Archiv: Diese Seiten werden nicht mehr bearbeitet!
Exposystem Johanneum zur EXPO 2000 Alphabetischer Index nach unten
Die Natur als Erfindung des Menschen
Schulentwicklung   Bewertung unserer Schulentwicklung

Schulentwicklung am Johanneum

September 1999

In den letzten Jahren ist die Schullandschaft in Bewegung geraten. Schulen haben aus unterschiedlichen Gründen selbst ihre eigene Weiterentwicklung initiiert, getragen von engagierten Lehrerinnen und Lehrern. Dies gilt auch für das Johanneum. Kolleginnen und Kollegen versuchen, sich in ihrer pädagogische Arbeit neu zu orientieren, da sie erkannt haben, dass eine veränderte Gesellschaft eine veränderte Schule erfordert. Dass der gesellschaftliche Wandel zu einem wachsenden Veränderungsdruck in den Schulen führt, kann hier nicht in der notwendigen Ausführlichkeit erörtert werden. Letztlich geht es dabei um folgende zentrale Fragen, die sich für jede Schule, die sich in diesem Sinne "auf den Weg macht", stellen: Diese Fragen sind sicherlich nicht alle neu, aber die Antworten sind aufgrund des veränderten Lern- und Sozialverhaltens der Schüler/innen ungleich schwieriger geworden. Soziale und kulturelle Heterogenität innerhalb der Lerngruppen haben sich verändert und werden sich zunehmend verändern. Die Entwicklung zur Individualisierung aufgrund neuer Informations- und Kommunikationssysteme in der Gesellschaft vollzieht sich rascher als von vielen angenommen und macht auch vor der Schule nicht halt. Die Anforderungen der Berufs- und Arbeitswelt in modernen Industriestaaten zwingen Schulen, nicht nur Wissen, sondern Sozialkompetenz zu vermitteln - sog. "Schlüsselqualifikationen" - sowie die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen zu wecken bzw. zu fördern. In der Münsterschen Erklärung vom 27.3.1998 heißt es daher: Vor diesem Hintergrund ist auch die pädagogische Arbeit am Johanneum zu sehen. Innovationswille und Innovationskreativität dürfen allerdings nicht zur pädagogischen Beliebigkeit führen. Die Arbeit am Johanneum zeichnet sich dadurch aus, dass zunehmend folgende Innovationsfelder die schulische Arbeit bestimmen: Mit anderen Worten: Im Zentrum der Schulentwicklung steht die Veränderung der Lernkultur bzw. eine Verbesserung des Unterrichts.

Pädagogische Schulentwicklung am Johanneum soll in machbaren und gemeinsamen Schritten vollzogen werden. Machbare Schritte gehen heißt: Innovative Schritte werden in überschaubaren Einheiten geplant und durchgeführt. Dabei orientieren sich die erste Vorhaben an sicheren Erfolgsmöglichkeiten, um in der Anfangsphase den selbst gestellten Erwartungsdruck möglichst niedrig zu halten, denn Schulentwicklung weckt in fast jeder Phase vielfältige Erwartungen und riskiert somit auch Enttäuschungen. Schritte gemeinsam gehen bedeutet vor allem: Am Johanneum wird diese Entwicklung von etwa einem Drittel der Kolleginnen und Kollegen aktiv unterstützt. Es kann nicht erwartet werden, dass das gesamte Kollegium sich geschlossen hinter diese Art innerer Schulreform stellt. Wichtig ist, dass die aktiven Kolleginnen und Kollegen die Akzeptanz und Toleranz der anderen für ihr Tun erfahren, damit Rechtfertigungen oder sich wiederholende Grundsatzdiskussionen nicht stets aufs Neue aufflammen und die erfolgreiche Arbeit behindern. In diesem Prozess sind im Rahmen eines schulischen Projektmanagements zudem die notwendigen Kooperations- und Partizipationsstrukturen aufgebaut worden.
Unsere Schulentwicklung wird von drei grundsätzlichen Fragen bestimmt:

