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Gorleben 2000:   Widerstand

Die Jahre seit 1990

Zum Nikolaustag 1990 fand eine Blockade mit verkleideten "Nikoläusen" vor den Zufahrten zum Lager statt.

Am 15./16. November 1992 veranstaltete die Anti-Atombewegung in Schnackenburg eine große Konferenz. Es nahmen 80 Deligierte teil.

Zur Eröffnung einer Infostelle über Atomkraft erhielt Monika Griefhahn einen kleinen Castor- Behälter. Gleichzeitig wurde der Verladekran bei Dannenberg von Atomkraftgegnern besetzt.

Wegen einer Blockade des Zwischenlagers am 16.12.1992 wurden sechs auf dem Weg von Karlsruhe nach Gorleben befindliche "Mosaikbehälter" gestoppt und im AKW Esensham versteckt. Diese Atommüllcontainer wurden schließlich mit einem massiven Polizeiaufgebot am 19.Januar 1993 nach Gorleben gebracht. Dabei beseitigten etwa 800 Polizisten die Barrikaden und räumten die 500 Sitzblockierer, unter ihnen Landrat Zühlke und viele Mitglieder der Initiative 60, ab.

Am Neujahrstag 1993 überstiegen 300 Demonstranten anläßlich des Neujahrsempfangs am Endlager die Mauer mit Hilfe einer Holztrepppe. Das Bergwerksgelände wurde von den Teilnehmern für die nachatomare Nutzung neu verplant. Nach Abschluß der einstündigen Aktion verließen alle unbehelligt das Gelände durch das Tor.

Aus Protest gegen die Pläne zur Erweiterung des Zwischenlagers mauerten am 30.März 40 Demonstranten das Tor des Zwischenlagers zu.

Das Bundesamt für Strahlenschutz forderte von den 14 Turmbesetzern Schadenersatz in Höhe von 126901,10DM für die Stillstandszeit. Auf einer Infoveranstaltung zum Thema der Mahnbescheide bekundeten die 14, daß Töpfers Ministerium keinen Pfennig bekäme.

Transportbehälter mir schwach radioaktivem Müll konnten am 13.August eingelagert werden, nachdem 300 Polizisten etwa 100 Sitzblockierer aus dem Weg geschafft hatten.

Zu Beginn des Erörterungstermins für die Nutzungserweiterung des Zwischenlagers am 6.September 1993 stiegen 15 Männer und Frauen der BLG auf das Dach. Unter dem Motto "Abreißen statt Erweitern" begannen sie mit dem Abdecken der Dachziegel.

Am 9.September ließ Monika Griefhahn die Erkundungsarbeiten in Gorleben erneut stoppen, da die Enteignung des Grafen von Bernstorff laut Gutachten nich möglich sei.

Einige Tage später fand ein Fest mir dem Titel "Castor-Halle-Luja" vor dem Zwischenlager statt. Dazu gehörte eine Podiumsdiskussion zu den Konsensgesprächen, Live-Musik und Theater. Man feierte,daß man es zehen Jahre lang geschafft hatte, den ersten Castor-Transport zu verhindern und baute einen mittelalterlichen Rammbock.

Pfingsten ´94 wurden zudem ein Belagerungsturm und Wurfmaschinen gebaut, dabei kam es zu Rangelein mit der Polizei.

Im Vorfeld des erweiterten Castor-Transports verübte die Gruppe "Waschbär" am 21.Juni einen Anschlag auf das BLG-Infohaus in Gorleben. Hierbei entstand ein Sachschaden von 20.000 DM.

Sämtliche Pastoren des Kirchenkreises Dannenberg sprachen sich gegen den Castor-Transport aus.

Im Juni/Juli wurden mehrfach Anschläge auf die Bahnstrecke Uelzen-Dannenberg verübt. Es wurden Bahnschwellen zersägt, Schienen verbogen, man fand Eisen und Bäume auf den Bahnschienen.

