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Die Natur als Erfindung des Menschen
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Die letzte Hofjagd des Kaisers Wilhelm II. in der Göhrde

Mitte des 19.Jahrhunderts bahnte sich in Deutschland langsam ein Wandel in der Einstellung zu Natur und eine neue Auffassung von Sinn und Zweck des Jagens unter dem Zwang des immer enger werdenden Lebensraumes für Mensch und Wildtier an. Vermutlich beeinflussten diese neuen Gedanken auch Kaiser Wilhelm I., der das Jagdschloss in der Göhrde gemeinsam mit seinem Sohn am 3.12.1871 besuchte, dieses wieder als Jagdresidenz zu nutzen. So wurde die Jagd auch ein wichtiger Bestandteil im Leben des Thronfolgers und späteren Kaisers Wilhelm II., der jedes zweite Jahr in der Göhrde aufsehenerregende Jagden veranstaltete, zu denen die bedeutensten Staatsmänner österreichs und des Deutschen Reiches geladen waren. Die letzte Jagd fand am 30.-31. Oktober 1913 statt, zu der unter anderem Kaiserliche Hoheit Erzherzog Franz Ferdinand von österreich, der ungarische Botschafter Graf von Szöyeny-Marich, der Reichskanzler von Bethmann-Hollweg, General von Moltke, Prinz Eitel-Friedrich von Preußen, Prinz Oskar von Preußen und Prinz Joachim von Preußen geladen waren. Dieses Treffen war auch gleichzeitig eine gute Gelegenheit um über politische Angelegenheiten zu reden.

Der Kaiser brachte für sich das eingespielte Personal aus seiner Residenz mit. Zum Dienst in Göhrde waren von Berlin zur Göhrde befohlen (namentlich):
1 Küchenmeister, 1 Materialien-Verwalter, 2 Küchendiener, 2 Küchenfrauen, 1 Silberverwalter, 3 Silberdiener, 2 Silberwaschärinnen, 1 Kellermeister, 1 Küfer, 2 Kellerdiener, 1 Hofdekorateur, 1 Tafeltapeziergehilfe. Sie alle fanden sich zwei Tage vor der Ankunf des Kaisers ein. Einen Tag vorher mussten 1 Hoffanier, 1 Büchsenspanner, 2 Salonkamerdiener, 1 Leibjäger, 8 Hofjäger, 2 Kammerlakaien, 2 Lampiers anwesend sein. Zur Bedienung während der Reise wurden 1 Kammerdiener, 1 Kanzleidiener, 1 Leibgandarm, 1 Garderobier, 2 Leibjäger, 1 Mundkoch, 1 Küchendiener, 1 Silberdiener, 1 Kelereidiener geordert.
Auch die fürstlichen Gäste wurden von ihren gewohnten Leibdienern begleitet, meist je zwei. Während der beiden Jagdtage waren außerdem aus den Dörfern zu zusätzlichen Diensten im Schloss 11 Männer und 34 Frauen tätig. Ein Mann verdiente 2,30 DM pro Tag und eine Frau 1,50 DM pro Tag.

Bei der letzten Jagd des Kaisers in der Göhrde, die wie gesagt am 30.-31. Oktober 1913 stattfand, reiste er mit dem Zug bis zum Bahnhof Göhrde, der 1874 eigens für seinen Vater einge-richtet worden war. Nach einem spektakulären Empfang fuhr Wilhelm II. die restlichen 5 km zum Jagdschloss mit dem Wagen. Für die Sicherheit des Hofstaats war die königliche Landdrostei in Lüneburg zuständig. Als der Kaiser dann wie gewöhnlich gegen Mittag ankam, hatte man das Jagdrevier bereits mit Netzen und Tüchern umspannt. Dann wurde das Wild am Schießstand seiner Majestät und der in Rangordnung nach ihm plazierten Gäste vorbeigetrieben, die auf alles schossen, was nich vorher "durch die Lappen" gegangen waren. Zwei Büchsenspanner hinter dem Kaiser luden immer nach. Ein solches "Abschießen" bevorzugte schon Kaiser Wilhelm I. Die Gesamtbeute der letzten Hofjagt betrug. 64 Hirsche, 90 Stück Rotwild, 288 Stück Schwarzwild, 4 Rehe und 1 Hase.



oben Gisela Müller Sebastian Mintner Datum: Juni 99. Letzte Änderung am 11. März 2000
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