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Kontakte   Ishevsk
Austausch zwischen dem Gymnasium Johanneum, Lüneburg, und der Schule 22, Ishevsk

Der Besuch aus Ishevsk im Jahr 1999


Dieser Besuch in Lüneburg erregte das Interesse der Zeitung in Ishevsk, die darüber wie folgt berichtete:
Die Übersetzung dieses Artikels ins Deutsche hat Herr Dr. Zimmer besorgt, ehemaliger Lehrer am Gymnasium Johanneum.


Die Sprache führt nach Deutschland

In Ishevsk kennt man die Schule Nr. 22 gut. Sie trägt den Namen A. S. Puschkins und hat einen guten Ruf als sprachliches Lyceum. Aber es wissen nur wenige, dass diese Schule einen guten Freund in Deutschland besitzt - das Gymnasium Johanneum in der Stadt Lüneburg. Ende April fuhren acht Schüler und zwei Lehrerinnen als Gäste an das Gymnasium und kehrten mit einer Fülle von Eindrücken zurück.

Die Freundschaft zwischen dem deutschen Gymnasium Johanneum und der Ishevsker Schule entstand vor längerer Zeit. In Deutschland [gemeint ist hier Lüneburg] gibt es einen Bürgerverein, der die Kontakte Lüneburgs mit Ishevsk pflegt. 1993 fuhren 27 Deutsche nach Ishevsk, um eine Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen in die Wege zu leiten. Unter ihnen waren die Herren Wilhelm Tietje und Wolfgang Senne, der ehemalige Direktor des Gymnasiums [Anmerkung: ist wohl nicht zutreffend; Herr Helmut Harneit gehörte u.a. zu dieser Gruppe dazu]. Sie tragen seit jener Zeit die Verbindung mit Ishevsk.
Anfängliche Kontakte mit den Deutschen kamen durch die Jugendorganisation "Santa Lingua" zustande. In den letzten drei Jahren arbeitet das Gymnasium Johanneum unmittelbar mit der Schule Nr. 22 zusammen. Während dieser Zeit waren Schüler des Ishevsker Lyceums zwei Mal in Lüneburg, auch Lehrer fuhren mit nach Deutschland.
Im Herbst dieses Jahres wird eine Gruppe von Studenten und Lehrern des Johanneums [muss heißen: der Universität Lüneburg] die Universität besuchen. Sie werden an Konferenzen des Lyceums teilnehmen zum Thema "Schülerzentrierter Deutschunterricht in der Schule". Dort können die Studenten auch mit den ausländischen Dozenten und ihren Altersgenossen ins Gespräch kommen.
Auch von der Staatlichen Udmurtischen Universität sind Kontakte mit Deutschland hergestellt worden. Unsere Hochschule und die Universität Lüneburg sowie (deren) technische Institute [gemeint ist wohl die Fachhochschule] nehmen an einem Austauschprogramm für Dozenten und Studenten teil. So beginnen sich Kontakte zu entwickeln und darüberhinaus, auf höherer Ebene, die Freundschaft zweier Völker. Mögen diese Verbindungen unseren Ländern helfen, in Frieden und Eintracht zu leben.
Folgerichtig weilten acht Ishevsker Schüler und zwei Lehrerinnen auf Einladung der Herren Senne und Tietje Ende April in Lüneburg. Sie verbrachten dort zehn unvergessliche Tage. Die Ishevsker wurden in Deutschland sehr warmherzig und gastfreundlich aufgenommen. Die Kinder wohnten in Familien mit gleichaltrigen Kindern. Tagtäglich besuchten unsere Schüler zusammen mit ihnen den Unterricht im Gymnasium Johanneum. Die Ishevsker meisterten das Gespräch in deutsch bald soweit, dass sie sich während aller Fahrten fast nicht (mehr) auf russisch unterhielten. Sogar jetzt (noch) tauschen sie einige längere russische Wendungen gegen kurze deutsche Ausdrücke aus. Die Kinder fingen in Deutschland schon an, in deutscher Sprache zu denken. Das heißt aber nicht, dass sie darüber hinaus das Russische vergessen hätten. Sie entwickelten vielmehr eine größere Liebe zu ihm.

