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Latein für Bürgerkinder

Der 15. September 1406 darf als Geburtstag des Gymnasiums Johanneum angesehen werden. An diesem Tag wurde der langjährige Schulstreit zwischen dem Abt von St. Michael und dem Rate der Stadt Lüneburg beigelegt. Das Michaeliskloster verzichtete auf sein Privileg, allein in der Stadt Lüneburg eine öffentliche Schule für Bürgerkinder unterhalten zu dürfen. Der Rat erhielt nun das Recht zu einer eigenen Schulgründung. Als weiterer Grund kam hinzu, daß am 21. Juli 1406 die Domherrn von Verden das Patronatsrecht über die Johanneskirche an den Lüneburger Rat abgetreten hatten. So kam es zur Gründung einer Lateinschule als Stadt- und Ratsschule in Anlehnung an die Johanneskirche als vornehme Bürgerschule. Schutzpatron und Name der Schule - Johannisschule, Johanneum - wurden von der Kirche übernommen.

unten ab Kampf gegen das Küchenlatein

Die Alten Sprachen hatten von Anfang an einen zentrale Stellung im Bildungsangebot der Schule. Dies dokumentiert bereits die Schulordnung des Jahres 1531: Die Schüler sollen im Unterricht lateinisch miteinander reden. Damit sie aber kein koken latyn" (Küchenlatein) erdenken, soll der Schulmeister fleißig kurzes verständliches Latein mit ihnen reden. An Terenz sollen sie lernen, sich in den Ausdrücken des täglichen Lebens zu bewegen. Wenn nun die Jugend in der Grammatik hinreichend geübt ist, soll der Schulmeister klassische Schriftsteller vorlegen: Cicero, Vergil, Ovid - in den züchtigen Büchern - und Horaz, dan weiter Grammatik üben, damit die Schüler lernen fyn, egentlych, ßyrlych, copiose" (fein, treffend, zierlich und mit Fülle) zu reden und zu schreiben.

unten ab 1686 Vorherrschaft des Lateinischen

Auch am Ende des 17. Jahrhunders blieb die Vorherrschaft des Lateinischen bestehen, nur sind zwei Lateinstunden der Weltgeschichte zugewiesen worden. Dies schreibt die Schulordnung des Jahres 1686 (Constitutiones et Leges scholasticae cum pro docentibus tum discentibus) eindeutig fest. Auch die Unterrichtsmethode ist im wesentlichen dieselbe geblieben: Nach wie vor steht das Lateinsprechen im Mittelpunkt des Unterrichts, durch Umgestaltung des Gelesenen, Nachahmen, Analysieren und durch ständige Beachtung von Tropen, Figuren und eleganten Redensarten, um diese bei Gelegenheit zu gebrauchen. Jedoch läßt sich zu dieser Zeit bereits eine neue Tendenz aufzweigen: Es wird mehr Wert auf die Übersetzung antiker Texte gelegt, auf den Vergleich der Sprachen und die Pflege der deutschen Sprache. Der Lehrer soll Übersetzungen, die er zu Hause sorgsam vorbereitet hat, seinen Schülern vorlegen, sie anhalten diese wiederzugeben. Übungen sollen keinen unnützen Stoff enthalten, sondern dem Vorstellungskreis der Schüler erweitern, z.B. durch Stoff aus der Geschichte.

unten ab 1736 Einfluß der deutschen Sprache

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts nimmt der Einfluß der deutschen Sprache im Unterricht beständigt zu. Die Kirche war schon 1647 ein Vorreiter dieser Entwicklung: In der Johanniskirche wurde die lateinische Liturgie durch eine deutsche ersetzt. Es wurde jetzt auch das Sonntags-Evangelium, das bisher von einem Schüler in lateinischer Sprache gesungen wurde, deutsch verlesen. 1663 bittet der Kantor um die Erlaubnis, eine deutsche Komödie aufzuführen.

Als im Jahre 1736 die Geheimen Räte in Hannover dem Rate in Lüneburg Fragen über den Zustand der Schule stellten, war darunter auch diese: Wird die teutsche Sprache excoliert und was wird zugrunde gelegt?" Der Rat antwortete: In publicis constitutionibus ist nichts davon verordnet; es geschieht aber nach eines jeden Gutbefinden." Nur offiziell hielt man am Lateinischen fest und verlangte, daß in allen Stunden lateinische gesprochen würde, die Unterrichtspraxis sah bereits oft anders aus.

unten ab 1736 Unterrichtsübersicht

Aus dem Jahre 1736 stammt auch die erste vollständige Unterrichtsübersicht. Die Aufstellung der sog. Privatstunden für die Prima, die zusätzlich zum regulären Unterricht erteilt wurden, vermittelt einen guten Eindruck der Unterrichtschwerpunkte. Montags, Dienstags, Donnerstag und Freitag 7-8 Uhr ein colloquium biblicum, Lektüre aus dem alten Testament und der Septuaginta, offenbar für zukünftige Theologen bestimmt. 10-11 Uhr täglich: zwei Stunden Geometrie und im Sommer Feldmessen; drei Stunden lateinische Lektüre, eine Stunde praktische Redeübungen in lateinischer und griechischer Metrik. 3-4 Uhr am Dienstag lateinische Lektüre, am Donnerstag und Freitag allgemeine Geschichte, Landesgeschichte, Einprägung der Namen von damals regierenden Fürsten.

