Informationssystemsystem Johanneum Lüneburg Alphabetischer Index unten
Überblick Alte Musterarbeiten

Wilhelm Gebert, Ohne Titel, sinngemäß:
[Auf dem Friedhof]


In mancher Schlacht gefochten, manchen Sieg hat er errungen und das Schicksal von Tausenden in seiner Hand gehalten, aber endlich musste er dem weichen, der mächtiger war, auch über seinem Haupt die furchtbare Sense schwang. Wenden wir uns weiter, so gelangen wir zu einem frischen Grabhügel, den ein junges Mädchen weinend mit einem grünen Kranze schmückt. Ein Jüngling ist es, dessen irdische Hülle in dieser engen Behausung ruht, ein Jüngling, der in der Blüte der Jugend, in der vollen Kraft der Gesundheit von dem eisigen Hauche des Todes berührt wurde. Wohl hätte er noch leben, wohl noch lange der Welt nützen können, aber eine höhere Macht hatte es anders beschlossen, und die Tränen eines alten Vaters, einer kranken Mutter, die heißen Zähren einer liebenden Schwester vermochten nicht, die eiserne Hand des Geschickes zu beugen. Dicht neben dem Hügel erhebt sich, umschattet von düsteren Trauerweiden, ein anderes Grab, die Ruhestätte eines treuen Gatten, eines liebenden Vaters, der plötzlich dem Kreise seiner Lieben entrissen wurde, denen er noch so nötig war. Mit welchem Gefühlen mochte wohl dieser Mann aus dem irdischen Dasein geschieden sein und welch eine schwerer Gang ist es wohl für die Hinterbliebenen gewesen, als sie die Leiche ihres Ernährers zum Grabe geleiteten! - Und endlich ruht hier noch in diesem kleinen Hügel ein unschuldiges Kindlein, welches schon den Kelch des Todes trinken musste, als es kaum angefangen hatte, sich seines Lebens zu erfreuen. So geht es fort und fort auf dem stillen Grabesacker, Reiche und Arme, Herren und Diener ruhen friedlich nebeneinander, und manche, die sich im Leben feindlich gegenüberstanden, haben hier auf einem kleinen Raum beiderseitig ihr stilles Ruheplätzchen erhalten. Und wenn nun am Abend der Vollmond mit seinen milden Strahlen die weißen Leichensteine gespenstisch erleuchtet, wenn Millionen von Sternen an dem blauen Himmelsdome funkeln, wenn keine Geräusch die feierliche Stille unterbricht, dann ziehen heilige Schauer durch unsere Seele, über das Treiben der Menschen hinaus schwingt sich unser Geist enger zu jenen Regionen, wo ein allwaltender Vater die Geschicke der Sterblichen leitet und wo auch wir dermaleinst, befreit von den Fesseln des Leibes, mit unseren dahingeschiedenen Lieben wieder vereinigt zu werden hoffen.

gebertuntsk.jpg 250x84


nach oben Autor: Wilhelm Ehlers Web: Gisela Müller Datum April 2003. Letzte Änderung am 29. Juli 2004
Informationssystem [Informationssystem] [Chronik] [Hervorragende] Überblick [Webteam] [[Email s. Ueberblick]] [Exposystem] Schulentwicklung