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Johanneum zur EXPO 2000

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Die Natur als Erfindung des Menschen
Schulentwicklung

rainbow.gif (2243 Byte) Wochenplanarbeit im Fach Latein

Unterrichtsprojekt in einer 7. Klasse des Gymnasiums Johanneum


Kennzeichen und Ziele der Wochenplanarbeit

Aufbau eines Wochenplanes

Selbstkontrolle

Schülerverhalten

Lehrerrolle

Eigene Erfahrungen mit Wochenplanarbeit im Fach Latein

Fazit

Literatur

NAHUnterrichtsbeispiel


ob hierhin Kennzeichen und Ziele der Wochenplanarbeit

Wochenplanarbeit ist stets lernzielbezogen und findet auf der Basis der Rahmenrichtlinien statt. Ziel der Wochenplanarbeit ist es, daß die Schüler einen umfangreicheren, schriftlich festgelegten Arbeitsplan (aus einem oder mehreren Fächern) in eigener Regie be- und erarbeiten. Innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens (meist eine Woche) können sie die Reihenfolge der Aufgabenbearbeitung frei wählen und sich die Zeit nehmen, die sie zur Bearbeitung der jeweiligen Aufgabe benötigen. Der Wochenplan ermöglicht es den Schülern, einen eigenen Arbeitsrhythmus zu entwickeln und Phasen von Anspannung und Entspannung während der Wochenplanarbeit selbst zu bestimmen. Der Lernprozeß wird individualisiert, es findet kein Lernen „im Gleichschritt“ statt.

Wochenplanarbeit besteht in einer Zusammenfassung und Ausweitung der sonst über die Woche zerstreuten Kurzphasen von Still-, Partner- und Gruppenarbeit. Die Schüler erhalten mit dem Wochenplan konkrete Arbeitsaufträge, es werden verbindliche Anforderungen an sie gestellt. Der Impuls zur Bearbeitung der einzelnen Aufgaben geht dabei vom Schüler selbst und nicht vom Lehrer aus. Die Reihenfolge der Aufgabenbearbeitung und die Zeiteinteilung können frei - innerhalb des zeitlichen Gesamtrahmens - bestimmt werden. Der Wochenplan eröffnet dem Schüler die Möglichkeit zur eigenständigen Begegnung mit dem Unterrichtsgegenstand. Von den Schülern wird dies als befriedigend und motivierend empfunden. Motivierend wirkt sich auch die Selbstkontrolle aus. Die Schüler können anhand von Kontrollblättern ihre Arbeitsergebnisse weitgehend selbst kontrollieren.

Zu Beginn der Wochenplanarbeit müssen die Schüler den Plan zunächst überschauen und überlegen, in welchen Arbeitsschritten sie vorgehen wollen, welche Aufgaben sie in der Schule, welche Zuhause bearbeiten wollen. Die Schüler müssen selbst einschätzen, wieviel Zeit sie für die Erledigung der Aufgaben benötigen, und ihre Arbeitszeit auf die noch zur Verfügung stehende Zeit verteilen. Auch die Sozialform ist den Schülern freigestellt. Sie bevorzugen jedoch Partner- oder Gruppenarbeit, während Einzelarbeit die Ausnahme bleibt. Neben inhaltlichen Lernzielen lernen Schüler somit eigenverantwortlich und zielgerichtet zu handeln. Gleichzeitig wird die Teamfähigkeit und Kooperationsbereitschaft gefördert.

ob hierhin Aufbau eines Wochenplanes

Ein Wochenplan setzt sich aus drei Teilbereichen zusammen:

1.Pflichtaufgaben

2.Wahlpflichtaufgaben

3. Zusatzaufgaben

Die Pflichtaufgaben sind für alle Schüler gleich und verbindlich und ergeben sich unmittelbar aus dem Lehrplan. Der Pflichtbereich sollte nicht zu umfangreich und zu anspruchsvoll gestaltet sein, so daß den Schülern noch genügend Zeit für die beiden übrigen Aufgabenbereiche verbleibt. Die Zusatzaufgaben sind in erster Linie für leistungsstärkere Schüler bzw. Arbeitsgruppen bestimmt, die bereits sowohl die Pflicht- als auch die Wahlpflichtaufgaben gelöst haben. Bei den Wahl- und Zusatzaufgaben können Vorschläge, Neigungen und Interessen der Schüler berücksichtigt werden. Alle Arbeitsaufträge sollten von allen Schülern gelöst werden können, klar formuliert und attraktiv gestaltet sein, so daß eine Lernsituation entsteht, in der sie an Fragestellungen und Problemen gemeinsam arbeiten und miteinander lernen können.