Der Konrektor gab den Primanern drei Stunden: Montag 3-4 Uhr Lektüre aus Sueton und Vallerius Paterculus, und Montags und Dienstags: Praecepta elequentiae. Die Sekunda erhielt zehn Privatstunden: Von 10-11 Uhr täglich zwei Stunden lateinische Syntax und Exercitien, zwei Stunden Lektüre aus Curtius und den Briefen Ciceros, zwei Stunden Geographie. Von 3-4 Uhr vier Stunden lateinische Lektüre: Cicero Briefe und Cornelius Nepos. Die Stunden scheinen in lateinischer Sprache gegeben zu sein, auch wenn es nicht überall gesagt ist.

unten ab Das 19. Jahrhundert

Die Schulordnung des Jahres 1774 ist die erste, die in deutscher Sprache abgefaßt ist. Der Unterricht in lateinischer Sprache ist zum ersten Mal beschränkt. An seine Stelle tritt der Deutsch-, Geschichts- und Geographieunterricht.

Auf dem Lehrplan der Jahres 1806 standen für die Prima folgende lateinische Autoren: Horaz, Vergil, Livius, Sueton, Ciceros Philosophische Schriften und Stilübungen, für die Unterprima Caesar, Tacitus (Germania), Terenz und Nepos. Zusätzlich rückt das Griechische mehr in den Vordergrund. Unter dem Einfluß des Neuhumanismus wird verstärkt griechische Lektüre betrieben. So erhielten die Unteren Klassen 5-6 Stunden Latein- und 2-3 Stunden Griechischunterricht.

Karl Haage fördere als Schulleiter des Johanneums (1834-1842) die Alten Sprachen nachhaltig. Während seiner Amtszeit wurde 1829 ein Schulneubau errichtet. Eine Inschrift verkündete, welcher Geist in diesem Neubau walten sollte: Doctrinae, virtuti, humanitati. Der Anteil der Alten Sprache war unverändert hoch: Die beiden obersten Klassen erhielten 10 bzw. 9 Stunden Latein- und jeweils sechs Stunden Griechischunterricht. Der Lehrplan des Jahres 1827 bestimmte hierfür: Da der Unterricht der Alten Sprachen nicht nur die Kenntnis der Sprachen bezwecken, sondern auch eine lebendige Anschauung des Lebens und des Geistes der alten Völker wenigstens vorbereiten soll, so wird nicht nur bei der Erklärung der alten Schriftsteller auf Realien Rücksicht genommen, sondern auch in der ersten Klassephilologische Eucyclopädie vorgetragen, jedoch im Umfang dieser Disciplin beschränkt auf römische und griechische Antiquitäten, Mythologie, alte Literaturgeschichte, alte Geschichte."

Unter dem Schulleiter Karl August Hoffmann (1849-1869) wurde das Fach Latein wieder mit größerer Energie betrieben. Die in der Prima auf 7 gesunkene Stundenzahl wurde 1852 auf 9, und 1856 wieder auf 10 Unterrichtsstunden erhöht. Auch in der übrigen Klassen wurde die Lateinunterricht um jeweils eine Stunde erhöht. Der Lektürekanon wird zu dieser Zeit in der Prima erheblich erweitet: Plautus, Terenz, Horaz, Vergil, Elegiker, Lucrez, Tacitus, Livius, Cicero (Tusculanen, de oratore, de officiis), in der Sekunda neben Vergil Aeneis eine Komödie des Terenz, Cicero (leichtere Reden), Sallust, Plinius Briefe, in der Tertia hat Caesar seinen festen Platz.

unten ab Das 20. Jahrhundert

Der Stellenwert der Alten Sprachen ist in unserem Jahrhundert beständig zurückgegangen. Während nach den Lehrplänen von 1901 noch 68 lateinische und 36 griechische Wochenstunden erteilt wurden, waren es 1956 nur noch 37 Wochenstunden für Latein und 27 Stunden für Griechisch. Im Jahre 1997 sieht der Lehrplan fünf Unterrichtsstunden in Klasse 7, jeweils vier in Klasse 8 und 9 und drei Stunden in Klasse 10 vor. In der 11. Klasse wird Latein dreistündig unterrichtet, in den Klassen 12 und 13 in den Grundkursen dreistündig, in den Leistungskursen fünfstündig.

Das sind für Latein I 25 , Latein II 16 Wochenstunden. Leistungskursschüler haben 4 Stunden mehr.



obenAutor und Web: Fred Radewaldt  Datum: Februar 97. Letzte Änderung am 08. August 2002
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