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Protestantische Profile, ein Wettbewerb der evangelischen Kirche

Die Bernstorffs heute

bernshrg.jpg 242x245 Heute lebt Andreas Graf von Bernstorff mit seiner Frau und seinen fünf Kindern in Gartow. Er entschied sich schon vor 20 Jahren gegen das atomare Endlager in Gorleben, unterstützt von den Kirchen- und Kapellengemeinden. Diese Entscheidung ist zum einen natürlich auf das Familienstatut zurückzuführen, in dem unter anderem folgendes festgelegt ist:
Grund und Boden, aber auch Vermögen, sollte innerhalb einer Familie bestehen bleiben, das heißt der Besitz ist nicht selbst zu verkaufen, sondern soll an künftige Generationen weitergeleitet werden.
Der Erbe hat Verantwortung für die Familie und den damit in Verbindung zu bringenden Besitz für die nächsten Generationen und deren Wohlergehen und nicht zu vergessen, er hat auch die Verantwortung vor Gott.

Durch ihren Besitz an den Salzabbaugerechtigkeiten und durch den Grundbesitz haben die Bernstorffs für die künftigen Generationen und für das, was mit ihnen geschieht, eine hohe Verantwortung. Denn gerade das Eigentum der Salzrechte ist für die Familie von Bernstorff von großer Bedeutung. Die Weigerung, die Salzrechte zu verkaufen, hat zur Folge, dass die Betreiber des Endlagers keine Querstollen unter ihr Land treiben können und damit auch keine vollständige Untersuchung des Salzstocks vollziehen können. Auch wenn viele denken mögen, das der Verzicht auf das viele Geld eine falsche oder eher leichtsinnige Entscheidung sei, war sie keinesfalls unüberlegt. Es war zwar eine schwerwiegende, aber dennoch eine gut durchdachte, auch ethisch begründbare Entscheidung. Familie Bernstorff will mit der Verweigerung des Grundstücks und den dadurch unmittelbar folgenden Unruhen darauf aufmerksam machen, dass der Weg, den die Betreiber des Endlagers einschlagen, so keinesfalls akzeptabel sei. So bemängeln die Bernstorffs, dass zu wenig Gespräche über eine für die Zukunft geeignete Politik geführt werden würden. Des weiteren würde nicht offen genug über die wirkliche Eignung des Salzstocks berichtet. Außerdem läge nach Meinung der Bernstorffs die Vermutung nahe, dass die Politiker die Entscheidung, ob das Endlager in Gorleben geeignet ist, schon lange gefällt haben, da bereits schon jetzt viele Castorbehälter ins Zwischenlager gebracht wurden. Auch der schon seit langem geforderte Kriterienkatalog, der die Eignung des Salzstocks festlegen soll, ist noch nicht erschienen.
Außerdem ist des öfteren aufgefallen, dass z. B. Samtgemeinden durch Abschließung eines Vertrages, der zur Unterstützung der Atompolitik dient, Geld in Höhe von Millionen ausgezahlt kriegen. Dadurch werden natürlich einflussreiche Kritiker ausgeschaltet und die Art der Vorgehensweise lässt somit enorme Zweifel offen.
Auch die Änderung von Gesetzen ließe vermuten, dass die Arbeit in der Atompolitik erleichtert werden solle. Durch die Änderung des Atomgesetzes z. B. sollen Enteignungen von Grundstücken und Salzrechten in Kürze ermöglicht werden. Dies würde natürlich bedeuten, dass die bislang so effektive Berufung auf die Salzrechte überflüssig ist und den Betreibern des Endlagers somit enorm geholfen wird. Des weiteren sieht die Familie von Bernstorff es als unbedingt notwendig an, auch andere als Endlager in Frage kommende Orte zu untersuchen, um so zu einer wirklich objektiven Betrachtungsweise zu gelangen. Diese eben genannten Punkte seien nach Ansicht der Bernstorffs in ihrer jetzigen Durchführung nicht akzeptabel.
Unter diesen Bedingungen kann und will Familie von Bernstorff sowohl ihr Gebiet als auch ihre Salzrechte nicht zur Verfügung stellen, da sie ihrer Verantwortung gegenüber der jetzigen und künftigen Generation nicht gerecht werden würden. Die Arbeit in der Atompolitik muss vor allem in der Praxis verbessert werden und so sieht Familie von Bernstorff in ihrem Besitz der Salzrechte Möglichkeiten der Verbesserung in der Durchführung der Atompolitik. Die Aufmerksamkeit, welche die Bernstorffs durch ihr Handeln bekommen, dient sozusagen als Mittel zum Zweck. So äußern sie in der Öffentlichkeit Kritik an der Vorgehensweise und stellen auch ihre Forderungen dar. Die Bernstorffs wollen dazu beitragen, dass sachgerechter und verantwortlicher gehandelt wird. Außerdem wollen sie erreichen, dass wissenschaftlich, technisch und ethisch genau vorgegangen wird. Es soll nach Wunsch der Bernstorffs eine auf hohem Niveau geführte Diskussion entstehen, welche die Risiken berücksichtigt und offen benennt und somit auch die Verantwortbarkeit festlegt.
So soll nach Möglichkeit die beste Lösung des Endlagerproblems gefunden werden. Wenn also ein objektiver Abwägungsprozess stattfände, würde Familie von Bernstorff nicht so stark auf ihrer Meinung beharren und ihre Entscheidung, die Salzrechte und ihr Gebiet nicht zu verkaufen, noch einmal genaustens überdenken. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass ein sofortiger und endgültiger Ausstieg aus der Atompolitik garantiert werden muss.
Bei dem Problem der Endlagerung in Gorleben spielt natürlich auch der kirchliche Aspekt eine wichtige Rolle. So verfügt die Familie über das Patronatsrecht, das heißt, sie kümmern sich um den Schutz von sieben Kirchen- und Kapellengemeinden und bestimmen somit auch einen Patronatsvertreter für den jeweiligen Kirchen- b.z.w. Kapellenvorstand.