Ich stellte ihnen die Frage, was sich ihnen in Deutschland vor allem eingeprägt habe. Hier das, was die Lyceums-Schüler darauf antworteten:
Mascha Mironowa: Mich hat der freie Umgang (miteinander) verblüfft. Die Menschen sind dort ungewöhnlich offen und wohlwollend.
Inna Kasandschan: Mir hat sich vor allem die deutsche Kultur eingeprägt - und hier die hohe Kultur des Umgangs zwischen Menschen. Mascha hat Recht, man spürt so auch beim Gespräch ein Wohlwollen.
Nastja Salutowa: Die Deutschen verhalten sich sehr schonend der Umwelt gegenüber. In Umweltfragen sollten wir einiges von ihnen lernen.
Natascha Anosowa: In Deutschland sind die Menschen nicht gleichgültig. Sie sind aufmerksam und fürsorglich. Zueinander verhalten sie sich wie zu den eigenen Verwandten.
Rinat Achmetsjanow: Der stärkste Eindruck war für mich eine Orgel. Ich sah dieses Instrument zum ersten Mal in meinem Leben in der Kirche St. Nikolai, und ihren Klang werde ich lange im Gedächtnis behalten.
Aljoscha Pawlenko: Ich war überrascht über die Wärme und Freundlichkeit der deutschen Familien, die Kinder aus unserem Land aufgenommen haben. Wenn man sich in Deutschland befindet, darf man den Rahmen des deutschen Lebens nicht unbeachtet lassen. Hier herrschen Ordnung, gute Organisation, Sauberkeit. Und natürlich war ich begeistert von den tadellosen Straßen.
Ksjuscha Prokoljewa: Vor allem anderen erinnere ich mich unseres Lehrers im Gymnasium, speziell meines "deutschen Papas". Er ist Geographielehrer, aber von unseren Lehrern weit entfernt. Schon seine äußere Erscheinung: Ring im Ohr, originelle Kleidung, Tabakspfeife, rücken ihn an die Jugend heran, machen ihn zu einem Vertrauten. Seine Überlegungen wie seine Schlagfertigkeit verstehen wir. Mit ihm umzugehen fiel uns sehr leicht.
Olga Moschkowa: Die Menschen in Deutschland sind aufgeschlossener, optimistischer. Ich erinnere mich vor allem an den Umgang mit der Familie, bei der ich wohnte. Im Hause war eine warme, häusliche, freundliche Atmosphäre zu spüren. In Russland herrscht leider bei vielen Familien keine so wunderbare Ausstrahlung. Ich habe schon angefangen, das in meiner Familie einzuführen. Ich denke, dass es sich ergeben wird.

Gegenwärtig lernen diese Kinder noch in der Schule, aber die meisten wissen schon, was sie werden wollen. Mascha, Inna und Natascha planen, einen Beruf zu ergreifen, der mit der deutschen Sprache zu tun hat.
Die jungen Burschen wählen sich technische Berufe und wollen ein Praktikum in Deutschland absolvieren. Doch ist es nicht so wichtig, was sie einmal sein werden - Juristen, Wirtschaftler, Ingenieure. Von einem sind die Kinder überzeugt: Sie wollen sich weiter mit der deutschen Sprache beschäftigen, sich in ihr vervollkommnen. Das ist selbstverständlich für sie.
Ihre Lehrerinnen, Natalja Rogotnewa und Marina Tarasowa, wollen die Schüler nicht unbedingt so ausrichten, dass sie in ihre Fußstapfen treten [beide sind Deutschlehrerinnen]. Für sie ist es die Hauptsache, dass aus ihnen gute Menschen werden und dass sie sich im Herzen die Liebe zur Sprache bewahren. Indem sie eine Sprache lernen, mit ihr umgehen, erfahren die Jugendlichen etwas von der Kultur anderer Länder. Gerade am Beispiel des Auslandes können sie in die Lage versetzt werden, etwas dafür zu tun, dass in Russland das Leben besser wird. Dafür scheuen die Lehrerinnen weder Mühe noch Zeit.

nach oben Autor: unbekannt Web:EmailRainer Kunze Datum: Herbst 2002. Letzte Änderung am 05. November 2004
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