Archiv: Diese Seiten werden nicht mehr bearbeitet! Anfang Juni 1998

Vorwürfe an Atomindustrie

rei Lüneburg. Mehr als alle Kernkraftgegner hat sich die Atomindustrie selbst geschadet. Das ist für Walter Hirche, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, eine gravierende Folge der Nichtweitergabe von Grenzwert-Überschreitungen wie er gestern in einem LZ-Redaktionsgespräch bekräftigte: "In diesem Jahr wird sicher kein Transport mehr von einem deutschen Kernkraftwerk abgehen" meinte Hirche Vor allem müsse jetz geklärt werden wann und warum es während der Transporte zu Verunreinigungen gekommen sei - warum etwa einige Kernkraftwerke wie Stade ganz besonders betroffen seien andere aber nicht. Der Staatssekretär macht aus seiner Verärgerung über das Verhalten der Atomindustrie keinen Hehl. Die könne doch nicht so tun als ob Privatleute entscheiden können ob sie eine Grenzwert Überschreitung melden oder nicht" Die Behauptung dazu bestehe keine gesetzliche Verpflichtung sei nur eine halbe Wahrheit Gefahrgut Verordnung und verkehrsrechtliche Vorschriften beinhalteten sehr wohl entsprechende Verpflichtungen Man kann es natürlich anfang
auch noch zusätzlich im Atomgesetz regeln und das werden wir auch tun erklärte Hirche. Zwar glaubt auch der Staatssekretär nicht an eine reale Gefahr durch die Grenzwert Überschreitung, doch: Es ist Mißtrauen entstanden, die in Angst münden kann Wer weiß was da noch an anderer Stelle lauft das fragen doch jetzt viele Als Politiker muß ich auch diese Stimmung ernst nehmen und aufgreifen. Zumindest im Kernkraftwerk Stade allerdings scheint die Lagerkapaziät erschöpft, wird der Ruf nach dem nächsten Transport laut Das Kernkraftwerk gehört der Preussag und in deren Aufsichtsrat sitzt Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Schröder. Wenn die Meldungen stimmen daß Stade voll ist dann hat der ein Problem lautet Hirches kurzer Kommentar. Doch er warnt davor die unverantwortlichen Reaktionen der Atomindustrie jetzt in ein Kompetenz - und Verantwortlichkeitsgerangel zwischen Bund und Landern weiterzuführen, statt alle Kraft daran zu setzen offenkundige Informationslücken zu schließen. Und schließlich möchte der Staatssekretär noch etwas richtigstellen: Alle sprechen und schreiben in diesem Zusammenhang zum Castor. Doch in keinem Fall war tatsächlich ein Castor von Verunreinigungen betroffen sondern immer andere Transportbehälter