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Die Natur als Erfindung des Menschen
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Fiktive Lehrergespräche

Fiktive Lehrergespräche

Mit zwei fiktiven Lehrergesprächen haben wir versucht, die damalige Stimmung im Kollegium "einzufangen" und auch die Bedenken einer Expo-Teilnahme des Johanneums wiederzugeben. Insbesondere die Projektarbeit sowie das fächerübergreifende Arbeiten und die Interpretation des Expo-Mottos lösten vielfache Diskussionen aus. Gleichzeitig dokumentieren diese fiktiven Gesprächsrunden einige Stationen aus der Anfangszeit der Expo-Teilnahme des Johanneums.

 

Ein Gesprächskreis : Szene I

Lehrerzimmer am frühen Nachmittag; die Kolleginnen C und D sitzen beieinander,

unterhalten sich , vor ihnen auf dem Tisch viel bedrucktes Papier , Protokollbücher,

neben ihnen stehen Videorecorder und PC.-

Herein kommt N., ein Kollege , erst seit 6-7 Wochen am Johanneum; er balanciert einen Stapel Klausurmappen und lässt diesen etwas heftig auf die Tischplatte fallen .

N: Das lob´ ich mir, ein kleiner Nachmittagsplausch !!

C: Von wegen , geschätzter Kollege , sieht das nach Plausch aus?! Immerhin sichten wir, was sich bisher alles in Sachen Expo-Projekt am Johanneum getan hat , und wenn du mehr darüber wissen willst , kannst du dich gerne dazusetzen !

N : Nicht schlecht, das lenkt mich vielleicht etwas von diesen ... prächtigen Klausuren ab. Ich hol´ uns einen Kaffee, dann hör ich euch aufmerksamst zu - das Projekt-Fieber an dieser Schule ist mir tatsächlich ein bisschen unheimlich, jetzt will ich´s wissen.

N kehrt nach wenigen Minuten mit Kaffee und entsprechenden Utensilien zurück.

D: Deine Bemerkung über das "Projekt-Fieber" hörte sich ziemlich spitz an, was hast du gegen Projekte, die hier im Expo – Rahmen geplant und durchgeführt werden ?

N: Gut, wenn du mich schon so fragst, will ich einfach mal ein paar allgemeine Bemerkungen los werden . Eigentlich fängt das schon mit den Themen an, unter die das Ganze gestellt ist: "Welche Schule braucht die Zukunft unserer Welt ?" – eine fast lächerlich hochtrabende Frage finde ich, zumal wenn man sich die Bedeutungslosigkeit der Schule für die gesellschaftliche Zukunft klarmacht ; Schule ist doch nicht mehr als ein Reflex auf die gesellschaftlichen Vorgaben; und euer schuleigenes Thema "Die Natur als Erfindung des Menschen" macht mich ziemlich ratlos, wenn ...

C: Na, nun mal langsam , - darum geht es doch gerade : Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und die Anschauungen über sie , sie sind im Umbruch und formulieren neue Ziele, da kann Schule , können wir als Lehrer nicht einfach passiv dabeistehen und den herkömmlichen Unterricht machen , dann würde Schule erst recht bedeutungslos. Vielleicht hängt die relative Bedeutungslosigkeit der Schule auch jetzt schon mit ihren veralteten Methoden zusammen .

D: Also ein bisschen anders sehe ich das schon -: Das ist doch gerade ein Vorteil der Schule, dass sie gegenüber der Gesellschaft immer eine gewisse Korrektiv-Funktion haben darf oder wenigstens nicht alles mitvollziehen muss , was Politik und Gesellschaft im Moment als "zukunftsträchtig" und "modern" propagieren .Und das heißt zum Beispiel, dass herkömmlicher Unterricht , ich meine also den weniger schülerzentrierten , weniger fächerübergreifenden etwa, gegenüber allen Neubewertungen und Umbrüchen sich wenigstens teilweise als geeigneter herausstellen kann.

C: Also gut , vielleicht können wir uns erstmal so einigen: Das angeblich hochtrabende Thema stellt Schule und Unterricht unter eine sehr entscheidende Perspektive , und es fragt sich dann nur noch , mit welchem Ausmaß an Scharfsicht wir diese Perspektive einnehmen , wie eingehend und differenziert wir alle über Curricula , Methoden , außerschulische Lernorte usw. diskutieren und auch bereit sind , Neues zu erproben . Das geht, wie wir ja sehen , wohl nicht ohne Konflikte ab , aber ich denke mir , wir alle können dabei gewinnen , durch intensivere Zusammenarbeit innerhalb der Fachgruppen und auch über Fachgrenzen hinweg . Mir liegt an dieser Aufbruchstimmung und an intensiveren Diskursen .

N: Na , da will ich deine Euphorie mal gleich wieder dämpfen : Macht dich euer schuleigenes Thema "Die Natur als Erfindung des Menschen" nicht ratlos ? Wie wollt ihr denn Projektthemen finden, die diesem Motto gerecht werden ? Wie weit seid ihr denn mit der Planung und Durchführung solcher Projekte ? Wie weit sind die Schüler beteiligt ? Wenn ich das richtig sehe , sind das Fragen , die sich viele im Kollegium stellen . Klar, einiges habe ich schon am Expo – Brett gelesen und in Gesprächen gehört, aber im Ganzen...!

C: Das geht mir jetzt zu sprunghaft ; erstmal zum Expo – Motto : Es ist das Thema unserer Schule , das Thema eben , das wir zusammen mit der Bewerbung in der Gesamtkonferenz im Juni 97 mit ganz großer Mehrheit beschlossen haben , ich hab es hier gerade noch gelesen: sieben Gegenstimmen gab es . Klar, dass es erst einige Schwierigkeiten machte , den Schülern und auch uns , die Dimensionen des Themas zu verstehen, aber jetzt , nachdem alle Fachkonferenzen und wir alle in der Dienstbesprechung im Februar und dann nochmal im März 98 auf der Gesamtkonferenz darüber gesprochen haben ....

D: Richtig, ich finde gerade auch das Logo, das gerade prämiert wurde, macht die Idee des Mottos schön deutlich: der Mensch macht sich mit Hilfe von Modellvorstellungen die Natur zugänglich und glaubt sich anscheinend dadurch im Recht, sie seinem Handeln zu unterwerfen.

C: Problematisch finde ich tatsächlich, Projektthemen zu formulieren und zu planen, die diesem Expo-Motto gerecht werden. Aber muss das wirklich sein – die enge thematische Bindung meine ich ? Wenn wir uns etwas weniger an das Motto binden, erreichen wir eine viel größere Projektvielfalt . Ich finde gerade auch die Unbefangenheit gut , mit der die Schüler in dem Ideenwettbewerb im Dezember ihre Projektvorschläge machten. Wichtig ist sicher, dass wir unsere Vorstellungen, zum Beispiel aus den Fachkonferenzen , mit denen der Schüler zusammenbringen .



obenAutoren: Herr Ziese, Herr Radewaldt Datum: Februar 2000. Letzte Änderung am 15. März 2000
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