Archiv: Diese Seiten werden nicht mehr bearbeitet!
Exposystem Johanneum zur EXPO 2000 Alphabetischer Index unten
Die Natur als Erfindung des Menschen
Schulentwicklung   Balladen

Balladen in Deutsch

Fachlehrerin: Frau Müller

Allgemeine Einführung
Balladen des 19. Jhs. Balladen und ihre Stoffvorlage Gesellschaftskritische Balladen der Neuzeit




Allgemeine Einführung

In der Zeit vom 8.5. - 21 7. 1998 wurde mit einigen Unterbrechungen in Deutsch und Musik ein Balladenprojekt durchgeführt, dessen Ziel eine szenischen Interpretation mit einer Aufführung in der Schulöffentlichkeit war. Dabei wurde zum Teil additive, zum Teil kooperative Zusammenarbeit durchgeführt. Die Unterbrechungen in Deutsch waren bestimmt durch den Abschluss des Projektes Zeitung in der Schule sowie der Vorbereitung und Durchführung der letzten Klassenarbeit.

Additiv verlief die Behandlung von Balladen von Goethe bis Biermann im Deutschunterricht einerseits und die Behandlung von Balladenvertonungen und Musikstücken, die bei der szenischen Interpretation eingesetzt werden sollten, andererseits.

Kooperative Teamarbeit führte zur Einstudierung von Chamissos "Riesenspielzeug" und Goethes "Totentanz".

Didaktische und methodische Anregungen lieferten die Stundenblätter Balladen" und Angelika Kriege Balladen hören, spielen, verstehen" Reihe Werkstatt Literatur aus dem Klett Verlag, Praxis Deutsch" Nr. 115, Sept. 92, S. 46 - 51 und Praxis Schule" 5 - 10, Heft 1/95, S. 22 - 26.

Als Textgrundlage diente in den meisten Fällen das Lesebuch "Arbeit mit Texten" 7/8 aus dem Schroedel Verlag, außerdem "Deutsch in 8" aus dem Schöningh Verlag und Umdrucke.

Während die additiven Teile im Überblick dargestellt werden sollen, wird die kooperative Teamarbeit genauer erläutert.

Balladen des 19. Jahrhunderts

Im Deutschunterricht wurde in den ersten drei Stunden die historisierende Ballade "Das Riesenspielzeug" von Chamisso und die naturmagische Ballade "Der Erlkönig" von Goethe betrachtet. Die Darstellung von Riesen und Bauern begriffen die SchülerInnen als Metapher für soziale Unterschiede, die unüberwindlich sind. Goethes "Erlkönig" wurde als Rollentext durch Lesen mit verteilten Rollen erarbeitet. Die Gegenüberstellung der Natur in den magischen Gestalten von Erlkönig und Töchtern und der Erklärungen des Vaters führte die SchülerInnen zu der Deutung von Fiebertraum und Realität. Als gemeinsames Formelement wurde der Rahmen benannt. Dabei betont im "Erlkönig" der Rahmen mit der Variation in den beiden letzten Versen die Chronologie der Handlung, während im Riesenspielzeug" der Rahmen den Zeitunterschied zwischen Handlung und Erzählen der Handlung hervorhebt.

Als Abschluss dieser ersten Phase wurde eine Definition der Ballade versucht.

In Musik wurde parallel am "Erlkönig" gearbeitet.

Balladen und ihre Stoffvorlage

Die nächsten drei Balladen (9 Std.) standen unter dem Aspekt, Balladen mit ihren Stoffgrundlagen zu vergleichen und dadurch die Aussage des Dichters zu erfassen. Zu Heines "Belsazar" bietet das Lesebuch zum Vergleich den Bibeltext, die Geschichtsdarstellung und das Rembrandtbild an. Als kreativen Ansatz stellten die SchülerInnen in Gruppen Drehbücher mit Regieanweisungen her, wobei als Elemente der Filmsprache Einstellungsgröße, Perspektive und Beleuchtung eingeführt wurden und eingesetzt werden sollten. Der Film selbst kam leider nicht zustande, da für zusätzliche Nachmittagstreffen keine gemeinsame Zeit zu finden war.

Auch zu Fontanes "Brück' am Tay" liefert das Lesebuch den Zeitungsartikel als Stoffgrundlage.

Die SchülerInnen erkannten die Verlagerung von der Naturkatastrophe zur Kritik an der Technikgläubigkeit. Ein guter Schüler stellte sogar fest, dass Belsazars Hybris (Gotteslästerung) mit der Hybris, die Natur beherrschen zu wollen, vergleichbar sei. Die Hexen ließen einen Rückgriff auf die naturmagischen Elemente im "Erlkönig" zu. Auch Brecht verwendete einen Zeitungsartikel für seine Ballade "Der Schneider von Ulm". Der Artikel von 1811 und der anonyme Bänkelsang aus dem Lesebuch lagen den SchülerInnen vor. Ein Bild über Bänkelsänger aus Arbeit mit Texten" ermöglichte die Erläuterung dieser besonderen Vortragsweise von Balladen in historischer Zeit. Der Vergleich zwischen Brechts Text und den Materialien führte die SchülerInnen zu der spezifischen Brechtschen Methode, dem Leser die Fortsetzung der Ereignisse in der eigenen Erfahrungswelt zu überlassen und damit den mitdenkenden Leser als konstitutiv für Brechts Texte zu begreifen. Mit dem Verwirrspiel der sich widersprechenden Zeitangaben konnten die Siebtklässler allerdings nichts anfangen. Die kreative Aufgabe, die dritte Strophe zu Brecht selbst zu dichten, blieb unvollkommener Versuch.

Gesellschaftskritische Balladen der Neuzeit

Brechts Kritik an der Position des Bischofs ermöglichte den Übergang zu den "modernen Balladen", den gesellschaftskritischen Moritaten von Biermann "Die Ballade vom Briefträger William L. Moore aus Baltimore" und Reinig "Die Ballade vom blutigen Bomme" (3 Std.). Über den Kampf der Schwarzen um Gleichberechtigung hatten die SchülerInnen gerade im Religionsunterricht gearbeitet, sodass sie den Hintergrund spontan erläutern konnten. Die freiwillige Aufgabe, ein Bänkelsängerplakat zu William" herzustellen, stieß nur bei zwei Schülerinnen, die gerne Comics zeichnen, auf Gegenliebe.

Die umfangreiche Arbeit an den Balladen führte in den beiden letzten Stunden vor den Sommerferien a) zu einem Gesamtüberblick über die behandelten Texte, b) zu einem Rezitationswettbewerb. Wir legten gemeinsam Bewertungskriterien fest, die dann eine Gruppe von 4 - 5 SchülerInnen an den Vortrag desselben Gedichts von verschiedenen Schülern anlegte, um den Gruppenbesten/ die Beste zu bestimmen. Preise waren Süßigkeiten. Mit ungeheurem Eifer trugen die SchülerInnen IHR Gedicht vor, das sie aus den behandelten Texten frei wählen konnten. Trotz der langen Zeit, die das Projekt in Anspruch nahm, bildete damit die letzte Stunden einen Höhepunkt für sich.



obenAutorinnen dieser Seite: Müller , Homburg  Datum: Januar 99.  Letzte Änderung am 09. April 2000
Exposystem [Schulentwicklung] [Balladen] [Dokumentationsteam] [Email s.Ueberblick] [InformationssystemInformationssystem