Im Gorlebener Forst entstand ein Hüttendorf , das am Wochenende des 10.Juli auf 1000 Menschen anwuchs. Eine Dauerblockade, die von 30 Treckern und einem Belagerungsturm unterstützt wurde, wurde am 13.Juli von 800 Polizisten geräumt. Der Turm wurde zersägt, Straßenuntertunnelungen wieder zugeschüttet. Es wurde ein Demonstrationsverbot erlassen, das bis zur Castor- Einlagerung gelten sollte.

Am 15.Juli wurde der Castor-Transport abgesagt, und das Versammlungsverbot wieder aufgehoben.

Es wurde ein neuer Termin für den Castor-Transport angesetzt. Verschiedene Anti-Castor-Gruppen, u.a. die "Unbeugsamen" und die "Gorleben-Frauen", veröffentlichten im Januar ´95 das Konzept zum "Zivilen Ungehorsam" und einer "öffentlichen und gemeinsamen Schienendemontage" vor dem Dannenberger Castor-Verladekran.

Üner 300 Unterzeichner bekannten sich in einer Zeitungsanzeige am 10.Februar 1995 zu zivilem Ungehorsam im Rahmen der Aktion "Ausrangiert". Mittels Luftballons ließ man ein Castor-Modell in die Luft steigen und hüllte den Zaun um den Verladekran mit Toilettenpapier ein.

Am 13.April verübten Unbekannte erneut einen Anschlag auf die Bahnstrecke Lüneburg-Dannenberg. Aus den Schienensträngen wurden jeweils etwa zwei Meter lange Stücke herausgeschnitten und zu einem "X" aufgerichtet. Ein außerplanmäßiger Güterzug überfuhr die Stelle, entgleiste aber nicht. Es entstand ein Schaden von 20.000DM.

Man versteigerte im April die Endlagererkundungstürme zu Gunsten der Prozeßkosten für die Turmbesetzer. 1500 Polizisten verhinderten, daß 400 Atomkraftgegner am 16.April in der Nähe des Verladekrans im Rahmen der Aktion "Abschalten" auf die Schienen gelangten.

Am 21.April gab das OVG Lüneburg den Weg für den Castor endgültig frei. An den darauffolgenden Tagen protestierten mehr als 4.000 Menschen im gesamten Landkreis gegen den unmittelbar bevorstehenden Castor-Transport. Dabei kam es zu Demonstrationen, Barrikadenbau, Gleisbesetzungen, Errichtung eines Hüttendorfs und vielen anderne Aktionen.

Am 24.April begann der Castor-Transport um 20.05Uhr in Phillipsburg seine Fahrt nach Gorleben.


TAG X

Am Dienstag, den 25.April 1995, war die gesamte Castor-Transportstrecke Ziel von Anschlägen und Protesten. Nach 14 Stunden Bahnfahrt traf der Castor gegen 10.30Uhr in Dannenberg ein, wurde verladen und setzte sich gegen 12.00Uhr auf die 18km lange Strecke nach Gorleben in Bewegung. 6500 Beamte von Polizei und BGS bahnten dem Transport unter Einsatz von Schlagstöcken und Waserwerfern den Weg. Dabei kam es zu zahlreichen Verletzten. Um 17.12Uhr schlossen sich hinter ihm die Tore des Zwischenlagers in Gorleben.

Mehr als 3.000 Menschen sagten erneut in einer Zeitungsanzeige am 12.Mai "Nein zum Castor". Am folgenden Tag demonstrierten 1.500 Menschen und 250 Traktoren in Hannover gegen Castor-Transporte.

Im August wurden Anschläge auf den Verladekran und das Zwischenlager verübt. Dabei entstanden Schäden von über 300.000DM.

Im Februar 1996 übergaben die "Gorleben-Frauen" bei der Siemens-Aktionärs-Versammlung mehr als 2.000 im Wendland gesammelte Unterschriften boykottwilliger Verbraucherinnen. Es sollten keine Produkte von Siemens gekauft werden, solange der Konzern an der Atomwietschaft festhält.

Am 13. April erging erneut eine "Allgemeinverfügung" des Landkreises gegen eine erneute Aktion "Ausrangiert". Am folgenden Tag ließen sich 1.000 Menschen dennoch nicht abschrecken und versuchten die Schienen öffentlich zu demontieren. Die Polizei verhinderte dies jedoch mit Hilfe von Hunden und Wasserwerfern.

