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Johanneum zur EXPO 2000

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Die Natur als Erfindung des Menschen
Schulentwicklung

Linie Bedrohen Krähen unsere Singvögel?

Im Zusammenhang mit dem Projekt „Zeitung in der Schule“ habe ich für mein Langzeitthema „Natur und Tiere“ Zeitungsartikel aus der Landeszeitung herausgesucht. Besonders neugierig gemacht haben mich die Artikel über die Lämmer, die angeblich von Krähen getötet wurden. Die Nachrichten darüber habe ich verfolgt und aufgeklebt. Am Ende der Artikelreihe habe ich mir neue Informationen besorgt, indem ich zur oberen Naturschutzbehörde gegangen bin und mit dem für Artenschutz zuständigen Mitarbeiter der Bezirksregierung Lüneburg ein Interview durchgeführt habe. Mit den Informationen des Interviews habe ich mir meine eigene Meinung gebildet. Bild von Katharina Wiens in groß (66K)

 
Viele Menschen sind der Meinung, daß die Anzahl der Elstern, Raben und Krähen in letzter Zeit so zugenommen hat, so daß sie andere Vogelarten ausrotten könnten. Dies ergibt sich aus den Leserbriefen der LZ vom 9./10.5.98. Auch sollen sie Lämmer töten können. So klagt in einem Artikel der LZ vom 5.5.98 ein Schäfer: Krähen töten meine Lämmer. Die LZ-Artikel zum Tod der Lämmer sowie die abgedruckten Leserbriefe vermitteln den Eindruck, daß Krähen für die Natur eine besondere Bedrohung darstellen würden.
Das hat mich sehr fasziniert, und ich bin diesen Behauptungen nachgegangen.
 
Zuerst habe ich Danny Wolff von der oberen Naturschutzbehörde der Bezirksregierung Lüneburg zu diesem Problem befragt. Die in der LZ wiedergegebene Meinung teilt er nicht. „ Nach der EU-Richtlinie sind seit 1979 alle wildlebende Singvögel unter Schutz gestellt. Dazu gehören zwar auch Krähenvögel, aber die Sorge, daß Singvogelarten deshalb aussterben, ist unbegründet“, erläutert Wolff . „Elstern und andere Rabenarten sind beim Beutefang nicht auf die Nester einer bestimmten Vogelart fixiert. Welche Eierarten sie erbeuten, ist eher zufällig und verteilt sich deshalb auf alle Vogelarten.“
 
„Daß viele Menschen glauben, die Krähen würden sich unkontrolliert vermehren, läßt sich nur wie folgt erklären“, erläutert Wolff. „Wiesen mit nicht so hohem Gras sind der Lebensraum der Rabenkrähen, wo sie ihre Nahrung finden. In letzter Zeit wurden viele solcher Wiesen entwässert und zu Äckern umgewandelt. Die Rabenkrähen sind vermehrt in städtischen Bereichen zu finden, wie z. B. Müllhalden und Kleingärten. Dadurch fallen sie den Bewohner einer Stadt mehr auf. Aber im Herbst gibt es tatsächlich mehr Rabenkrähen. Das liegt daran, daß die Rabenkrähen in Sibirien in dieser Jahreszeit keine Nahrung mehr finden und nach Deutschland ziehen. Vor der Brutperiode fliegen sie wieder nach Sibirien zurück.“
Die Aussage, daß Rabenkrähen keine natürlichen Feinde haben, trifft so nicht zu. Habicht und Sperber können sogar dem relativ großen Kolkraben gefährlich werden. Die Untersuchung eines Professors aus Hamburg hat ergeben, daß Raben mit mindestens einem Kilometer Abstand von einem Habichthorst brüten.
Trotzdem ist es unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, Rabenkrähen zu schießen. Und zwar werden solche Genehmigungen erteilt, wenn andere Arten gefährdet sind oder großer Schaden droht.“
Nach diesen allgemeinen Erklärungen fragte ich Herrn Wolff, ob es wirklich möglich sei, daß Krähen Lämmer töten würden. Das verneinte er. Die tierärztliche Untersuchung des Lammes habe ergeben, daß die Lämmer nicht von Krähen, sondern von Säugetieren getötet worden seien (LZ berichtete: Säugetiere töten Lämmer). Dabei könnte es sich um streunernde Hunde, Füchse oder einen Dachs handeln.
 
Aufgrund meines Interviews mit dem Vertreter der oberen Naturschutzbehörde bin ich zu dem Ergebnis gekommen, daß die in den Leserbriefen wiedergegebene Meinung, daß Krähen unsere Singvögel bedrohen, so nicht zutreffend ist. Damit der Leser der Zeitung sich selbst eine Meinung bilden kann, hätte auch ein Leserbrief mit anderer Auffassung oder ein Artikel mit einer Stellungnahme einer Naturschutzbehörde oder eines Naturschutzverbandes abgedruckt werden müssen, denn in der Zeitung sollen doch die verschiedenen Meinungen zu einem Thema dargestellt werden. In meinem Beobachtungszeitraum vom 6. - 20.5.98 ist dies nicht geschehen.

Katharina Wiens 13 Jahre



obenAutorin dieser Seite Katharina Wiens  Verantwortlich Gisela Müller .  Datum 1.7.98.  Letzte Änderung am 30. Juli 2004
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