Zur Planung der Aufgabenbearbeitung hat es sich für die Schüler als sinnvoll erwiesen, den Wochenplan mit einem Zeitplan zu versehen, der das jeweilige Datum und die entsprechende Unterrichtsstunde aufführt. Durch Abstreichen der vergangenen Tage und Unterrichtsstunden wird somit für die Schüler die Zeitplanung und -einteilung erleichtert. Des weiteren befindet sich unter jeder Aufgabenstellung eine Erledigt- und Kontrollspalte. Schüler wie Lehrer erhalten auf diese Weise einen Überblick über den jeweiligen Stand der Wochenplanbearbeitung. Die Kontrollspalte soll die Schüler zudem daran erinnern, ihre Arbeitsergebnisse selbständig zu kontrollieren.

ob hierhin Selbstkontrolle

Die Selbstkontrolle der Arbeitsergebnisse während der Wochenplanarbeit ist nicht obligatorisch, man kann auch völlig auf sie verzichten und eine gemeinsame Kontrolle während einer Abschlußbesprechung zum Wochenplan durchführen. Dabei ist es auch möglich, daß die Schüler ihre Arbeitsergebnisse z.B. in Form einer kleinen Ausstellung präsentieren und zusätzlich erläutern, wie sie gearbeitet haben und in welchen Schritten sie vorgegangen sind. Die Selbstkontrolle anhand von Kontrollblättern, welche die Schüler eigenständig aus einem entsprechenden Ordner entnehmen können, sollte immer dort angewandt werden, wo es die Aufgabenstellung zuläßt. Denn die eigenständige Überprüfung der Arbeitsergebnisse bietet wesentliche Vorteile:



Die Selbstkontrolle während der Wochenplanarbeit wirkt sich positiv auf das Lernverhalten aus und fördert die Selbständigkeit. Die Schüler können jederzeit eine Rückmeldung erhalten, ob ihr Ergebnis richtig oder falsch ist. Niemand wird wegen eines Fehlers vor der Klasse bloßgestellt oder kritisiert. Da andere Personen bei der Selbstkontrolle nicht beteiligt sind, kann man auch von Selbstbekräftigung sprechen, ein wichtiges Element des selbständigen Lernens.

ob hierhin Schülerverhalten

Bei der Neueinführung von Wochenplanarbeit ist vorab ein Klassengespräch sinnvoll, in dem folgende Fragen erörtert werden sollten:

Was ist ein Wochenplan?

Welche Ziele werden mit dem Wochenplan verfolgt?

Worin liegt der Unterschied zum bisherigen Unterricht?

Insbesondere sollten die Funktion der Selbstkontrolle und der Umgang mit den Kontrollblättern besprochen werden. Auch auf die Formen der Zusammenarbeit und das Verhalten während der Wochenplanarbeit ist einzugehen. Wo es notwendig erscheint, lassen sich diese Punkte auch detailliert in einer Klassengeschäftsordnung festlegen.

Da die Schüler aller Klassenstufen bereits Erfahrungen mit Gruppen-, Partner und Stillarbeitsphasen besitzen, ist es ohne große Schwierigkeiten möglich, diese Phasen in Form eines Wochenplans zusammenzufassen. Anfängliche Hilfen des Lehrers werden schnell überflüssig, die Schüler sind rasch in der Lage, ihren Lernprozeß eigenständig zu organisieren. Zu Beginn einer jeden Wochenplanstunde wird die Wochenplanarbeit unaufgefordert von den Schülern aufgenommen und fortgesetzt. Die Schüler arbeiten aus eigenem Antrieb, wenn man ihnen nur die Gelegenheit dazu bietet.

Während der Wochenplanarbeit herrscht eine entspannte Unterrichtsatmosphäre, die Schüler zeigen ein intensiveres und ausdauernderes Arbeitsverhalten als im herkömmlichen Unterricht. Sie sind dabei aufgefordert, mit ihren Mitschülern in Verbindung zu treten, auf Probleme ihrer Mitschüler Rücksicht zu nehmen und sowohl gegenseitig Hilfen zu geben als auch anzunehmen (kooperative Sozialform). Der gewährte Freiraum wird von den Schülern sinnvoll und konstruktiv genutzt. Da engagiert und motiviert arbeitende Schüler weniger Disziplinschwierigkeiten verursachen, verringern sich auch die Störungsquote und Erziehungskonflikte im Unterricht.