Um konsensfähige Antworten zu finden, müssen im gesamten Verlauf des Schulentwicklungsprozesses Diskussionen geführt und Zielabklärungen geleistet werden; daraus sollten sich pädagogische Leitbilder, die dem Johanneum ein unverwechselbares Profil geben, entwickeln. Aus den Leitbildern werden sich Entwicklungsschwerpunkte ableiten lassen; die Ergebnisse der jeweiligen Entwicklung müssen schulintern evaluiert werden. An dieser Stelle des Prozesses befindet sich das Johanneum zu Beginn des Jahres 2000.

Schulentwicklung und EXPO 2000

1997 hat sich das Johanneum an dem Wettbewerb der EXPO 2000 "Welche Schule braucht die Zukunft unserer Welt?" beteiligt und hat sich im Januar 1998 als eine von insgesamt 28 niedersächsischen Schulen und Bildungseinrichtungen als sog. EXPO - Schule qualifiziert.

Die EXPO - Aktivitäten des Johanneums stehen im Zusammenhang mit den Leitthema der EXPO "Mensch - Natur - Technik" und werden unter dem Titel "DIE NATUR ALS ERFINDUNG DES MENSCHEN" realisiert. Dahinter steckt die Idee, dass wir Menschen die Natur nicht nur vorfinden, sondern sie zugleich in sehr unterschiedlicher Weise "erfinden": als Schöpfung Gottes, als lebendigen Organismus, als Rohstoff und Kapital etc. Die Menschen in den entwickelten Industriegesellschaften leben auf Kosten Dritter: der Natur, der Dritten Welt und der nachgeborenen Generationen. Zu einer Veränderung dieses Verhaltens kann es erst dann kommen, wenn die Menschen ihre Zugehörigkeit zur Natur begreifen und als Bedürfnisse entwickeln, die einem solidarischen "Mitsein" mit allen anderen Lebewesen entsprechen.

Diese Ausführungen machen deutlich, dass die EXPO - Vorhaben als Bestandteil der bereits vorher begonnenen Schulentwicklung zu sehen sind. Die Teilnahme an der Weltausstellung im Jahr 2000 bietet der Schule eine gute Gelegenheit, vorhandene Ansätze und bereits begonnene Entwicklungsschritte zu bündeln; zudem bringt die Verpflichtung, an der EXPO 2000 teilzunehmen, mit sich, dass die Entwicklung der Schule gezielter, konzentrierter und verbindlicher vorangetrieben werden kann.

Hieraus wird auch deutlich, dass mit der Weltausstellung in Hannover die innerschulische Reform nicht enden, sondern in einer Weiterentwicklung zu einem Schulprogramm - dies an jeder Schule zu verwirklichen, ist der bildungspolitische Wille des niedersächsischen Kultusministeriums - fortgeführt werden soll.

Vier Thesen zu einer erfolgreichen Schulentwicklung

These 1:
Jede Schulentwicklung muss als pädagogische Schulentwicklung beginnen, d.h. Schulentwicklung ist Unterrichtsreform, Erweiterung und Erneuerung schulischer Lernkultur.

Begründung:

Für Lehrer/innen steht eindeutig der Unterricht im Zentrum des Berufsalltages, so dass Veränderungen, die in der Regel Skepsis, Ängste oder Widerstände auslösen, nur dann angenommen werden, wenn sie als Hilfe für die täglichen pädagogischen Herausforderungen zu erkennen sind. Alle Bemühungen um Schulentwicklung drohen zu scheitern, wenn sie den Unterricht nicht erreichen. "Der erste Schritt zur Schulreform ist die Entfaltung der Methodenkultur im Unterricht" (H. MEYER, 1995, S. 122). Mit anderen Worten: Im Zentrum der Schulentwicklung steht zweifelsfrei die Veränderung der Lernkultur bzw. eine Verbesserung der Unterrichtskultur.

