauptet somit, die Entscheidung für Gorleben sei weniger aufgrund wissenschaftlicher als aufgrund politischer Überlegungen gefallen.

Zeichen von Widerstand in der Bevölkerung ewmuel2k.jpg 240x192

Es gibt bei der Lagerung von radioaktivem Müll grundsätzlich zwei Alternativen. Entweder man verstaut den Müll sicher an einer zugänglichen Stelle bis man sich über eine endgültige Entsorgung im klaren ist bzw. eine neue Verwendung für ihn hat, oder aber man schließt ihn absolut und endgültig von der Biosphäre aus. In Deutschland und mit dem Endlagerkonzept in Gorleben verfolgt man letzteres Prinzip. Die Stätte, die zu diesem Zweck dienen soll muss also in der Lage sein, den strahlenden Müll über einen Zeitraum von mehreren zehntausend Jahren von der Biosphäre abzuschirmen. Während in einigen anderen Ländern überlegt wird, den Atommüll in Granitstein einzulagern, hat man sich in Deutschland auf Salzstöcke als die geographischen Formationen geeinigt, die dem Endlagerungsprinzip am meisten gerecht werden. Diese haben gegenüber dem Granitgestein den Vorteil, dass sie sich bei Erdverschiebungen elastischer verhalten als der harte Granit, in dem in diesem Falle Risse entstehen und Wasser eindringen könnte, über das dann Radioaktivität in die Biosphäre hinausgelangen könnte. Das Eindringen von Wasser in einen Salzstock wird in der Regel durch die darüber gelagerte Kalkschicht verhindert. Sollte jedoch trotzdem Wasser eindringen, so wäre dieses um so fataler, da Wasser in Verbindung mit dem Salz die Behälter zersetzen würde.

Der Gorlebener Salzstock ist derzeit der einzige in Deutschland, der auf eine Eignung für die Endlagerung hin im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutzes untersucht wird. Im Zuge dieser Untersuchungen wurde bereits ein Schacht von beispielloser Größe in den Salzstock hineingetrieben. Ungeachtet der noch laufenden Enteignungsverfahren gegen den Grafen von Bernstorff ist man derzeit dabei, mit dem Vorantreiben horizontaler Tunnel durch das Salz zu beginnen. Der Abschluss der Untersuchungen und somit das endgültige Urteil über die Tauglichkeit des Stollens ist für das Jahr 2005 vorgesehen. Bis dahin wird die Erkundung Beträge in Milliardenhöhe verschlungen haben. Dabei sind schon von vornherein Mängel der Gorlebener Salzstockformation bekannt. So ist zum Beispiel die den Salzstock überlagernde Kalkschicht, die das Eindringen von Wasser verhindert, nicht über dem ganzen Salzstock in ausreichendem Maße vorhanden. Auch ist bekannt, dass der Salzstock nicht an allen Stellen stabil ist. Im Laufe der Jahrhunderte ist es in eben diesem Salzstock schon zu mehreren Einbrüchen gekommen; auf diesem Wege ist beispielsweise der Arentsee einst entstanden.

Trotz dieser Tatsachen, die eine Eignung von vornherein in Frage stellen ist der Gorlebener Salzstock doch die einzige Stelle, an der derzeit Forschungen betrieben werden. Dies sowie die Höhe der bisher investierten Mittel lassen es fragwürdig erscheinen, ob am Ende der Untersuchungen auch ein ehrliches negatives Urteil denkbar wäre.

Diesen Gedanken verfolgt die Familie von Bernstorff und fordert daher, dass bei den Erkundungen nach einem klaren auch öffentlich transparenten Kriterienkatalog entschieden werden möge und dass weiterhin gleichzeitig auch Untersuchungen an alternativen Standorten durchgeführt werden.

 



obenAutoren: Jg. 13 (Abi 2000), Lehrerin Karin Aulike   Datum: September  99. Letzte Änderung am 03. April 2000
Exposystem [Handeln] [Christen] Überblick [Dokumentationsteam] [Email s.Ueberblick] [Religion]Informationssystem