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Die Natur als Erfindung des Menschen
Schulentwicklung   Balladen

Kooperative Teamarbeit

Aufführung als Ziel Chamisso "Das Riesenspielzeug" Goethe "Totentanz"  

Aufführung als Ziel

Der eigentliche Höhepunkt war allerdings die szenische Darstellung von zwei Balladen am 17.7.98 in der Schulaula. In unserer Schule gibt es die Einrichtung des Aulacafés, das Schülergruppen oder Lehrer mit ihren Lerngruppen gestalten können. Die Parallelklasse hatte für eine solches Aulacafé auf Englisch und Latein "Rotkäppchen = Rubicapula" eingeübt und spielten es für Eltern und Gäste. Plakate warben auch unter Schülern und Lehrern für den Besuch. Als "Vorgruppe" zu diesem Theaterspiel führte die 7 L ihre Balladen vor, nämlich Chamissos "Riesenspielzeug" und Goethes "Totentanz".

Chamisso "Das Riesenspielzeug"

Die Einstudierung von Chamissos "Riesenspielzeug" erfolgte im Deutschunterricht und wurde von der Musikkollegin ein einer Stunde mit überprüft und verbessert. Ein Junge (Gerolf Hanke) rezitierte das Gedicht, ein Mädchen spielte die Tochter (Julia Kohl), ein Junge den Vater (Daniel Janhnke).

Die Rahmenhandlung (1. und letzte Strophe) wurde vorgetragen, während Vater und Tochter am Tisch in der Burg schlafend als Standbild eingefroren waren. Pantomimisch wurde der Text von der zweiten bis zur siebten Strophe parallel zum Text illustriert. Dabei mussten die Spieler immer wieder darauf hingewiesen werden, die Gestik langsam und deutlich durchzuführen.

Die dialogischen Teile der Strophen 6 - 10 sprachen die Spieler selbst.

Goethe "Totentanz"

Die Vorbereitung für den Totentanz" dauerte 14 Stunden in kooperativer Teamarbeit. Diese war deswegen möglich, weil an zwei Tagen die Deutsch- und Musikstunden hintereinander lagen und die jeweils andere Fachkraft eine Freistunde hatte. D. h. die beiden Lehrerinnen nahmen zusätzlichen Unterricht in Kauf. An einem weiteren Tag stand eine gemeinsame Einzelstunde zur Verfügung.

Die erste Doppelstunde (27. 5.) begann mit der Beschreibung der Karikatur aus Praxis Deutsch Nr 115, 9/92, die auf Folie jedem sichtbar war. Die SchülerInnen beschrieben die Situation und stellten Vermutungen über die Gefühle des Gejagten auf, die Bedeutung des Lakens blieb unklar.

Anschließend hörten wir den "Dance macabre" von Saint Saens und den Text "Der Totentanz" von Goethe. Die Lehrerinnen leiteten abwechselnd das Gespräch, in dem die Bezüge zwischen Karikatur und Text - die Bedeutung des Lakens wurde dabei geklärt - und die zwischen Musik und Text hergestellt wurden. Dabei fanden die SchülerInnen heraus, dass auch mit Worten Klänge erzeugt werden können , sodass der Fachbegriff "Lautmalerei" eingeführt werden konnte.

Im nächsten Schritt ging es um den Rhythmus in der Musik und um das Metrum im Text. Während die Wirkung der Musik von den SchülerInnen gut gedeutet wurde, machte es - wie üblich - Schwierigkeiten die metrische Gliederung des Textes zu bestimmen. Deswegen stellten sich so viele SchülerInnen, wie es Silben in einem Vers gab, in eine Reihe. Beim betonten Vorlesen einer Zeile blieben die SchülerInnen stehen, die eine Betonung markierten, und hockten sich jene nieder, die eine unbetonte Silbe darstellten. Danach schritt pro Zeile je ein Schüler/ eine Schülerin die Reihe ab und las betont vor um herauszufinden, ob das Metrum gleichbleibt. Dieses Verfahren wendeten wir am ganzen Text an, sodass jeder beteiligt wurde und die Betonungen prüfen konnte. Das Fachwort "Daktylus" konnte als Körperbewegung erfahren werden.