Neben Fachkompetenz erwerben Schüler während der Wochenplanarbeit auch Methoden- und Sozialkompetenz:

ob hierhin Lehrerrolle

Für den Lehrer ist Wochenplanarbeit mit einen anderen Rollenverständnis verbunden: Er ist nicht mehr Lenker und Initiator des Lernprozesses, nicht mehr Mittelpunkt des Unterrichtsgeschehens. Er muß seine Kontrollfunktion und seine „Einmischung“ in die Arbeit der Schüler weitgehend aufgeben. Der Unterrichtende fungiert als Lernberater, welcher die Schüler anhält, methodisch zu denken und zu planen. Ziel ist es, daß der Lehrer immer mehr überflüssig wird. Die so gewonnene Zeit kann für lernschwächere Schüler genutzt werden, mit denen gezielt einzelne Aufgaben bearbeitet oder bestimmte Unterrichtsinhalte wiederholt werden. Wochenplanarbeit eröffnet somit die Möglichkeit zu einem differenzierten Unterricht, in dem leistungsschwächere Schüler gefördert und ihre fachlichen Defizite abgebaut werden können.

Die Wochenplanarbeit entlastet den Lehrer jedoch nicht von Überprüfungsarbeiten. Er muß ständig Informationen sammeln: Durch Rundgänge in der Klasse muß er sich vergewissern, ob die Schüler mit der Aufgabenstellung zurechtkommen. Er muß die Wochenplanordner nach jeder Stunde oder nach Abschluß der Wochenplanarbeit durchsehen und kontrollieren. Zusätzlich ist eine Nachbereitung des Wochenplans erforderlich, um einzelne Themen des Plans zu vertiefen und um Probleme und Schwierigkeiten bei der Bearbeitung zu erörtern. Für den Lehrer stellen solche Klassengespräche eine wichtige Informationsquelle für seine weitere Arbeit mit Wochenplänen dar.

ob hierhin Eigene Erfahrungen mit Wochenplanarbeit im Fach Latein

Nach meinen eigenen Erfahrungen lassen sich Wochenpläne auf vielfältige Weise im Lateinunterricht einsetzen. Schüler können Lehrbuchlektionen oder Lektürekapitel anhand von Wochenplänen selbständig erarbeiten. Besonders eignen sich Wochenpläne zur grammatischen Wiederholung, da sich hier die Selbstkontrolle anhand von Kontrollblättern sinnvoll einsetzen läßt. Es lassen sich sowohl bestimme grammatische Phänomene gezielt einüben oder wiederholen als auch eine Generalwiederholung der bisher erarbeiteten Grammatik vornehmen. Nach meiner Einschätzung besteht jederzeit die Möglichkeit, nach einer traditionellen Grammatikeinführung die restliche Lektion durch einen Wochenplan erarbeiten zu lassen.

Für mich als Lehrer bedeutet Wochenplanarbeit einen erhöhten Aufwand bei der Unterrichtsvorbereitung: Aufgaben müssen formuliert, attraktive Zusatzmaterialien müssen zusammengestellt und ggf. Lösungsblätter erstellt werden. Dieser erhöhte Zeitaufwand wird jedoch durch eine reduzierte Unterrichtvorbereitung während der Wochenplanarbeit ausgeglichen, da ich in dieser Zeit weitgehend vom Unterrichten freigestellt bin und somit Freiräume für die individuelle Beratung und intensive Beobachtung einzelner Schüler gewinne.

Der entscheidende Punkt liegt für mich aber nicht in der eventuellen Mehrbelastung, sondern in meiner veränderten Lehrerrolle: Der Unterrichtsverlauf wird nicht mehr von mir bestimmt, ich bin nicht mehr diejenige Person, an der sich das Lernen vollzieht. Die Erfahrung, daß Schüler auch ohne mich arbeiten, konnte ich anfänglich nur schwer akzeptieren, zumal ich dieses während meiner Ausbildung nicht gelernt hatte.

Ich habe in mehreren Schulklassen beobachtet, daß während der Wochplanarbeit intensiver und ausdauernder gearbeitet wird als im traditionellen Unterricht. Während sich die Schüler im Frontalunterricht recht leicht „verstecken“ können und nur gelegentlich eine Aktivität von ihnen verlangt wird, sind sie in den Arbeitsgruppen gezwungen, kontinuierlich und zielstrebig zu arbeiten, da sie ohne ständig wiederholte Aufforderung zu einen bestimmten Termin vorweisbare Arbeitsergebnisse vorlegen müssen. Auch ursprünglich demotivierte und „schulmüde“ Kinder arbeiten konsequent an den Wochenplänen, da sie jedem Schüler Ergebnisse, Lernfortschritte und Erfolge vermitteln.