Vor dem Amtsgericht begann noch im April eine Protestflut wegen Widerspruchsverfahren, die mit dem letztjährigen Castor-Transport zusammenhingen.

Das OVG-Lüneburg gab am 27.April grünes Licht für die Einlagerung von Glaskokillen aus La Hague.

Anfang Mai demonstrierten mehr als 10.000 Menschen in Dannenberg, 400 von ihnen wurden im Anschluß bei Karwitz an der Bahnstrecke von der Polizei eingekesselt.


TAG X²

Am 8.Mai 1996 erreichte der Castor aus La Hague gegen 6Uhr Dannenberg. Für die Strecke vom Verladekran zum Zwischenlager wurden sechs Stunden benötigt. 10.000 Polizei- und BGS-Beamte bahnten dem Transport unter Einsatz von Schlagstöcken und Wasserwerfern den Weg gegen den Widerstand der 10.000 Demonstranten. Im Morgengrauen wurden weit entfernt von der Transportstrecke die Trecker der Bäuerlichen Notgemeinschaft beschädigt und stillgelegt. Etwa 500 Demonstranten wurden am diesem Tag in polizeilichen Gewahrsam genommen, mehr als 100 Personen verletzt.

Am 9.August stellten Atomkraftgegner 110 Strafanzeigen gegen Polizei- und BGS-Beamte im Zusammenhang mit dem letzten Transport.

In Trebel wurde die "Salina Salzgut GmbH" mit dem Ziel der Förderung und des Vertriebs von Groleben Salz gegründet.

Für Anfang März 1997 wurde ein Atommülltransport geplant, bei dem erstmals sechs Castorbehälter in einem Sammeltransport ins Zwischenlager gebracht werden sollten.

Die Schadenersatzforderungen der BRD gegen die Turmbesetzer wurden vom Oberlandesgericht Celle für rechtens befunden. Die Turmbesetzer beantragten Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

Am 1.März 1997 demonstrierten in Lüneburg etwa 15.000 Menschen und Setzten sich anschließend nach Lüchow-Dannenberg in Bewegung.

Mit einer "Stunk-Parade" setzten 10.000 Menschen und 600 Trecker ein weiteres Zeichen gegen Castor-Transporte.


TAG X³

Am 3.März 1997 startrte der Zug um 5Uhr morgens seine Fahrt in Wahlheim. Nachmittags erreichte er Lüneburg. Mit achtstündiger Verspätung kam er nach Mitternacht in Dannenberg an, da die Strecke blockiert wurde. Recht zügig wurden am 4.März die Castorbehälter auf die Schwerlasttransporter verladen. Etwa 8.000 Menschem besetzten die Straße direkt vor dem Verladekran.Die ursprünglich geplante Transportstrecke war wegen Unterhöhlungen, Blockaden und anderen Beschädigungen unpassierbar. An der Ausweichstrecke fanden ständig Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten statt. Es kam zu zahlreichen Verletzungen, Ingewahrsamnahmen und Verhaftungen.Um Mitternacht begann die Polizei mit der Räumung mit der Sitzblockade zunächst wurden die Blockierer weggetragen, die sich meist an anderer Stelle wieder einreihten.Dann erfolgte der Einsatz von Wasserwerfern,so daß schließlich die Blockade aufgelöst wurde. Gegen 11.45Uhr rollte der Transport dann los. Den Demonstranten gelang es meist nur kurz den Konvoi zu stoppen. Kurz nach 15Uhr wurde das Zwischenlager schließlich erreicht. Im Verlauf dieser Tage kam es zu 400 Ingewahrsamnahmen bzw. Festnahmen, es wurden mehr als 650 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Mindestens 400 Menschen wurden verletzt, zusätzlich erlitten weitere 30 Personen schwere Verletzungen. Dies war einer der größten Polizeieinsätze( etwa 30.000 Beamte ) in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.



oben Autoren: Klasse 11-1 und Alfred Blohm, Web: Kai Lahmann Datum: Mai 98 Letzte Änderung am 25. März 2000
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