Zur Vertiefung setzen wir zusammen das Metrum in betontes, lautes und unbetontes, leises Klatschen um, danach im Kreis mit großen und kleinen Schritten. Da die ersten schon die Tanzschule besuchten, fielen sie automatisch in den Walzer.

Als nächstes ging es darum die "vertrackten Gebärden" in Körpersprache umzusetzen. Als Hilfe dienten die Umrisszeichnungen aus Praxis Deutsch Nr. 15", die auf Folie sichtbar gemacht waren.

In der dritten Stunde (27. 5.) erarbeiteten wir die szenische Umsetzung der "vertrackten Gebärden".

In Vierergruppen probten die SchülerInnen zunächst für sich allein . Dabei sollten für die zweite Strophe die Atmosphäre des Textes durch langsame, betonte Bewegungen im Tempo des Menuetts zu viert, für die dritte Strophe in Zweiergruppen schnellere Bewegungen im Tempo des Walzers geübt werden. Nach der Gruppenarbeit lenkten die Lehreinnen das Tempo mit Tamburin und Claves.

Die nächste Doppelstunde (8. 6.) diente der Ausarbeitung der Bewegungsabläufe. In Einzelgruppen mussten die einzelnen Gebärden bewusst , d.h. betont durchgeführt und eine Choreographie für den Bewegungsablauf in der Gruppe abgesprochen werden. Anschließend stellte jede Gruppe ihr Ergebnis vor und nahm Verbesserungsvorschläge durch die Schüler-

Innen , die im Halbkreis saßen, auf.

In der 6. Std. (9. 6.) nahmen wir als Requsite Bettlaken hinzu, plazierten die SchülerInnen in ihren Gruppen auf dem Aulaboden und legten die Reihenfolge des Aufstehens fest. Eine Schülerin las den Text der ersten beiden Strophen von einem Pult auf der Bühne vor, bei dem sich die Gruppen nach und nach erhoben. Zunächst sollten sie unterm Laken klare Konturen durch Vorstrecken der Gliedmaßen erzeugen, sich langsam erheben und noch unterm Laken zu Standbildern einfrieren, und zwar mit deutlichen Gebärden. Am Ende der zweiten Strophen mussten alle Laken abgestreift sein. Dieser Vorgang musste wiederholt geübt werden, weil verschämtes Sich-Kleinmachen die Gebärdensprache abschwächte. Zum Schluss versuchten wir einen ersten Durchgang durch die ersten drei Strophen: Ruhelage und Aufstehen unterm Laken, vertrackte Gebärden zu den Rhyhtmusinstrumenten.

Die 7. Und 8. Stunde (15. 6.) diente der Erarbeitung der vierten Strophe. Dem Tanz der Skelette wurde die Musik von Grieg aus der "Peer-Gynt-Suite" unterlegt, und zwar für die Zeilen 1 - 5 "In der Halle des Bergkönigs" (vgl. Praxis Deutsch"). Es kam darauf an, die rezitierende Schülerin zum langsamen Sprechen und zu langen Sprechpausen zu bewegen und die tanzenden SchülerInnen dazu anzuleiten, eine auf die Musik abgestimmte Bewegung und Choreographie zu entwickeln. Die Gruppen erhielten Zeit, die Bewegungsabläufe durchzusprechen und zu entwickeln. Jede Gruppe stellte wieder ihre Ergebnisse vor, wobei die Kongruenz von Musik und Bewegung und die Darstellung der Pausen und Pauken aus der Musik in der Gestik erkennbar sein musste.

Das Verschwinden in den Gräbern in den Zeilen 5 - 8 wurde von Griegs "Anitras Tanz Teil 1" begleitet. Dabei legten sich die Teilnehmer in vier Gruppen neu zusammen, die für die Gestaltung der sechsten Strophe benötigt wurden. Es dauerte einige Zeit, bis die Darsteller es geschafft hatten entsprechend der Musik unter den Laken zu verschwinden.