Der beigefügte Wochenplan soll exemplarisch die von mir angestrebten pädagogischen Zielsetzungen verdeutlichen. Nachdem den Schülern anhand des einführenden Lesestückes die Formen und Funktionen des Ablatives erläutert worden waren, haben sie eigenständig die restliche Lektion mit Hilfe eines Wochenplanes be- und erarbeitet. Die Einführung in diese neue Arbeits- und Unterrichtsform war unproblematisch, da die Schüler über Freiarbeitserfahrung aus der Orientierungsstufe und den augenblicklichen Mathematikunterricht verfügten. Während sich die Pflichtaufgaben weitgehend auf die Lehrbucharbeit beschränkten, beinhaltet der Wahlpflichtbereich auch einige „Kreativaufgaben“, die von den Schülern mit großer Begeisterung gelöst und in der Abschlußbesprechung auch für zukünftige Wochenpläne eingefordert wurden.

Besonders die Aufgabe 4 (Wahlpflichtbereich) verdeutlicht, wie leicht sich mit Hilfe eines Wochenplanes fächerübergreifende Bezüge herstellen lassen. So sind unsere heutigen Erfahrungen über die Ursachen von Vulkanausbrüchen für das Verständnis des Vesuv-Ausbruchs unbedingt erforderlich. Zumal Vulkanismus auch ein verbindliches Thema für den Erdkundeunterricht in Klasse 7 darstellt. Ebenso hatten die Schüler bereits das Thema Fabel im Deutschunterricht behandelt und konnten ihr Wissen bei der Aufgabe 6 gewinnbringend anwenden. Der virtuelle Stadtrundgang durch Pompeji (CD-ROM) dokumentiert, daß sich auch sog. neue Medien in einen Wochenplan integrieren lassen und auch Lernorte außerhalb des Klassenraums aufgesucht werden können. Ebenso besteht auch die Möglichkeit, daß die Schüler innenhalb eines Wochenplanes mit Hilfe von lateinischen Computerpogrammen gezielt bestimmte grammatische Phänomene wiederholen.

ob hierhin Fazit

Wochenplanarbeit ist eine Unterrichtsform, die sich auch im Lateinunterricht problemlos einsetzen läßt und ein wesentliches Element zur Öffnung des Unterrichts darstellt. Im meinem Lateinunterricht haben Wochenpläne einen festen Platz, jedoch dürfen sie nicht zur alleinigen Unterrichtsform oder ihr Einsatz überstrapaziert werden. Gerade auch in der Kombinationswirkung von traditionellen Unterrichtsmethoden und selbstbestimmten Lern- und Arbeitsformen liegen Nutzen und Chancen für Schüler wie Lehrer.

ob hierhin Literatur

Bönsch, M., Offener Unterricht in der Primar- und Sekundarstufe I, Hannover 1993 (Hahnsche Verlagsbuchhandlung)

Cartoon Clips, CompuWorks, NBG Verlag, Burglengenfeld 1995

Erleberg, G., Der große Gewinn: Wochenplanarbeit in der Sekundarstufe I, in: Praxis Schule 5-10, Heft 6/91, S. 12-15

Groß, E., Freies Arbeiten an weiterführenden Schulen, Donauwörth 1992 (Auer Verlag)

Hövel, W. (Hrsg.), Freie Arbeit, Wochenplan - Konzepte und Kontroversen, Mühlheim 1991 (Verlag an der Ruhr)

Jürgens, E. (Hrsg.), Erprobte Wochenplan- und Freiarbeitsideen in der Sekundarstufe I, Praxisberichte über effektives Lernen im Offenen Unterricht, Heinsberg 1994 (Agentur Dieck)

Krieger, C. G., Mut zur Freiarbeit, Band 9, Hohengehren 1994, Schulischer Verlag

Vaupel, D., Durch den Wochenplan habe ich gelernt, selbständiger und unabhängiger zu arbeiten, Entwicklung von Lern- und Arbeitstechniken bei der Wochenplanarbeit, in: Pädagogik 1/95, S. 21-24.

NahUnterrichtsbeispiel


Autor dieser Seite: Fred Radewaldt    Datum: März 98. Letzte Änderung am 08.12.98.
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