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Die Natur als Erfindung des Menschen
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Protestantische Profile, ein Wettbewerb der evangelischen Kirche

6. Die Vermittler: Wenn Pastoren dazwischenstehen - das Deeskalationskonzept

Kirche und Castor- wie paßt das denn zusammen?!? Das werden sich einige fragen, wenn sie auf diesen unscheinbaren (?) Zusammenhang hingewiesen werden. Es wird doch eher an Gorleben, Dannenberg, Polizei, Gewalt und Politik gedacht. Aber Kirche und Pastoren? "Die können doch nur in den Kirchen predigen und mit dem bös' erhobenen Finger die bösen Buben beschimpfen."
Dies ist vielleicht der einzig wahre Aspekt an dem Bild des Pastors, der bei den Castortransporten dabei ist. Allerdings scheint dieser für überregionale Zeitungen nur im Hintergrund zu stehen, denn er wird nur selten erwähnt oder gelobt. Leider scheint auch in diesen Blättern der Skandal und der böse Randalierer im Vordergrund zu stehen, als der Mensch, der anderen schwere Verletzungen erspart hat und sich als Vermittler zwischen die Fronten stellt. "Fast alle Pastoren des Landkreises sind im Einsatz, um die Eskalation der Gewalt zu verhindern"(Quelle I). und "Bauern werden mit ihren Schleppern die Straßen blockieren, Pastoren werden demonstrierende Gemeindemitglieder beschwichtigen und einigen vielleicht einen Knüppel aus der Hand nehmen"(Quelle II). Dies sind die einzigen Quellen, die man nach langem Suchen über die Arbeit der Pastoren bei den Castortransporten in den Zeitungen gefunden hat. Mangelhaft, wenn man mehr über die Arbeit weiß, die Pastoren in diesen Tagen verrichten mußten.
Viel einprägsamer ist da das erst gezeigte Bild des gutgläubigen Pastors, der nur auf den Glauben Gottes hofft, um das Schicksal abzuwenden. Dazu geben die Zeitungen wesentlich mehr Material her, gerade in Form von Zeichnungen. So zum Beispiel die Karikatur, wo ein fröhlich aussehender Pastor im Talar und einem Schild mit der Aufschrift "Friedlicher Protest" einher zieht, ein Mädchen- offenbar sehr "Grün eingestellt"- und zwei Burschen mit sich führend. Allerdings verstehen diese beiden das Schild etwas anders als der Pastor, denn sie sind vermummt und schmeißen mit Molotow- Cocktails und Steinen, bleiben aber immer in der Nähe des Pastors, um sich unter dem Talar verstecken zu können.

paskarik.gif 280x209 Ist dies das wahre Bild eines Pastors bei Castortransporten?

Ein simples und rufschädigendes Bild für den Pastor, da dies so nicht stimmt. Als erstes ist es den Pastoren nicht erlaubt, im Talar bei solch einer Veranstaltung mitzuwirken, noch diese in ihrer "Dienstkleidung" anzuführen. Auch wollen sie nicht die "bösen Buben" schützen, die sich vermummen und feige Menschen verletzen, ohne daß dieses geahndet werden kann; sie wollen den Menschen helfen. Der einen, wie auch der anderen Seite. Sie wollen den Demonstranten klarmachen, daß sie, wenn sie sich den Befehlen der Polizisten widersetzen, diese andere Befehle erhalten und sie so die nächsten Wochen im Krankenhaus verbringen könnten. Den Polizisten wollen sie zeigen, daß zum Beispiel der Schlagstock- Einsatz bei friedlich sitzenden Demonstranten völlig überflüssig ist.
Da gibt es ein Beispiel, wo die Polizisten die Menschen trotz Befehl des Schlagstock- Einsatzes weiter von der Straße getragen haben. Die Demonstranten verhielten sich dementsprechend kooperativ und die Polizisten erhielten nach dem Transport Beifall und Lob von ihnen.
Könnte nicht jede Demonstration so friedlich verlaufen? Da man bei Berichten über die Castortransporte immer die gleichen Beschreibungen und Bilder gesehen hat: Gewalt und Haß weiß man nichts über die Personen im Hintergrund. Wobei wir wieder bei dem Bild der Pastoren wären, die versuchen, diese Aktionen menschlicher zu machen, ohne daß irgend jemand ins Krankenhaus muß. Sollte man diesen Personen nicht etwas Aufmerksamkeit und Dank entgegen bringen? Kann man nicht einfach sagen: "Bitte, wir können das auch friedlich regeln!" Der Einsatz von Gewalt ist dagegen natürlich leichter und bringt den Polizisten schneller den gewünschten Erfolg. Die Bürgerinitiative "X-1000 Mal quer" hat bei einem Transport darum gebeten, die Polizisten nicht zu beschimpfen. Dieser Transport ist wesentlich menschlicher abgelaufen, als daß man es sich von einem Castortransport vorstellen kann- nach den vorangehenden üblen Bildern der Presse.
Man sollte sich also schon eine eigene Meinung bilden, da auf das Bild im Fernsehen oder der Zeitung anscheinend nicht immer Verlaß ist. Dabei wäre eine beidseitig ausgeglichene Berichterstattung schon von Vorteil. Auch können die Beteiligten ihre Meinung über schon veröffentlichte Artikel zur Schau- und einiges klarstellen, damit das Bild von den bösen Demonstranten, den "schlagwütigen" Polizisten und den "nichts tuenden" Pastoren in den Köpfen der Menschen verblaßt. Denn dies ist nicht wahr.
Zum Abschluß eine weitere Karikatur, die das Bild des Pastors darstellen soll. Ob dieses Bild der Wirklichkeit entspricht oder dem Betrachter nur eine vorgefertigte Meinung eines Karrikisten aufzeigt, möchten wir dabei offen lassen. Aber nach diesem Bericht sollte die Antwort auf der Hand liegen:

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Literatur:

Quelle I: Die Zeit; Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH; 7.03.1997; Autor: Verena Gaserow; "Es geht ein Zug nach nirgendwo"

Quelle II: Die Zeit; Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH; 28.02.1997; Autor: Verena Gaserow; "Mit Gott gegen Castor"

Karikatur I: Die Zeit; Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH;

Karikatur II: Hamburger Abendblatt; Springer- Verlag; 26.05.1998; Zeichner: Andreas Wolf



obenAutoren: Jg. 13 (Abi 2000), Lehrerin Karin Aulike   Datum: September  99. Letzte Änderung am 03. April 2000
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