Die Doppelstunde am 6. 7. diente dazu ein Bühnenbild für die fünfte und sechste Strophe und die Gänge auf der Bühne für den Türmer und das lakenlose Gerippe zu entwickeln. Zunächst stellten die SchülerInne wieder gruppenweise Überlegungen an. Ein Ergebnis lautete:

1. Gruppen verschwinden unter den Laken, die zuletzt aufgestandene als erste.

2. Der Türmer steigt von seinem Turm, verschwindet in der mittleren Bühnentür und erscheint in der linken, die auf dem schwarzen Vorhang das "metallene Kreuz" - aus Alufolie herstellen - hat

3. Gerippe riecht den Türmer und folgt ihm, hält erst einen anderen am Laken fest.

4. Das Gerippe kann nicht durch die Tür, guckt sauer, macht Pantomime, um das Besteigen des Turmes darzustellen: Tonleiter, Kratzgeräusche durch Alupapier, Gurke oder Besen.

5. Stimmen aus den Gräbern beim Klettern, die den Text mitsprechen, mitsingen.

Mit leichten Modifikationen übernahmen wir diesen Vorschlag. Als Bühnenbild deuteten wir mit einfachsten Mitteln den Turm, die Mauer und die Außentür an. In der Bühnenmitte wurden Tisch und Stuhl übereinandergestellt, auf dem der Türmer die ganze Zeit saß und das Spektakel auf dem Friedhof beobachtete. Die Turmmauer war mit einer Stellwand angedeutet, die links vom Podest stand. Die Türen der Bühne wurden wie oben beschrieben genutzt und gekennzeichnet.

Die Zeilen eins bis fünf der fünften Strophe wurden wieder wie in Strophe vier mit Griegs "In der Halle des Bergkönigs" unterlegt. Parallel verfolgte das Gerippe immer wieder schnuppernd den Türmer mit kleinen Umwegen auf dem Friedhof. Während der Zeilen 5 - 7 erklingt von Mussorski aus den "Bildern einer Ausstellung" der Teil Die "Hütte der Baba Jaga". Das Gerippe musste passend zur Musik das Scheitern an der kreuzbewehrten Tür darstellen.

Die sechste Strophe wurde in die Ich-Form umgeschrieben und vom Gerippe selbst gesprochen, damit erreichten wir auch einen Stimmenwechsel als Auflockerung bei der Rezitation.

Ich-Form zur sechsten Strophe



"Das Hemd muß ich haben, da raste ich nicht,

Da gilt auch kein langes Besinnen,

Den gotischen Zierrat ergreif ich als Wicht

Und kletter von Zinne zu Zinnen.

Nun ist's um den armen Türmer getan!

Ich ruck mich von Schnörkel zu Schnörkel hinan,

Langbeinigen Spinnen vergleichbar."

Während das Gerippe den Text sprach und durch Pantomime das Erklettern des Turmes darstellte, stimmten die Gruppen auf den Friedhof während der dritten und vierten Zeile eine A-capella-Musik an, indem jede Gruppe einen Ton eines Dominantseptakkords vom tiefen zum hohen dreimal nacheinander anstimmte und dann den eigenen Ton anhielt und in der Lautstärke steigerte. Damit wurde nochmals das Klettern unterstrichen.

In einer Doppelstunde am 14.7. wurde die siebente Strophe erarbeitet. Die Pantomime war bereits im Deutschunterricht vorbereitet. Entscheidend war die Darstellung entsprechend der Musik des "Dies irae" aus dem "War Requiem" von Benjamin Britten und der Rezitation des Textes ablaufen zu lassen. Danach wurden alle erarbeiteten Teile mehrfach hintereinander mit Kostümen durchgespielt, d. h. die Generalprobe durchgeführt. Während die SchülerInnen vorher oft lässig und albern auftraten, merkten wir plötzlich die Ernsthaftigkeit, um ein möglichst gutes Gelingen zu erreichen. Als Kostüme dienten den Gerippen schwarze oder dunkle Kleidung. Das suchende und verfolgende Gerippe hatte einen Batman-Anzug, auf den es mit Kreide ein Skelett aufgemalt hatte, der Türmer grobe Jacke, Hose und einen Filzhut angezogen. Bei der Aufführung waren alle mit höchster Konzentration und ein wenig Lampenfieber bei der Sache.



obenAutorin dieser Seite: GiselaMüller  Datum: Januar 99.  Letzte Änderung am 09. April 2000
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