These 2:
Schulentwicklung muss als Unterrichtsreform in machbaren Schritten gemeinsam begonnen und vollzogen werden.

Begründung:

Jede Schulentwicklung beinhaltet neben der Erfüllung von Erwartungen auch Enttäuschungen, denn Unterrichtsreform stößt an organisatorische und institutionelle Grenzen, die in der Regel individuell nicht überwunden werden können. Daher benötigt Schulentwicklung

Schulentwicklung muss auf alle Subsysteme des Betriebes Schule ausstrahlen; klingt sich auch nur ein Subsystem aus, dann ist eine effiziente Schulentwicklung kaum durchführbar.

Schritte gemeinsam gehen heißt:

Machbare Schritte gehen heißt:

Dennoch sollte niemals übersehen werden, dass Schulentwicklung Mehrarbeit bedeutet, bei der die individuelle Komfortgrenze - wie H.G. Rolff es formulierte - recht häufig überschritten wird.

These 3:
Jedes Schulentwicklungs - Konzept sollte von der eigenen Ausgangsposition ausgehen.

Begründung:
Es gibt keine Rezepte für erfolgreiche Schulentwicklung, nach denen alle, die sich auf den Weg machen, verfahren können. Schulentwicklung beginnt in der Regel mit einer Bestandsaufnahme, d.h. einer Feststellung und Beschreibung des Ist-Zustandes: Der Frage "Wo stehen wir?" schließen sich naturgemäß die Fragen "Wo wollen wir hin?" und "Wie gelangen wir dorthin?" an. Auch wenn eine Bestandsaufnahme immer eine Defizitanalyse einschließt, die Stärken einer Schule sollten in ihr deutlich benannt werden, denn Stärken aufzeigen, bedeutet Energien freisetzen.

These 4:
Schulentwicklung muss im Zusammenhang mit Organisationsentwicklung gesehen werden.

Begründung:
Auch wenn es unstrittig ist, dass das Hauptinteresse pädagogischer Schulentwicklung in der schulinternen Verbesserung der Lernkultur liegt, so folgen aus schulischen Entwicklungsprozessen auch Veränderungen institutioneller Bedingungen. Eine innovative Schule versteht sich immer gleichzeitig als lernende Organisation (vgl. Kapitel 6).

Zusammenfassung

Viele Fragen der Schulentwicklung sind nicht neu, erhalten aber in ihrer Wertigkeit eine neue Qualität. In diesem Sinne ist der Hamburger Erziehungswissenschaftler Johannes BASTIAN zu verstehen: "Wie kann ich das, was mir bei meinen Bemühungen um einen veränderten Unterricht alleine nur in Ansätzen gelungen ist, gemeinsam mit anderen versuchen? Also: Wie kann ich von anderen und mit anderen lernen, meinen Unterricht zu verändern? Wie kommen wir zu einer gemeinsamen Erprobung von neuen Lehr- und Lernformen, zu einer Öffnung des Unterrichts, zu Projektunterricht etc..... Wie können wir Schüler stärker in die Gestaltung von Unterricht und Schulleben einbeziehen? Aber auch:

Was muß sich an unserer Schule ändern, wenn sich Unterricht ändert? Also: Wie müssen Stundenpläne, Lehrpläne, Zeittakte, Räume und Leistungskriterien bei einem veränderten Unterricht aussehen? Wie sehe ich meine Rolle als Lehrer, wie sehen die anderen ihre Rolle und wie muß sich diese Rolle langfristig ändern?

(BASTIAN, 1997, S. 10)

nach oben Autor: Schulleiter OStD Peter H. Nissen Datum Sept. 99 Letzte Änderung am 09. April 2000
Exposystem [Exposystem] [Schulentwicklung] [Bewertung] Überblick [Dokumentationsteam] [Email s.Ueberblick] Informationssystem