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Protestantische Profile, ein Wettbewerb der evangelischen Kirche
Der uns einzige gestattete "Blick" zum Innenhof des Lagers. Durch die ganzen Sichertsmaßnahmen war es uns unmöglich dem Haupttor zu nähern Dieser hässliche Bau war alles, was wir erspähen konnten. Der Rest der Anlage verschwand hinter dem Hügel
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7. Das Gegenüber: Die Polizei zwischen Dienst und Überzeugung

Um unser Bild von den Demonstrationen in Gorleben abzurunden und einen möglichst objektiven Eindruck zu bekommen, wollten wir am Ende unserer Recherche gern noch mit Menschen von der Polizei reden, die an den Demonstrationen in beteiligt sind. Denn schließlich sehen Polizisten die Demos ja von einer ganz anderen Seite als die Pastoren.
Außerdem waren wir von Herrn Kritzokat auf ein unnötig brutales Vorgehen aufmerksam gemacht, das speziell der Berliner Polizei vorgeworfen wurde. Auch sei die Vorbereitung der Polizisten auf diese Einsätze in den einzelnen Bundesländern verschieden gut.
Wir waren nun der Meinung, daß die Polizei zumindest die Möglichkeit haben sollte, sich zu diesen Vorwürfen zu äußern.
Doch es erwies sich als relativ schwierig einen Polizisten für ein Interview in die Schule zu bekommen. Doch Frau Aulike überzeugte die Polizei schließlich doch durch unsere schon umfangreich gesammelten Informationen zum Thema Gorleben. Wir hatten ja auch wirklich nicht vor, die Polizisten persönlich anzugreifen und zu beschimpfen.
Es bleibt zu sagen, daß die Doppelstunde, in der die beiden Beamten von der Beziksregierung da waren, wie auch die anderen Stunden mit Referenten, sehr interessant und informativ war. Es fiel positiv auf, daß die beiden Herren sich durchaus hin und wieder in ihrem Redefluß stoppen ließen und wir wirklich die Möglichkeit hatten, Fragen zu stellen.

Nun aber zu dem inhaltlichen Verlauf der Stunde:

Herr Albrecht und Herr Felgentreu, die beiden schon erwähnten Polizisten, sind in der Bezirksregierung für den Staatsschutz und die Strafverfolgung, sowie für die Planung der Einsätze beim Castortransport und die rechtliche und strategische Beratung zuständig.

Wie wird ein Castortransport in Gorleben vorbereitet?

Wenn ein Castortransport ansteht, werden zunächst alle Beteiligten der 2800 Polizeibeamten Lüneburgs informiert.
Es wird eine Sitzung für die Organisation einberufen. Es wird ein Film gezeigt, der die Meinungen der Bevölkerung wiedergibt, um den Beamten ein genaueres Bild von den "Zuständen", die in Gorleben herrschen, zu vermitteln. Bei der Planung werden auch Witterungsverhältnisse und einzelne rechtliche Dinge berücksichtigt. Erst dann kann ein genaues Konzept erstellt werden.

Welche Meinung hat man bei der Polizei zu den Gefahren, die durch die Strahlendosis des Castors für die Beamten entstehen könnten?

Die beiden anwesend gewesenen Polizisten verdrängen die möglichen Folgen für die den Castor begleitenden Beamten anscheinend, denn sie wollten von diesem "technischen Geplänkel" nichts wissen. Doch gäbe es durchaus auch Kollegen, die den Einsatz bei Castortransporten verweigern hätten wollen, dieses aber bei dem Verwaltungsgericht nicht durchsetzen hätten können.

Ist es möglich, daß Beamte durch Befehle bei Demonstrationen gezwungen werden gegen Bekannte oder Familienangehörige vorzugehen?

Dieses solle vermieden werden, um die Polizisten nicht in einen Gewissenskonflikt geraten zu lassen. Kollegen aus dem Wendland seien von dem eigentlichen Einsatz ausgeschlossen.

Was macht die Polizei eigentlich genau, wenn Demonstranten die Straße blockieren?

Die Menschen, die auf der Straße sitzen, werden weggetragen. Vorher warnt man sie jedoch und informiert sie über das, was als nächstes passieren wird.

Werden unter keinen Umständen härtere Methoden angewendet?

Die Polizisten hätten das Recht, den Schlagstock zu verwenden, um die Finger sich aneinander festhaltenden Demonstranten zu lösen. Notfalls würden die demonstrierenden Menschen durch kaltes Wasser auseinander getrieben werden. Für den Fall, daß auch diese Maßnahme nichts bringt, sei man nun gezwungen, Wasserwerfer und Schlagstöcke auf Arme und Schultern einzusetzen.

Wer entscheidet, was mit den Demonstranten "gemacht" wird?

Die einzelnen Maßnahmen gegen die Demonstranten werden mit dem Abteilungsleiter abgeklärt, Zwangseinsätze sind aber rechtlich gestattet. Übrigens werden Fotos und Videos von straffällig gewordenen Demonstranten in Akten gesammelt, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.

Was passiert mit Polizisten, die während der Demos gegen das Gesetz verstoßen?

Auch die Polizisten werden strafrechtlich verfolgt, bekommen ein Disziplinarverfahren und können wegen Körperverletzung auch suspendiert werden.

Ist an den Vorwürfen speziell gegen das Vorgehen der Berliner Polizei etwas dran?

Die beiden Beamte von der Bezirksregierung haben uns erklärt, daß diese Anschuldigungen völlig falsch seien, da die Berliner Polizei auch nur auf Befehl der Einsatzleitung hin gehandelt habe. Das es ausgerechnet während ihrer Einsatzzeit so viel Verletzte gab, läge daran, daß die Instruktion härter einzugreifen einfach erst dann gegeben wurde, als es ihre Aufgabe war, in das Geschehen einzugreifen.

Zumindest in dem letzten Punkt erkennt man, daß sich die Beobachtungen der Pastoren und der Polizisten manchmal ganz schön unterscheiden. Während Herr Kritzokat beschrieben hat, wie grausam die Berliner Polizisten bei ihrem Einsatz vorgegangen seien und mit welch roher Gewalt sie auf eine ehemalige Konfirmandin von ihm eingeschlagen hätten, hat die Berliner Einheit nur einen Befehl ausgeführt, den auch jeder andere Zug hätte bekommen können.
Sicher ist und kann auch keine der beiden Sichtweisen neutral sein. Mit der großen Objektivität, von der die an den Castortransporten beteiligten Pastoren behaupten, daß sie sie hätten, ist es also auch gar nicht so weit her.
Wenn man sich also über das Thema Castor informieren möchte, sollte man sich also möglichst viele Meinungen anhören, da sie, wie man sieht, teilweise weit voneinander entfernt liegen.



obenAutoren: Jg. 13 (Abi 2000), Lehrerin Karin Aulike   Datum: September  99. Letzte Änderung am 03. April 2000
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