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Atomskandal weitet sich erneut aus

dpa Hannover/Bonn. verstrahlte leere Atombehälter sind Anfang der 80er Jahre auch in mehreren deutschen Atomkraftwerken gefunden worden. Mach Angaben der Betreiber und der zuständigen Ministerien kamen in den vier Niedersächsischen Kernkraftwerken 40 Transporte mit überhöhten Strahlenwerten an, im Atommeiler im hessischen Biblis 17, in Philippsburg und Neckarwestheim in Baden-Württemberg insgesamt elf und im schleswig-holsteinischen Krümmel einer. Die Kraftwerksbetreiber haben ihre Nachforschungen jedoch noch nicht überall abgeschlossen. In Niedersachsen habe es zudem Verunreinigungen an Eisenbahnwaggons gegeben, teilte das Umweltministerium in Hannover gestern mit. Die Behälter seien aus den Wiederaufarbeitungsanlagen im französischen La Hague und im britischen Sellafield gekommen, hieß es in Hannover weiter. Bei der Abfahrt seien sie "sauber" gewesen. Bisher war nur bekannt, die Behälter mit abgebrannten Kernbrennstäben bei der Ankunft in La Hague verstrahlt waren. Auch bei einem Castor-Behälter, der aus dem bayerischen Gundremmingen ins Zwischenlager im westfälischen Ahaus kam, wurden erhöhte Werte gemessen. Bundesumweltministerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte erneut, ihr Ministerium sei von konkreten Verstrahlungen bei Atommülltransporten erst am 24. April von Frankreich informiert worden. Zugleich forderte sie die betroffenen Länder auf, ihre Meßprotokolle über Eingangs- und Ausgangskontrollen von Atombehältern und Waggons offenzulegen. Das Umweltministerium in Hannover wies diese Forderung scharf zurück. Es sei "ausgesprochen unverschämt". wenn Merkel jetzt den Eindruck Castor
Die Umweltorganigation Greenpeace forderte bei mehreren Protestaktionen den Verzicht auf weitere Atomtransporte
erwecke, Niedersachsen wolle etwas vertuschen. Die Umweltschutz-organisation Greenpeace demonstrierte gegen eine Wiederaufnahme der Nukleartransporte. Der Chef der Gewerkschaft der Polizei. Hermann Lutz, forderte eine wirksame Kontrollinstanz für die Atomindustrie. "Jede Pommesbude würde dichtgemacht, wenn die Zuverlässigkeit so wäre. wie sie bei der Atomindustrie ist", sagte er. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter erklärte gestern, schon m den 70er seien radioaktiv verunreinigte Atom-Behälter aus Japan in Europa angekommen. Als in den 80er Jahren von der internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien die Transportrichtlinien überarbeitet wurden, sei daraufhin auf diese Gefahr hingewiesen worden.