Frau von Bernstorff ist seit 1976 Patronatsvertreterin im Kirchenvorstand Gartow. Außerdem ist sie im Kirchenkreistag Dannenberg und im Kirchenkreisvorstand aktiv, ist EKD-Synodale und arbeitet als stellvertretende Vorsitzende im Umweltausschuß in der EKD-Synode mit. Frau von Bernstorff ist also einer doppelten Belastung ausgesetzt, da sie auch für die Entscheidung der Kirche, die Salzgerechtigkeiten nicht zu verkaufen, mitverantwortlich ist. Auch eine gute Erziehung ihrer fünf Kinder ist b.z.w. war für die Bernstorffs sehr wichtig. Es war ihnen von großer Bedeutung, dass die Kinder sich frei entfalten und sich zu eigenständigen Personen entwickeln. So wurde den Kindern schon früh vermittelt, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen und dass sie nicht nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sein sollten, sondern auch und ganz besonders an ihre Nachkommen denken sollten. So unterstützen die Kinder aus eigener Überzeugung die Haltung der Eltern. Durch intensive Diskussionen zu Hause mit den Eltern wird das sehr umfassende und schwierige Thema genaustens behandelt und die Kinder wissen so auch über die Haltung und die Beweggründe Bescheid, die sie zum Verzicht auf das viele Geld brachten.
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So sind die Kinder der Familie Bernstorff selbst aktiv, nehmen an Demonstrationen teil und engagieren sich auch in der Schule zu dem Thema. Sollte sich an der momentanen Atompolitik nichts ändern, ist diese Haltung der Kinder natürlich sehr wichtig für die Bernstorffs. So wäre das ganze Engagement doch fast sinnlos, würden die Kinder die Gegenposition vertreten und später bei einer eventuellen Übernahme und bei andauernder Attraktivität des Gebiets sofort verkaufen. Die Bernstorffs sind also froh, dass sie auch bei ihren Kindern große Unterstützung finden und die Zukunft somit gesichert ist.

Das Gebiet (heute zählt diese Fläche bereits mehr als 2100 Hektar), auf dem seit den 50er Jahren ein mehrschichtiger Wald erzeugt wurde, dient momentan als Erholungsort. Dies und die hohe Qualität des Waldes mag ein weiterer Grund für die Standhaftigkeit des Grafen von Bernstorff gegenüber den Zumutungen der Atomwirtschaft in Gorleben gewesen sein, seinen Wald zu schützen.

Die Bernstorffs sind grundsätzlich sehr naturverbunden, gerade weil die Natur mehr und mehr bedroht ist. Sie haben ein starkes Naturbewusstsein und sehen sich deshalb in der Pflicht, die Natur zu schützen und zu bewahren. Dieses Bewusstsein und der Glaube der Bernstorffs, die Natur wurde ihnen b.z.w. uns von Gott anvertraut, sind sicherlich weitere Beweggründe, auf viele Millionen Mark zu verzichten.



obenAutoren: Jg. 13 (Abi 2000), Lehrerin Karin Aulike   Datum: September  99. Letzte Änderung am 03. April 2000
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